„Genauso sah es aus, das Biest“ Ein Denkmal für Fürstenaus Amtsdackel „Sauser“

Von Jürgen Schwietert

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Gerechtigkeitsbewusste Legende auf vier Pfoten: Simone Schleicher, Herbert Gans, Birgit Ahaus, Anita Dirkmann und Benno Trütken (von links) enthüllen das Denkmal von Dackel Sauser. Foto: Jürgen SchwietertGerechtigkeitsbewusste Legende auf vier Pfoten: Simone Schleicher, Herbert Gans, Birgit Ahaus, Anita Dirkmann und Benno Trütken (von links) enthüllen das Denkmal von Dackel Sauser. Foto: Jürgen Schwietert

Fürstenau. In Fürstenau gab es in den 1950er und 60er Jahren wohl kaum jemanden, der ihn nicht kannte: Sauser, der Dackel vom früheren Amtsrichter Wolfgang Parisius. Er stolzierte gerne durch den Gerichtssaal und bellte auch schon mal Angeklagte an. Nun ist ihm ein Denkmal gesetzt worden.

Flapsig formuliert kann man sagen: „Wer Sauser nicht kennt, hat die Fürstenauer Geschichte verpennt.“ Jetzt erinnert die Dackelplastik vor dem Hotel Keitel auf der Schlossinsel (Amtsgefängnis, benannt nach Gefängniswärter Keitel, auch Papa Keitel genannt) an diesen Hund, der so manche Gerichtsentscheidung beeinflusst haben soll.

Zur feierlichen Enthüllung hieß Birgit Ahaus, Sprecherin des Arbeitskreises II des Stadtmarketingvereins, Mitwirkende und Gäste, darunter die Künstlerin Simone Schleicher und die Mitglieder der Klöngruppe des Heimvereins sowie Dirk und Susanne Chabalowitz (SD Stahldesign) sowie die Stadtführer willkommen. Die Stadtführer bereichern ihre Führungen seit jeher mit der liebenswerten Anekdote über Sauser.

Tiergestützte Juristerei

Birgit Ahaus informierte auf die sich seit Jahren weiter entwickelnde Kunstspur, die unter anderem über die Schlossinsel führt. Samtgemeindebürgermeister und Stadtdirektor Benno Trütkrn merkte an: „Man sieht, hier sind sehr viele Ehrenamtliche beteiligt. Das zeigt, was unsere Stadt ausmacht.“ Dann ging er mit humorvollen Worten auf die tiergestützte Juristerei ein.

„Es ist eine recht schwierige Geburt gewesen“, beschrieb Trütken die Entstehungsgeschichte des Sauser-Denkmals. Ein Lob galt Anita Dirkmann, die das Thema mit der Gruppe Klönschnak sehr gut aufbereitet hatte und Karl-Heinz Dirkmann, der sich um die historischen Fakten kümmerte. „ Wir freuen uns als Samtgemeinde, und besonders als Stadt, über die touristische Aufwertung der Kunstspur“, so Trütken.

Hund mit Profil und Geschichte

Sodann wurde die Plastik gemeinsam enthüllt. Und vom Bürgermeister kam der spontane Einwand: „Das hat für die Stadt einen Nachteil – der bringt keine Hundesteuer ein.“ Über die Entwicklung der Skulptur informierte Simone Schleicher. „Eines Tages kam der Anruf von Anita Dirkmann. Kannst Du nicht einen Dackel machen?“ Die spontane Antwort: „Einen Dackel habe ich in 25 Jahren noch nicht gemacht.“ Aber sie nahm das Projekt in Angriff. Und das Kunstwerk gelang.

Weiterhin erzählte Schleicher von den Besprechungen im Vorfeld. Detailliert ging Anita Dirkmann auf das Projekt ein. „Heute ist ein ganz besonderer Tag. Heute ist der Richterdackel Sauser, ein Hund mit Profil und Geschichte, übergeben worden“, freute sie sich, „ein Hundedenkmal mit Paragrafenhalsband. Der aufmerksame Besucher merkt auf, fragt nach und findet Hinweise auf der Infotafel.“ Richter Wolfgang Parisius und sein sagenumwobener Dackel Sauser seien so wieder lebendig geworden. „Genau so sah es aus, das Biest“, merkte beim ersten Anblick spontan eine ehemalige Mitarbeiterin des Richters an. Mit dabei waren auch weitere Zeitzeugen.

Neues Revier beim alten Gefängnis

Auf Plattdeutsch fuhr Anita Dirkmann fort: „Susewind kennede in Früstenau jedet Kind. Mit Paragrafen kennede hei sück nich ut. Hei verlätt sück leiwer up siene Neesen un sein Dackelbuuk. Fueng die Dackel bi Gericht luut an tau bleeken, kunnde de Delinquent nich mit ´nen Friespruch reeken. Hei hädde dann woll nich die Woarheit saecht un sich de Soake stikum aenners torechte lecht“.

Die Skulptur wurde durch die Klönschnackrunde des Heimatvereins Fürstenau finanziert. In Fürstenau engagieren sich zahlreiche Organisationen im Bereich Tourismus im Kontext zur Stadtgeschichte. Zu den Aktivitäten gehört auch die Kunstspur, initiiert vom Stadtmarketingverein Fürstenau aktiv, Arbeitskreis II. Der Verein für Archäologie und Stadtgeschichte restauriert derzeit das alte Amtsgefängnis auf der Schlossinsel – ab sofort unter den strengen Augen von Dackel Sauser.


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