Treffen der Kommunen Über generationengerechte Dörfer für den Nordkreis

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Gar nicht so einfach: Wer in einem Alterssimulationsanzug unterwegs ist, merkt wie beschwerlich der Alltag von Senioren sein kann. Foto: Burkhard MüllerGar nicht so einfach: Wer in einem Alterssimulationsanzug unterwegs ist, merkt wie beschwerlich der Alltag von Senioren sein kann. Foto: Burkhard Müller

pm/ja Fürstenau. Wie kann ein Dorf generationengerecht gestaltet werden? Mit dieser Fragen beschäftigten sich Senioren- und Jugendvertreter sowie Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter aus den Kommunen des Nordkreises im Jugendzentrum in Hollenstede.

Das dreistündige Treffen ging zurück auf eine Einladung der vier Samtgemeinden Artland, Bersenbrück, Fürstenau und Neuenkirchen gemeinsam mit der „Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag“ (Linga) und war in die Aktivitäten des aktuellen Themenjahres im Rahmen des integrierten ländlichen Entwicklungskonzeptes (Ilek) eingebunden.

Der Bürgermeister der Samtgemeinde Fürstenau, Benno Trütken begrüßte die Teilnehmer und stellte eine der wichtigsten Grundlagen für Generationengerechtigkeit dar: eine intakte Dorfgemeinschaft. Genau diese gibt es in Hollenstede. Was mit gemeinsamem Handeln erreicht werden kann, verdeutlichte Roy Mönster, Vorsitzender der Hollensteder Dorfgemeinschaft. Er erläuterte die Sanierung des Jugendheimes, die einerseits mit Fördermitteln des Amtes für regionale Landesentwicklung, aber vor allem aber der Einsatz der Hollensteder selbst möglich wurde. Heute treffen sich im neuen barrierefreien Dorftreffpunkt Vereine und Gruppen zu Veranstaltungen.

Wenn die „Rolling-Stones-Generation“ kommt

Zunächst präsentierte dann Delia Balzer von der Linga soziale Innovationen auf der Grundlage moderner Technologien, die insbesondere älteren Menschen helfen sollen, die Anforderungen des Lebens leichter zu bewerkstelligen. Dazu gehören Pflegeroboter, Smartphones oder aber auch automatisierte Fahrzeuge. Zur generationengerechten Lebensqualität gehört aber noch mehr. So komme heute eine Generation ins hohe Alter, die neue Anforderungen stelle. Wenn diese „Rolling Stones“ ins Altersheim kämen, müsse für deren Wohlbefinden vielleicht auch der Radiosender gewechselt werden.

Imke Achilles von der Ostfalia Hochschule Salzgitter stellte den Blick der Wissenschaft auf die ländliche Entwicklung vor. Sie hob Aspekte wie die Digitalisierung hervor. Ob „E-Learning“, „Home-Office“ oder „Co-Working-Spaces“ – die Digitalisierung bringe neue Möglichkeiten, auch mit Blick auf die Notwendigkeit zur Mobilität.

Gemeinsam Gemüseanbau betreiben

Ortsvorsteher Niklas Kielhorn wiederum stellte seinen Ort Heckenbeck vor. Das Dorf hat 500 Einwohner und bietet einen Laden, eine Schule, eine Arztpraxis ein Theater, die Möglichkeit zum Teilen von Autos und noch vieles mehr – nur Leerstände gebe es in Heckenbeck nicht. Viele Bewohner beteiligten sich am gemeinsamen Gemüseanbau und bekämen so Möhren, Erbsen oder Kürbisse direkt frisch vom Nachbarfeld. Das Dorfleben sei zudem geprägt von einem intakten vielfältigen Vereinsleben.

Ausgangspunkt für diese Entwicklung waren die 70er-Jahre. Damals siedelten sich Menschen aus Hannover an, die dem Stadtleben entfliehen wollten. Heute lebten die „Traditionellen“ und die „Alternativen“ in bestem Einvernehmen und mit großem Gewinn für den ganzen Ort zusammen, wie Niklas Kielhorn erklärte.

Alterssimulationsanzug ausprobiert

Zum Abschluss stellte Anna Low von der Stelle für soziale Innovation der freien Wohlfahrtspflege das Förderprogramm „Soziale Innovation“ vor. Auch experimentellere und neuartige Projekte würden gefördert, betonte sie.

In einer Pause konnten im Alterssimulationsanzug „Erna“ körperliche Einschränkungen von alten Menschen selbst erlebt werden. Das reichte vom vernebeltem Blick bis zur gebückten Haltung. Vielen war nach dem Tragen des Anzuges klar: Ein Handlauf an der Treppe ist schon bei drei Stufen unabdingbar für alte Menschen. Und wenn sie es an der Kasse vielleicht mal eilig machen, brauchen Sie vielleicht einfach eine Pause und wollen nur sitzen. Kurzum: Generationengerechtigkeit habe auch mit Verständnis füreinander zu tun, – so die Erkenntnis.


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