Bewegende Momente Bundesverdienstkreuz für Schwester Innocenza aus Fürstenau

Premiere für den Landrat, der nach seinen Worten zwar schon viele Bundesverdienstkreuze ausgehändigt habe, noch nie zuvor aber an eine Ordensschwester. Foto: Peter SelterPremiere für den Landrat, der nach seinen Worten zwar schon viele Bundesverdienstkreuze ausgehändigt habe, noch nie zuvor aber an eine Ordensschwester. Foto: Peter Selter

Fürstenau. Schwester Maria Innocenza Bartelt hat das Bundesverdienstkreuz erhalten. Landrat Michael Lübbersmann nahm die Auszeichnung in einer Feierstunde im Saal des Gasthauses Johannemann im Fürstenauer Ortsteil Hollenstede vor.

Als "soziale Ikone" würden Unterstützer und Wegbegleiter sie bezeichnen. Das sei absolut zutreffend, betonte Landrat Michael Lübbersmann. Über drei Jahrzehnte habe sie sich für das Wohl von Menschen, die Hilfe benötigen, eingesetzt. Durch ihre Arbeit habe sie auch bewiesen, dass Zusammenhalt keine Grenzen kenne und dass man durch Entschlossenheit und Überzeugungskraft auch große Strecken überwinden könne. Das zeige sich in besonderem Maße an ihren Hilfseinsätzen für Ostmitteleuropa. 

Neben dem Christuskreuz trug Schwester Innocenza das jüngst verliehene Bundesverdienstkreuz. Stadtdirektor Benno Trütken (von links), Landrat Michael Lübbersmann und Bürgermeister Herbert Gans waren die ersten Gratulanten. (Foto: Peter Selter)

Sie habe es nicht nur geschafft, mit der Fürstenauer Tafel im Jahr 2008 ein Projekt ins Leben zu rufen, mit dem sich eine große Anzahl weiterer ehrenamtlicher Helfer identifiziere, sie habe auch in zahlreichen Einzelsituationen große Hilfe geleistet. Allein in der Fürstenauer Tafel sei jetzt ein Team von 30 Helfern aktiv und stelle Lebensmittel für über 150 bedürftige Menschen bereit. Sie entwickele auch immer wieder neue Ideen. So sei beispielsweise mit einer Grundschule die Aktion "Kleine Hände - großes Herz" ins Leben gerufen worden, durch das arme Kinder in Sibirien mit Spielzeugen von Fürstenauer Grundschulkindern unterstützt würden. "Das alles leisten Sie mit einer Hingabe und Leidenschaft, die beeindruckend ist", so der Landrat. 

Hilfstransporte persönlich begleitet

Ihre Hilfstransporte, zunächst nach Ungarn, Polen und Rumänien seien beispielhaft. Dadurch sei ihr Ehrgeiz aber noch nicht ausgeschöpft gewesen. So hätte sie über viele Jahre die Hilfstransporte im Rahmen des Projektes "Königsberghilfe" auch auf das russische Kaliningrad ausgeweitet. Sehr beeindruckend sei auch, dass sie die Hilfstransporte immer wieder persönlich begleite, um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. 

Es müsse auch Erwähnung finden, dass Schwester Innocenza das Begleitfahrzeug während der Hilfstransporte selber fahre, betonte Bürgermeister Herbert Gans, der die gut 80 Gäste im Saal Johannemann durch das Programm führte. Schwester Innocenzas Einsatz für die Menschen sei "in höchstem Maße auszeichnungswürdig", betonte der Bürgermeister. Ihr Einsatz und ihre Hartnäckigkeit seien beeindruckend. So habe die gelernte Tischlerin und Altenpflegerin beispielsweise den Raum für die Tafelausgabe selbst renoviert und nach ihren Vorstellungen eingerichtet, so Herbert Gans. 

Überraschungsbesuch aus Kaliningrad

Mitstreiter Theodor Große-Starmann aus Alfhausen, der Schwester Innocenza seit dem Jahr 1982 regelmäßig bei der Königsberghilfe unterstützt, wusste einige Anekdoten aus der Zusammenarbeit mit der agilen Schwester zu berichten. Mit welcher Stärke und Konsequenz sie die Hilfsprojekte durchgeführt habe, sei einzigartig. Sei es eine Feldküche, die sie während des Elbehochwassers für die Hilferegionen organisiert habe, oder der Bau einer schönen Kapelle in Königsberg. Das, was Schwester Innocenza anpacke, gelinge. "Und die hört ja nicht wieder auf", merkte er lächelnd zu der positiven Vehemenz an, die die Schwester an den Tag legen könne. 

Eine besondere Überraschung war der Besuch von Pfarrer Anupras Gauronskas aus Königsberg, der - übersetzt durch einen Dolmetscher - die Glückwünsche und Grüße der Menschen aus Königsberg überbrachte. Schwester Innocenza habe weitaus mehr geleistet, als in der Feierstunde gesagt worden sei.

Der Name "Innocenza" würde sich aus dem Lateinischen ableiten lassen und bedeute auch so viel wie "sanft und harmlos", sagte Pastorin Anke Kusche, die zusammen mit Pfarrer Hubert Schütte an der Feierstunde teilnahm. Sie bitte um Nachsicht, aber das treffe auf Schwester Innocenza, wenn sie mit hochgekrempelten Ärmeln am Steuer ihres Bullis durch die Gegend eile und Hilfstransporte auch zur Zeit der kommunistischen Regime durchgeführt hätte, zum Glück gar nicht zu, so Anke Kusche.

"Schleierbonus" ist hilfreich

Für das Team der Fürstenauer Tafel gratulierten und bedankten sich Annette Haarrannen und Gisela Oltrogge in Versform bei Schwester Inocenza. Aber auch bei der treuen Unterstützerin, Schwester Sieglind, bedankten sich die Ehrenamtler. Da die Schwester am Tag des Festaktes Geburtstag hatte, dirigierte Anke Kusche kurzerhand einen Kanon als Geburtstagsständchen. 

Auch Hildegard Wurst und Heinz Brunnecke als kleine Delegation der Quakenbrücker Tafel überbrachten die besten Wünsche von den "Tafelkollegen" und überreichten eine große Sahnetorte mit dem Bild des Bundesverdienstkreuzes. 

"Ich brauche jeden von euch", betonte schließlich Schwester Innocenza, die sich sehr über die vielen guten Wünsche freue. Sie alle zusammen könnten viel Gutes für die Menschen bewirken. Sie räumte ein, dass es manchmal hilfreich sei, wenn eine Ordensschwester sich um die Projekte kümmere und mit Behörden oder Grenzbeamten zu tun habe. Das sei der "Schleierbonus", ergänzten ihre Ordensschwestern aus Thuine unter dem Applaus der Gäste. Für die musikalische Begleitung des Festaktes sorgte übrigens Velina Michel aus Fürstenau. 


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