Vor 30 Jahren Betrieb übernommen Fürstenauer Tischler setzt Familientradition fort

Meine Nachrichten

Um das Thema Samtgemeinde Fürstenau Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Tischlerei hat Johannes Stein vor 30 Jahren von seinem Onkel übernommen. Foto: Nina StrakeljahnDie Tischlerei hat Johannes Stein vor 30 Jahren von seinem Onkel übernommen. Foto: Nina Strakeljahn

Fürstenau. Vor 30 Jahren hat Johannes Stein die Tischlerei seines Onkels Clemens Meiners übernommen – und damit auch die Bestattungen. Bis heute kümmert er sich um beide Aufgaben.

"Das erste Mal hatte ich schon ein mulmiges Gefühl", sagt der 57-jährige Johannes Stein über seine erste Bestattung. Damals war er Auszubildender in der Werkstatt seines Onkels und zu einer Tischlerei gehörten auch die Bestattungen. "Früher wurden die Särge noch beim Tischler gemacht", erklärt er. Heute werden die Särge zugekauft. Aber so ergab es sich, dass die Tischler auch die Organisation der Beerdigung übernahmen.

Tischler ist einer der schönsten Berufe überhaupt.Johannes Stein


Von 1976 bis 1979 lernte Stein von seinem Onkel, wie Bestattungen durchgeführt werden. Vor allem aber wurde er Tischler. "Ich wollte das immer werden und würde es auch immer wieder lernen", sagt er. "Tischler ist einer der schönsten Berufe überhaupt."

Nachdem er 1986 seine Meisterprüfung abgelegt hatte, kehrte er in den Betrieb seines Onkels zurück. Als zunächst sein Onkel und 1988 seine Tante starben, übernahm er schließlich Ende des Jahres die Tischlerei.

In der Werkstatt macht Johannes Stein noch alles, von Treppen bis hin zu Möbelstücken. Foto: Nina Strakeljahn


"Wir machen noch alles", sagt Johannes Stein. Er baut Treppen, Möbelstücke oder Türen und kümmert sich auch die Montage. Während der 30 Jahre hat er seine Werkstatt außerdem vergrößert. Als das alte Feuerwehrhaus in Fürstenau gegenüber seiner Tischlerei zum Verkauf stand, schlug er zu. Begleitet hat ihn in den vielen Jahren bis heute Geselle Ludger Fleddermann.

Johannes Stein liebt es auch, ein bisschen zu basteln. Deshalb hat er sich auch eine Portalfräse gekauft. Besonders gerne gestaltet er Figuren aus altem Holz oder restauriert Möbel. Allerdings fehlt ihm oft die Zeit.

365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag erreichbar

Denn ein Todesfall trifft fast immer unerwartet ein. Deshalb ist er auch an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden am Tag erreichbar. Als Bestatter kümmert sich um alles und das nimmt viel Zeit in Anspruch. Er regelt die Angelegenheiten mit den Behörden, sorgt für den Totenschein und die Sterbeurkunde. Er holt den Toten ab und überführt ihn. Er koordiniert den Totengräber und die Termine. Außerdem er berät die Angehörigen, hilft bei der Wahl des Sarges. Auch um die Traueranzeige und den Druck der Trauerkarten kümmert er sich.

In seinem Haus können sich Angehörige Särge anschauen. Foto: Nina Strakeljahn


Insgesamt 40 Beerdigungen organisiert er jährlich. Seit vielen Jahren beobachtet er die Entwicklung bei den Bestattungen. Dabei bestätigt er den Trend, dass es immer mehr Feuerbestattungen und Urnenbeisetzungen gibt. Früher habe es im Jahr vielleicht eine Urnenbestattung gegeben, heute seien es über die Hälfte aller Beerdigungen.

Der Tod gehört für mich zum Leben dazuJohannes Stein

Als Bestatter sieht Johannes Stein viel. "Es ist alles schon vorgekommen", sagt er. Das belastet ihn aber nicht. "Ich nehme das nicht mit ins Bett." Während er als Auszubildender noch ein mulmiges Gefühl hatte, ist es für ihn heute viel einfacher. "Der Tod gehört für mich zum Leben dazu."

Sein Wissen über das "wunderbare Handwerk" Tischlerei gibt Johannes Stein seit vielen Jahren an Auszubildende weiter. Bislang habe er auch immer Glück gehabt, einen Lehrling zu finden. Allerdings bemängelt er, dass es manchen Jugendlichen an Motivation, Leidenschaft und auch Wissen fehle. In anderen Sachen hätten sie den Erfahrenen allerdings etwas voraus.

Wie es für den 57-Jährigen weitergeht, weiß er noch nicht. "Mal gucken, was die Zukunft bringt."


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN