Geburtstag am Mittwoch Finanzskandal aufgedeckt und Bombenangriff überlebt: Bippener wird 90 Jahre alt

Von Jürgen Schwietert

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Eines seiner Lieblingshobbys ist das Malen. Heute wird Otto Eilers 90 Jahre alt. Foto: Jürgen SchwietertEines seiner Lieblingshobbys ist das Malen. Heute wird Otto Eilers 90 Jahre alt. Foto: Jürgen Schwietert

Bippen. Er deckte einen Finanzskandal in Badbergen auf und überlebte einen Bombenangriff im zweiten Weltkrieg: Otto Eilers hat in seinem Leben schon viel erlebt. Am heutigen Mittwoch wird er 90 Jahre alt.

Als er 1952 den Auftrag erhielt, als Buchhalter für Raiffeisen in Badbergen die Bilanz zu übernehmen, ahnte  Otto Eilers nicht, was ihn erwartete. Denn dort decke er große Unregelmäßigkeiten. Daraufhin wurde er stellvertretender Geschäftsführer und schließlich 1965 Geschäftsführer in Bippen.

Bevor er jedoch beruflich Karriere machen konnte, erlebte er die Wirren der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Geboren wurde er am 13. Februar 1929 als zweites Kind der Familie Otto und Magdalena Eilers in Ostfriesland in Schweierzoll, jetzt einem Ortsteil von Stadland im Landkreis Wesermarsch. Sein Vater leitete die Warengenossenschaft. 

In Schwei besuchte er die Bauernschaftschule. „Ich wurde erst mit sieben Jahren eingeschult, weil ich so klein war. Ich hatte einen wunderbaren Lehrer. Acht Jahrgänge waren in einer Klasse vereint“, erzählt Eilers. 

Nicht zur Waffen-SS

Nach der Schulentlassung besuchte er 1944 die Handelsschule. Im Herbst des Jahres wurde er gemustert. Die Schutzstaffel (SS) setzte ihn unter Druck und wollte seinen Eintritt die die Waffen-SS erreichen. Dem aber widerstand er. Im Herbst des Jahres wurde auch die Handelsschule geschlossen. Deshalb wurde er zunächst zum Schanzen eingeteilt, später in einer Flugzeugfabrik.

Nachdem die Firma nicht mehr beliefert werden konnte, musste Otto Eilers in ein Wehrertüchtigungslager, einem verdeckt arbeitenden Zwangslager in Ganderkesee – und das nur wegen seiner Weigerung, Mitglied der Waffen-SS zu werden. „Alle, die sich freiwillig gemeldet hatten, konnten zuhause auf die Einberufung warten. Die, die sich nicht gemeldet hatten, wurden unehrenhaft aus der HJ (Hitlerjugend) entlassen und zu Zwangsarbeit verdonnert“, erinnert er sich. Karfreitag 1945 erlebte er einen Bombenangriff auf das nur 20 Kilometer entfernte Bremen, verbunden mit einem Angriff auf das Lager. In den letzten Kriegswochen gelang ihm mit Schwierigkeiten der Weg nach Hause. 

Drei Enkel und vier Urenkel

Am 1. Juli 1946 begann er dann seine Lehre bei der Raiffeisenbank und studierte in zwei Semestern Betriebswirtschaft. Nach einem Intermezzo bei den Olympiawerken in Wilhelmshaven verschlug es ihn wieder zu Raiffeisen und nach Badbergen. In der Region lernte er seine Frau Paula Bredekamp (Tischlerei Bredekamp) kennen. Das Ehepaar bekam zwei Töchter, Gisela und Elke. Otto Eilers freut sich inzwischen über drei Enkel und vier Urenkel. Seine Frau Paula starb bereits 1995. 

Beruflich blieb Otto Eilers der Raiffeisengruppe lange treu. Von 1955 bis 1959 war er als Buchhalter und stellvertretender Geschäftsführer in der Genossenschaft in Moormerland. 1959 kehrte die Familie zurück in  den Altkreis Bersenbrück. 1965 ging er als Geschäftsführer zur Raiffeisenwarengenossenschaft nach Bippen. 

1984 trat er in den Sozialverband in Bippen ein und übernahm schon bald den Vorsitz. Dort ist Otto Eilers mittlerweile Ehrenvorsitzender. Auch der Schützenverein erinnert sich gerne an seinen ehemaligen Präsidenten, der von 1973 bis  2000 mehr als 25 Jahre an der Vereinsspitze wirkte. Außerdem malt Otto Eilers in Öl und Aquarell. Er gehört als ältestes Mitglied dem Malkontor Arlinghaus in Renslage an. jesc



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