Gleichgeschaltet und zensiert Fachseminar in Fürstenau: Feuerwehren zur NS-Zeit

Von Jürgen Schwietert, 12.09.2018, 15:58 Uhr
Volker Hopster und Dieter Upmann informierten die Historiker im Feuerwehr Oldtimer Club Früstenau. Foto: Erika Schwietert

Fürstenau. Die Frage, welche Rolle die Feuerwehren in der Zeit des Nationalsozialismus gespielt haben, hat jetzt im Mittelpunkt des Fachseminars „Feuerwehr- und Brandschutzgeschichte“ in Fürstenau gestanden. Es ging um das Feuerwehrwesen in der Zeit von 1933 bis 1945.

Unter der Regie des Landesfeuerwehrverbands (LFV) Niedersachsen trafen sich die niedersächsischen Feuerwehrhistoriker und ihre Gäste im Feuerwehrhaus in Fürstenau. Unter der Regie des Vizepräsidenten des LFV, Jürgen Ehlers, und des Archivars des LFV, Hans Rösner, beschäftigten sich Archivare und Historiker aus den Reihen der Feuerwehren sowie ihnen verbundenen Organisationen mit der Thematik.

Jürgen Ehlers eröffnete das Seminar und führte in die Thematik „Die Feuerwehren während des Nationalsozialismus“ ein. „Geschichte kann man sich nicht aussuchen. Geschichte ist einfach da. Die Feuerwehren sind ein Bestandteil dieser Zeit“, betonte Jürgen Ehlers. Er wies zudem auf ein Buch des LFV zur Thematik hin, das demnächst erscheinen soll. Weiterhin stellte er den Ergänzungsband zur Chronik des LFV vor. Er beleuchtete die vergangenen 25 Jahre des nunmehr 150 Jahre alten Verbands.

Trütken: Aus der Geschichte lernen

„Sie nehmen sich hier eines sehr sensiblen Themas an, das gerade in die heutige Zeit passt“, erklärte unterdessen Samtgemeindebürgermeister Benno Trütken. Wichtig sei es, aus der Geschichte zu lernen, betonte er und wies auf das Buch des Fürstenauers Bernhard Süskind „Wir waren doch alle Freiwild“ hin. Als jüdischer Mitbürger floh er einst vor den Nazis über Schweden in die USA, ist seiner Heimat aber bis heute verbunden.

„Wir freuen uns immer, wenn der LFV hier im Landkreis ist“, betonte wiederum die Leiterin Fachdienst Ordnung des Landkreises Osnabrück, Bärbel Rosensträter. „Es ist sicherlich eine schwere Aufgabe, die Feuerwehr- und Brandschutzgeschichte der NS-Zeit aufzugreifen“, so Bärbel Rosensträter. Wer rechte Parolen verbreite, kenne und respektiere die Geschichte und demokratischen Errungenschaften der Bundesrepublik Deutschland nicht.

Feuerwehren waren der Polizei unterstellt

Auf die rechtlichen Vorschriften bei der Aufarbeitung der Zeit zwischen 1933 und 1945 ging Hans Rösner ein. Es sei ein achtsamer Umgang mit den Symbolen dieser Zeit erforderlich. Ihre Verwendung sei in der Regel verboten, aber für die wissenschaftlichen Forschungen und Publikationen nach Genehmigung erlaubt.

Über den Feuerwehrverband für die Provinz Hannover in der NS-Zeit informierte Historiker Bernd Rothardt von der Freiwilligen Feuerwehr Lüneburg. Nachdem am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, konnte sich der Verband zunächst halten. Doch mit dem neuen Gesetz für das Feuerlöschwesen am 15. Dezember 1933 war dieses vorbei. Die Zeit der Gleichschaltung begann. Die Feuerwehren wurden der Polizei unterstellt. Überdies gelang es den Nationalsozialisten oft, ihnen genehme Personen in Führungspositionen zu berufen. Der Verband wurde außerdem nach dem Führerprinzip diktatorisch geleitet. Weiterhin zensierten die Nationalsozialisten die seit 1902 erscheinende Hannoverische Feuerwehrzeitung.

98 Prozent der Jugendlichen zwangsorganisiert

Die Hitlerjugend-Feuerwehrscharen beleuchtete der Historiker Heiko Reinholz von der Freiwilligen Feuerwehr Celle. Ab 1933 gab es eine Dienstpflicht für Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren. Sie mussten Dienst in der Hitlerjugend beziehungsweise im Bund deutscher Mädel leisten. 98 Prozent aller Jugendlichen waren zwangsorganisiert und damit der Indoktrination unterworfen.

Heiko Reinholz gelang es, die Geschichte packend darzustellen, ebenso wie Historiker Hans-Peter Bohm von der Feuerwehr Legende, der die Vita des 1890 geborenen SA-Brandmeisters Heinrich Habenicht aus Peine lebendig werden ließ, aber auch die intensive Recherchearbeit zu diesem Thema schilderte. Detailliert geht der neue Band des LVF auf die nur kurz angerissenen Themen ein.

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