Gedenken an Reichspogromnacht Als die Nationalsozialisten in Fürstenau wüteten

Von Jürgen Schwietert

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jesc/ja Fürstenau. „Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit.“ Mit diesen Worten von Thomas Jefferson, dem dritten Präsidenten der USA, begrüßte Fürstenaus Bürgermeister Herbert Gans die Gäste der Gedenkveranstaltung an die Reichspogromnacht. Auch in Fürstenau wüteten die Nazis.

Es ist längst eine gute Tradition in der Stadt, an die Ereignisse am 9. und 10. November 1938 zu erinnern. Ein Arbeitskreis aus Mitgliedern der Kirchengemeinden St. Georg und St. Katharina, dem Heimatverein und der Stadtverwaltung halten sie lebendig und hatten deshalb zu einem Treffen in das Gasthaus Triphaus eingeladen.

„Gemeinsam wollen wir dieses Gedenken in würdiger Form begehen und die Erinnerung an eine auch für unsere Stadt schreckliche Zeit bewahren“, betonte Bürgermeister Herbert Gans. Es gebe heute nur noch wenige Zeitzeugen in Fürstenau, die über die Geschehnisse damals berichten könnten. Einen, der seinerzeit die erste Klasse in Fürstenau besuchte, zitierte der Bürgermeister mit folgenden Worten: „Wir saßen in der Klasse, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde und ein unbekannter Mann schrie: ‚Die Synagoge brennt‘.“ (Gemeint war der Betraum, Anmerkung der Redaktion). Daraufhin mussten wir sofort unter Führung unseres Lehrers den Weg von etwa 100 Metern gehen, um das Feuer anzuschauen.“

Die Angst im Gepäck

Eine Textmeditation – überschrieben mit dem Satz „Am Anfang war das Wort“ – schloss sich an. Pastorin Anke Kusche und Pfarrer Hubert Schütte machten deutlich, dass in nationalsozialistischer Zeit aus den Worten schnell Taten geworden und eine schreckliche Lawine mitten in Europa ins Rollen gekommen sei, die Vieles unter sich begraben habe. „Wir Gedenken der Millionen ermordeten Juden. Kinder, Mütter, Väter, Großmütter, Großväter, Nachbarn, Kollegen, Fremde. Jahrelang immer die Angst im Gepäck, jahrelang auf der Flucht, verflucht und gejagt, zusammengetrieben wie Vieh auf dem Weg ins Verderben, auf dem Weg in die Fabriken des Todes, vergast, erhängt, zu Tode geschunden, weil sie Juden waren.“ Worte, die ins Mark gingen.

Aktiv Fürstenauer Geschichte geschrieben

Auch Bernd Kruse ergriff das Wort. Der ehemalige IGS-Lehrer, der inzwischen nach Osnabrück gezogen ist, kam gerne zur Gedenkveranstaltung. Seit 1978 erforscht er die damaligen Geschehnisse in Fürstenau. Er ging unter anderem auf drei Ereignisse im November 1938 ein, mit denen Fürstenauer durch aktives Tun Geschichte geschrieben haben. Im Rathaus sperrten Nationalsozialisten fast alle jüdischen Männer ein – darunter auch der heutige Ehrenbürger Bernd Süßkind. Zudem schändeten sie den Betraum am Schwarzen Weg. Im St.-Reginen-Stift hingegen – damals noch ein Krankenhaus – halfen Fürstenauer dem jüdischen Mitbürger Dietrich Hamburger. Doktor Quante und die Schwestern nahmen ihn auf und (ver)steckten ihn ins Bett. „Sie handelten nach dem jüdisch-christlichen Gebot der Nächstenliebe“, betonte Bernd Kruse. „Aus meiner Sicht sind heute gegenseitige Toleranz und Akzeptanz, gegenseitiger Respekt in Tat und Wort, Einforderung eines Grundkonsens in unserer Demokratie und das Eintreten für die Werte unserer Verfassung und eine deutliche Abgrenzung gegenüber rechtsnationalen Tendenzen erforderlich“, so Bernd Kruse.

Kerzen zum Gedenken

Nach dem Gang zum ehemaligen Betraum am Schwarzen Weg wurden dort die Namen der Ermordeten verlesen, dabei Kerzen entzündet und Steine zum Gedenken niedergelegt. Im Schlusswort ging der Vorsitzende des Heimatvereins, Jürgen Schwietert, ebenfalls auf Geschehnisse am 9. Novembern ein. Er warnte davor, den Demagogen das Feld zu überlassen.


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