E-Mai aus Argentinien – Teil 10 Wenn eine Hollenstederin in der Pampa zeltet

Von Nicole Klostermann

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niklo Hollenstede/Buenos Aires. Die gebürtige Hollenstederin Nicole Klostermann lebt mit ihrer Familie in Argentinien. Regelmäßig berichtet sie für das Bersenbrücker Kreisblatt über ihren Alltag in Südamerika. Hier die zehnte E-Mail aus Argentinien.

Was war das für ein Sommer, unglaublich! Ich war kürzlich mal wieder in Deutschland zu Besuch und gebe ja ehrlich zu, dass ich mit der Hitze überfordert war. Das ging so weit, dass ich meinen Einkauf im herrlich klimatisierten Supermarkt nicht mehr unter 30 Minuten geschafft habe, auch bei nur drei Teilen. Was habe ich jedes Mal rumgetrödelt!

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, warum ich so rum jammere, Buenos Aires liegt schließlich auch nicht am Polarkreis. Das stimmt, aber zunächst ist hier alles ganz ausgezeichnet klimatisiert. Man hüpft quasi vom kühlen Haus ins kühle Auto, vom kühlen Auto zum kühlen Arbeitsplatz, und so weiter.

Argentinischer Winter

Und zweitens sind wir auf der Südhalbkugel und somit ist sowieso gerade Winter. Wobei so ein argentinischer Wintertag durchaus auch als mieser deutscher Sommertag durchgehen könnte. Morgens ist es meist frisch, aber wenn die Sonne rauskommt, kommen wir oft auf angenehme 20 Grad. Ab Oktober wird es dann warm, von November bis März so richtig heiß, und bis in den Mai hinein ist es immer noch wunderbar.

Die Sache mit den Wurfzelten

Vergangenes Jahr hatten Freunde von uns die Idee an einem Sommerwochenende campen zu gehen. Gleich vorweg, ich hasse campen. Man liegt auf unbequemen Isomatten in muffigen Schlafsäcken, die lange nicht mehr an der Frischluft waren. Dann gibt es mittlerweile auch noch diese Wurfzelte, die sowieso keiner wieder zusammengefaltet bekommt. Außer mein Kumpel Roger. Der kommt mit diesem exotischen Wissen besonders bei allein reisenden Damen groß raus.

Nun, ich als absolute Campingnull packte also Sachen in mein Auto, die mir für so einen Campingtrip absolut notwendig erschienen. Autan, Zahnbürste, Wechselklamotten und drei Flaschen Wein. An Geschirr, oder gar etwas zu Essen habe ich natürlich nicht gedacht.

Auf zum Gauchofestival

Unser Trip führte uns zum Gauchofestival nach San Antonio de Areco, einem Ort in der Pampa, 120 Kilometer von Buenos Aires entfernt. An einem Wochenende im Frühjahr bringen dort alle argentinischen Farmen, die etwas auf sich halten, ihre besten Pferde zusammen, um sie in beeindruckenden Vorführungen zu präsentieren.

Die Pferde sind dafür herausgeputzt, genauso wie die dazugehörigen Gauchos und Farmbesitzer. Natürlich sind an einem solchen Wochenende alle Hotels weit im Voraus restlos ausgebucht. Also zelten. Auch der Campingplatz war knallvoll. Eine bunte Mischung aus Züchtern, Gauchos und Touristen genoss das heiße Wetter und vor allem auch die laue Nacht. An so einem Abend geht natürlich keiner zeitig zu Bett, zumal der Grill traditionell nicht vor 22 Uhr angeworfen wird.

Eine grandiose Nacht

Es kam, wie es kommen musste, um mich herum feierte die halbe Züchterinnung Südamerikas bei Fleisch und Rotwein lautstark durch die Nacht. Die Stimmung war bombastisch. Trotzdem kroch irgendwann, zu einer für argentinische Verhältnisse unmöglich frühen Zeit, in mein Zelt. Doch leider war es darin nicht nur heiß, auch meine Schlafunterlage war aus irgendwelchem Grunde platt und Ohrenstöpsel hatte ich sowieso nicht dabei. Also lag ich schweißnass auf dem Kies, von links wurde ich außerdem mit einer Art argentinischen Helene Fischer beschallt. An Schlaf war nicht zu denken.

Noch eine Rechnung offen

Irgendwann wurde es mir zu bunt. Ich stand auf, kroch wieder aus meinem Zelt und wissen sie was? Meine Nachbarn drückten mir wie selbstverständlich einen Teller, Besteck und ein Weinglas in die Hand, und nach einigen Runden köstlichem Malbec sprach sogar ich plötzlich fließend Spanisch. Die Nacht war grandios!

Ich glaube, ich werde auch dieses Jahr wieder nach San Antonio de Areco fahren. Vielleicht werde ich auch wieder campen. Schließlich habe ich – was den Wein angeht – bei meinen Nachbarn noch eine Rechnung offen. Ich muss dringend mehr einpacken.

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