Mehrere Jungen angegangen Mehrere Jahre Haft für Fürstenauer wegen schweren sexuellen Missbrauchs

Von Raphael Steffen

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Bei der Verhandlung vor dem Landgericht Osnabrück taten sich düstere Abgründe auf. Am Ende wurde ein Fürstenauer wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu zwei jahren und acht Monaten haft verurteilt. Archivfoto: David EbenerBei der Verhandlung vor dem Landgericht Osnabrück taten sich düstere Abgründe auf. Am Ende wurde ein Fürstenauer wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu zwei jahren und acht Monaten haft verurteilt. Archivfoto: David Ebener

rast Fürstenau/Osnabrück. Das Landgericht Osnabrück hat einen Mann aus Fürstenau wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu einer Haftstrafe verurteilt. Der 32-Jährige wurde für schuldig befunden, sich 2017 in mehreren Fällen an Jungen sexuell vergangen zu haben.

Die Kammer sah die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als erwiesen an und verhängte eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten Haft wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs, sexueller Übergriffe und der Anfertigung kinderpornografischer Schriften. Das Gericht blieb damit unter der Forderung der Anklage nach drei Jahren Haft. Insbesondere verzichteten die Richter aber darauf, den Angeklagten nach Paragraf 63 Strafgesetzbuch zur Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung zu verurteilen.

Opfer spricht nicht über die Tat

Am Sachverhalt gab es wenig zu rütteln. Im ersten Halbjahr 2017 soll der 32-Jährige mindestens zweimal den Sohn einer Bekannten gegen dessen Willen am Penis berührt haben. Das Gericht hielt die Schilderung des siebenjährigen Jungen für glaubhaft, auch wenn der Angeklagte die Vorfälle abstritt. Ein weiterer Übergriff kam ans Licht, als die Polizei nach einer Anzeige der Mutter Handy und Laptop des Fürstenauers beschlagnahmte und darauf selbst angefertigte kinderpornografische Fotos fand. Das Opfer dieses zweiten Missbrauchs spricht bis heute nicht über die Tat. Der Angeklagte war aber angesichts der Fotos geständig und ersparte dem Jungen so, in den Zeugenstand gerufen zu werden.

Verminderte Schuldfähigkeit?

Knackpunkt des Prozesses war die Frage, ob der mutmaßliche Täter wegen erheblich verminderter Schuldfähigkeit in eine psychiatrische Einrichtung einzuweisen sei. Das Gericht verneinte dies nach Würdigung der Umstände und der Biografie des Mannes sowie Anhörung eines Sachverständigen.

„Die Anwendung des Paragrafen 63 StGB stellt neben der Sicherungsverwahrung den wohl tiefgreifendsten Eingriff in die Freiheit des Einzelnen dar“, führte die Vorsitzende Richterin aus. Der Bundesgerichtshof stelle daher besonders strenge Hürden für seine Anwendung auf. Die psychiatrische Unterbringung gelte unbefristet und könne theoretisch lebenslang dauern. Deswegen dürfe sie nur bei sicherer Feststellung einer Schuldunfähigkeit angeordnet werden. Diese Sicherheit habe das Gericht nicht erlangt.

Planvoll und bewusst vorgegangen

Zwar habe der Fürstenauer einen unterdurchschnittlichen Intelligenzquotienten und stehe seit etlichen Jahren unter gesetzlicher Betreuung. Auch habe der Sachverständige eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und Alkoholmissbrauch diagnostiziert. Krankhaft sei der Angeklagte aber nicht. „Er verfügt über Einsichts- und Steuerungsfähigkeit“, so die Vorsitzende Richterin: „Bei der Tat ging er planvoll vor und wusste, dass er unrecht tat.“ Im Vordergrund habe die „lustvolle Auslebung eigener Interessen“ gestanden. Eine Pädophilie liege nicht vor, vielmehr habe der junge Mann eine Machtstellung gegenüber den Kindern einnehmen wollen. Er habe also auch nicht unter Zwang gehandelt.

Während sich die Verteidigung mit dem Urteil und insbesondere der abgewendeten Einweisung zufrieden zeigte und keine Rechtsmittel einlegte, wollen Staatsanwaltschaft und Nebenklage das Urteil zunächst prüfen.


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