Burnout am eigenen Leib erfahren Weltenbummlerin will Praxis für Psychotherapie in Fürstenau eröffnen

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Sie möchte in Fürstenau eine Praxis für Psychotherapie eröffnen: Sarah Pachulicz. Foto: Jürgen AckmannSie möchte in Fürstenau eine Praxis für Psychotherapie eröffnen: Sarah Pachulicz. Foto: Jürgen Ackmann

Fürstenau. Mit dem Ausgebranntsein kennt sich Sarah Pachulicz aus. Die Psychologin und Psychotherapeutin, die eine Praxis in Fürstenau eröffnen möchte, weiß aus eigenem Erleben, wie es ist, wenn der Weg vom Sofa bis zur Küche unüberwindbar erscheint, wenn also die mentale Kraft fehlt.

40 Jahre alt ist Sarah Pachulicz. Dass sie in ihrem Leben noch nicht genug erlebt hat, kann sie nicht behaupten. In Osnabrück geboren, in Gesmold bei Melle aufgewachsen, in Greifswald Anglistik und Skandinavistik studiert, ein Jahr in Ungarn im Rahmen eines Austausches gelebt, zehn in den USA, zuerst in einem Sommercamp im Bundesstaat Indiana als Reitlehrerin, Putzfrau und Officemanagerin gearbeitet, dann Arbeits- und Organisationspsychologie an der Michigan State University studiert und unter anderem an einem Projekt zum Thema Stress und Burnout bei Notfallmedizinern mitgearbeitet. Punkt. Durchschnaufen. Und weiter.

In Kooperation mit der US-Navy stellte sie zudem Studien zur Multitaskingfähigkeit an, um zu ermitteln, welche Soldaten vor diesem Hintergrund am besten für den Einsatz in U-Booten oder Panzern geeignet sind. Eine Nebenbei-Erkenntnis: Frauen sind nicht grundsätzlich multitaskingfähiger als Männer. Entscheidend ist die jeweilige Persönlichkeitsstruktur. Menschen, die gerne einfach offen auf eine Sache zugehen, scheuen in der Regel auch nicht davor zurück, mehrere Dinge zugleich anzugehen, wie Sarah Pachulicz erläutert.

An der Michigan State University studiert

Die wissenschaftliche Arbeit in den USA sei sehr spannend und abwechslungsreich gewesen, so die Neu-Fürstenauerin, die inzwischen im Ortsteil Höne wohnt. Aber: Da die Forschung dort fast ausschließlich über Drittmittel finanziert werde, sei auch der Druck sehr hoch, Gelder einzuwerben. Dazu sei es notwendig, möglichst viel zu publizieren und Ergebnisse zu liefern.

2008 schließlich nahte nach Abschluss des Studiums und der Arbeit an wissenschaftlichen Projekten der Tag der Entscheidung. Sarah Pachulicz musste klären, ob sie sich komplett auf die USA und einen Arbeitgeber dort einlassen wollte, oder ob sie nach Deutschland zurückkehren sollte. Sie entschied sich für ihre Familie und für Deutschland.

Wenn man die Zeichen des Körpers ignoriert

Damit aber nicht genug. Sarah Pachulicz begann erneut zu lernen und machte zunächst eine Ausbildung an der Uni Osnabrück, um als approbierte Psychotherapeutin arbeiten zu können. Als das geschafft war, war sie unter anderem als stellvertretende psychologische Leiterin der Fachklinik St. Vitus in Visbeck tätig – eine Einrichtung, die sich um Frauen mit Traumafolgestörungen und Suchterkrankungen kümmert.

Dann übernahm sie die therapeutische Leitung des neu eröffneten Reha-Centrums Alt-Osterholz in Bremen. Hier geriet sie auf einen Weg, den sie nicht einschlagen wollte. Klar. Zeitdruck, Stress, Anforderungen von allen Seiten sei normaler Alltag gewesen, sagt Sarah Pachulicz. Doch seien ihre eigenen Ansprüche so hoch gewesen, dass sie ohne Rücksicht auf sich selbst immer weitergemacht habe, obwohl ihr Körper schon längst nicht mehr konnte. Burnout. Sie habe die Anzeichen ignoriert, sie nicht wahrhaben haben wollen – obwohl sie Psychologin und Psychotherapeutin sei. Inzwischen habe sie begriffen, dass ein Burnout nichts mit Alter, fehlender Stärke oder Willenskraft zu tun habe. Im Gegenteil. Oft treffe es genau die, die sich besonders engagierten.

Von Arbeitsorganisation bis Traumabewältigung

Ihre Erfahrungen wolle sie nun nach einer beruflichen Auszeit, in der sie unter anderem das Buch „Alive like stone: a magical journey to Scotland“ geschrieben hat, in ihrer eigenen Privatpraxis gerne weitergeben. In „Klinik-Zusammenhängen“ wolle sie nicht mehr tätig sein. In ihrer Privatpraxis wird sie überdies Hilfe bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse sowie Unterstützung der Persönlichkeitsstruktur anbieten. Zudem sei eine therapeutische Beratung bei Depressionen, Ängsten und Zwängen ebenso möglich wie die Beratung von Teams bei der Arbeitsorganisation. Schließlich habe sie genau das in den USA studiert.

Das Interesse an ihrer Arbeit ist groß, wie sie in den vergangenen Wochen erfahren hat. Gleichwohl kann sie erst loslegen, wenn die Genehmigung für die Praxisräume in Höne vom Landkreis vorliegt.

Weitere Infos unter Telefon 0176/ 83026455.


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