Besuch auf dem Hof Reinermann Fürstenauer IGS-Schüler informieren sich über moderne Landwirtschaft

Von Maria Kohrmann-Unfeld

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Viele Informationen sammelten die Fürstenauer IGS-Schüler bei ihrem Besuch auf dem Hof Reinermann in Hollenstede. Foto: Maria Kohrmann-UnfeldViele Informationen sammelten die Fürstenauer IGS-Schüler bei ihrem Besuch auf dem Hof Reinermann in Hollenstede. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

mkun Fürstenau/Hollenstede. Der Erdkunde-Leistungskurs des Jahrgangs 12 der Integrierten Gesamtschule Fürstenau (IGS) befasst sich zur Zeit mit dem Strukturwandel der Landwirtschaft. Die Oberstufenschüler unternahmen daher gemeinsam mit ihrer Lehrerin Sandra von der Haar eine Exkursion zum Hof der Familie Reinermann in Hollenstede um sich vor Ort über den modernen Milchviehbetrieb zu informieren, der übrigens zu den 15 besten Milcherzeugern in Niedersachsen gehört.

Vom Betriebsleiterehepaar Mechthild und Felix Reinermann erhalten die jungen Gäste zunächst allgemeine Informationen zur Betriebsgröße, zum Viehbestand und zur Futterversorgung. „Wir haben uns auf Milchproduktion spezialisiert und bewirtschaften eine Nutzfläche von 100 Hektar, zurzeit halten wir 140 Milchkühe“, berichtet Felix Reinermann. „Dazu kommen die weibliche Nachzucht und Mastschweine. Futtermittel wie Mais, Gras und Getreide stammen aus eigener Produktion.“

Während der Hofführung lernen die Oberstufenschüler an verschiedenen Stationen die Entwicklung eines Kalbes von der Geburt bis zum Jungvieh und weiter zur Milchkuh kennen. Im Nu erobern die wenige Tage alten Kälber die Herzen der Schülerinnen. Beeindruckt sind sie von dem vollautomatischen Tränkeautomaten, an dem die Kälber dreimal am Tag mittels eines Sensors ihre Milchration abrufen können.

Weiter geht es zum Futtermischwagen, mit dem täglich circa sechs Tonnen Futter gemischt und verteilt werden. Im Milchlagerraum bestaunen sie den riesigen Milchtank mit einem Fassungsvermögen von 10000 Litern.

Im modernen Boxenlaufstall wird es richtig interessant. Sichtlich zufrieden und entspannt bewegen sich die Tiere in dem hellen, luftigen Stall oder ruhen in den bequemen Liegeboxen. Während die einen fressen, lassen sich andere von einer speziellen Kuhbürste massieren. Immer im Einsatz ist der „Spaltenschlitten“, der die Spaltenböden vollautomatisch in regelmäßigen Abständen reinigt, was eine enorme Arbeitsentlastung für den Landwirt darstellt. Kommt eine Kuh dem Gerät zu nahe, gibt es ein akustisches Zeichen von sich, und die Kuh geht zur Seite.

Mit Block und Stift geht es weiter zur Melkvorführung durch die beiden Roboter per Lasertechnik. Der Roboter melkt 23 Stunden am Tag und verarbeitet dabei die Milchmenge von 60 bis 65 Kühen. Eine Stunde wird für die Reinigung der Anlage benötigt. „Die Kühe lassen sich freiwillig durch den Roboter melken. Angelockt werden sie vom Kraftfutter, das jeder Kuh individuell über einen Sensor zugeteilt wird“, erfahren die Schüler.

Dann öffnet sich der Melkstand und Kuh Nummer 19 wird eingelassen. Mit zuvor desinfizierten Bürsten werden Euter und Zitzen der Kuh gereinigt Nachdem die Zitzen per Laser gescannt wurden, werden die Zitzenbecher angesetzt, die nach jedem Melkvorgang mit Heißdampf desinfiziert werden. Die Milch wird zunächst in einem Behälter gesammelt und dann weiter in den großen Tank gepumpt. Hat die Kuh ein Kalb, geht ein Teil der Milch in die sogenannte Kälberbar.

Während des gesamten Melkvorgangs frisst die Kuh das ihr zustehende Kraftfutter. „Jede Kuh hat ihre festen Melkzeiten und wird im Durchschnitt dreimal am Tag gemolken“, erklärt Felix Reinermann. Die Tiere sind mit einem Sensor ausgestattet, sodass der Betriebsleiter die Daten jeder einzelnen Kuh kontrollieren kann. Neben Futtermenge und Literzahl erhält er Informationen zur Leitfähigkeit der Milch, zur Widerkautätigkeit der Kuh und zur Brunsterkennung. „Unsere Kühe tragen neben Nummern auch alle einen Namen. Ich erkenne jedes Tier an seiner Farbe und Größe und sehe an seinem Verhalten, ob es gesund ist oder nicht“, erklärt Felix Reinermann den verblüfften Besuchern.

„Bei Störungen erhalte ich einen Alarm auf mein Handy. Ein Defekt kann auch nachts eintreten. Innerhalb von drei Stunden kommt dann ein Monteur. Das ist vertraglich festgelegt“, so Reinermann.

Nach dem Rundgang beantworten Mechthild und Felix Reinermann die Fragen der Oberstufenschüler zum Strukturwandel und zur Hofnachfolge. „Früher hatte jeder Bauer Rindvieh, Schweine und Federvieh. Heute muss man sich auf einen Betriebszweig spezialisieren und investieren“, stellt Felix Reinermann fest. Das bringe Arbeitsentlastung und bessere Lebensqualität für Mensch und Tier. „Das Tierwohl steht bei uns an erster Stelle, und die Arbeit muss jeden Tag Spaß machen“, bestätigt Mechthild Reinermann, für die Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig ist. Bevor sich der Leistungskurs auf den Rückweg machen servieren die Betriebsleiter köstlichen Joghurt von der Molkerei Mertens.


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