Fliegerbomben um 20.20 Uhr gesprengt Wie es an der IGS Fürstenau als Evakuierungszentrum während der Bombenentschärfung zuging

Sie überzeugten sich vom reibungslosen Ablauf bei der Registierung der Evakuierten: Fürstenaus neue Bürgermeister Manuela Nestroy und IGS-Schulleiter Jürgen Sander, für den es auch neu war, wie schnell eine Schule zu einem Evankuierungszentrum werden kann. Foto: Jürgen AckmannSie überzeugten sich vom reibungslosen Ablauf bei der Registierung der Evakuierten: Fürstenaus neue Bürgermeister Manuela Nestroy und IGS-Schulleiter Jürgen Sander, für den es auch neu war, wie schnell eine Schule zu einem Evankuierungszentrum werden kann. Foto: Jürgen Ackmann

Fürstenau. "Bisher habe ich so etwas immer nur aus anderen Orten gehört. Nun bin ich selbst betroffen." Ein wenig überrascht war eine Fürstenauerin, die sich am Dienstagabend als Evakuierte auf dem Eingangsflur der Integrierten Gesamtschule wegen einer Bombenentschärfung im Fürsten Forest wiederfand.

Um 14 Uhr war die Nachricht an der IGS bei Schulleiter Jürgen Sander eingetrudelt. Bis 15.30 Uhr sei dann der Schulunterricht noch weitergelaufen. Dann sei Schluss gewesen, um das Feld für das DRK zu räumen. Das fackelte nicht lang. Bereits um 16 Uhr stand der Parkplatz mit Einsatz- und Rettungswagen voll. Krankenbetten rollten an, Kabel schlängelten sich überall entlang, Hundeboxen standen bereit. Die IGS war zu einem Evakuierungszentrum geworden.

Optimale Bedingungen

Die Helfer hatten an alles gedacht. Jens Kasselmann, Leiter des Evakuierungszentrum beim DRK-Kreisverband Osnabrück Land konnte mit seinen Leuten zufrieden sein – auch mit den von der IGS zur Verfügung gestellten Räumen. "Die Bedingungen sind optimal", so Jens Kasselmann. Die fand auch das Verpflegungsteam vor. Auf dem Hof hinter der Mensa dampfte es alsbald aus großen Töpfen. Erbsensuppe sollte es für die Evakuierten und die Helfer im Laufe des Abends geben. Nudeln mit Tomatensoße ebenfalls.(Weiterlesen: Sprengung der Fürstenauer Bomben ohne Probleme)

Die Zeit anderweitig verbracht

Von mehr als 200 zu betreuende Personen waren die Helfer ausgegangen. Plus Einsatzkräfte. So viele waren es dann längst nicht, die sich aus den betroffenen Wohngebieten Kranenpool, Am Hamberg und Ettenfeld in der IGS einfanden. Von den Evakuierten hatten es offenbar viele vorgezogen, die Zeit bis zur Sprengung der beiden schwergewichtigen Bomben bei Freunden zu verbringen oder einfach etwas anderes zu unternehmen. Kino. Restaurant. Kneipe. Wie auch immer.

Ein kleines Abenteuer

Die, die sich in der IGS umsorgen ließen, waren durch die Bank gut gelaunt. So wie die Familie von Simone Wöstmann. Die empfand die Evakuierung – so wie viele andere auch – als kleines Abenteuer. Vorsorglich hatte die Familie Uno-Karten mitgebracht, um sich die Zeit zu vertreiben. Die einzige Sorge, die Tochter Simone Wöstmann hatte: Wird es womöglich so spät, dass sie am nächsten Tag nicht zur Schule kann? Da wolle sie aber gerne hin, verkündete sie.

Die Evakuierten nahmen es gelassen, dass sie ihre Häuser verlassen mussten - so wie beispielsweise Günter Frantzen und Tochter Alisa (im Vordergrund). Foto: Jürgen Ackmann

Tja Schule. Am Mittwoch stehen an der IGS Abiturprüfungen an. Latein. "Das findet statt", betonte Oberstufenleiter Stephan Heinrich Flohr, um gleich trügerische Hoffnungen den Garaus zu machen. Da führe kein Wege dran vorbei.

 Auch sonst lief der schulische Betrieb an der IGS trotz der Umfunktionierung zum Evakuierungszentrum am Ende erstaunlich reibungslos weiter. So trudelten am Abend nach und nach Eltern und Schüler ein, um den in Kürze anstehende Fahrt nach England zu besprechen. Eine kurzfristige Absage des Treffens war aus logistischen Gründen nicht mehr möglich. Also improvisieren. Wichtig war am Ende, dass die Parkplätze vor der IGS nicht von Eltern blockiert wurden. 

Sirenengeheul um 18.50 Uhr

Gegen 18.50 Uhr zeugten dann Sirenengeheul und ein kreisender Hubschrauber davon, dass die Sache  mit der Bombenentschärfung langsam ernst werden würde. Zur selben Zeit sorgte das Geläut von Kirchenglocken für eine bemerkenswerte Geräuschkulisse. So viel war in Fürstenau schon längere Zeit nicht mehr los - vielleicht vor einigen Jahren, als mehr als 30.000 Besucher bei der Messe "Forest Spring" auf dem Gelände des Ferien- und Freizeitparkes für Verkehrschaos auf der Bundesstraße sorgten.

Hollensteder bot Hilfe an

Gleichwie: Das vielleicht schönste Erlebnis des Abends hatte – neben dem Sprengmeister, dem es gelungen war, um 20.20 Uhr die beiden Bomben kontrolliert zu sprengen – IGS-Schulleiter Jürgen Sander. Ein Bürger aus dem Fürstenauer Ortsteil Hollenstede hatte angerufen und gefragt, ob die IGS Hilfe benötige. Er würde dann den Ort mobiliseren. Wenn das keine Hilfsbereitschaft ist.


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