Andervennerin wird Landwirtin Ausbildung in einer Männerdomäne auf Schwagstorfer Hof

Von Maria Kohrmann-Unfeld

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„Mir gefällt die Treckerarbeit am besten“, hat Marie Höving im Laufe ihrer Ausbildung herausgefunden. Aber auch wie hier mit dem Radlader kommt sie spielend zurecht. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld„Mir gefällt die Treckerarbeit am besten“, hat Marie Höving im Laufe ihrer Ausbildung herausgefunden. Aber auch wie hier mit dem Radlader kommt sie spielend zurecht. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

mkun Schwagstorf. Marie Höving absolviert derzeit ihr drittes Ausbildungsjahr zur Landwirtin auf dem Hof Niemeyer in Schwagstorf. Ein typischer Frauenberuf ist es nicht. „Von den zehn jungen Leuten, die ich bisher ausgebildet habe, ist Marie die zweite weibliche Auszubildende“, so Andreas Niemeyer.

Auch in der Berufsschule sind weibliche Auszubildende noch in der Minderheit: „Als Mädchen muss man sich durchsetzen; es kommen schon manchmal dumme Sprüche“, sagt Marie Höving. Aber das hält die junge Frau aus Andervenne aus. „Es ist manchmal nicht so einfach für eine Frau, die vielfältigen Aufgaben auf einem landwirtschaftlichen Betrieb alle unter einen Hut zu bringen“, weiß auch Nicole Niemeyer, die Ehefrau des Betriebsleiters und Mutter von vier Kindern.

Marie Höving stammt selbst von einem Milchviehbetrieb mit 70 Kühen und der Nachzucht. „Meine beiden älteren Geschwister haben kein Interesse an der Landwirtschaft. So habe ich mich entschlossen, die Nachfolge anzutreten.“ Nach dem Realschulabschluss begann sie ihre Ausbildung.

Drei Generationen unter einem Dach

Im ersten Jahr absolvierte sie neben vier Berufsschultagen wöchentlich bereits einen Praxistag auf dem Hof von Andreas Niemeyer. Im zweiten Ausbildungsjahr war sie mit Ausnahme eines Schultages voll auf dem Milchviehbetrieb Timpe in Grafeld eingesetzt. Das dritte und letzte Jahr verbringt Marie seit Anfang August wieder auf dem Hof Niemeyer. Der Betrieb gehört zu den ältesten Höfen in Schwagstorf und hat eine Größe von achtzig Hektar. „Wir halten 140 Milchkühe im modernen Boxenlaufstall, die durch zwei Roboter per Lasertechnik gemolken werden, und bauen je zur Hälfte Gras und Mais für den Eigenbedarf an“, so der Betriebsleiter.

Drei Generationen wohnen bei Niemeyers unter einem Dach. Marie Höving kommt jeden Morgen mit dem Pkw zur Arbeit und fährt abends zurück zum elterlichen Betrieb in Andervenne. „Sie könnte auch hier übernachten“, sagt Nicole Niemeyer. „Die Beziehung durch den Familienanschluss wäre dann noch intensiver.“

Arbeitsalltag mit Familienanschluss

Bei den Mahlzeiten sitzt die ganze Familie in der großen Wohnküche zusammen – Marie mittendrin. Nach der Kaffeepause steht das Kälberfüttern an. „Willst du mir dabei helfen?“, fragt Marie den kleinen Leo, und der kommt freudestrahlend mit.

Der Arbeitstag beginnt für Marie frühmorgens um 6.30 Uhr und endet um 18.30 Uhr, unterbrochen durch Frühstücks- und Mittagspausen sowie Abendbrot. Im vierzehntägigen Rhythmus arbeitet sie auch stundenweise am Wochenende. Die Ausbildungsvergütung ist gestaffelt. Im ersten, zweiten und dritten Lehrjahr werden jeweils etwa 665 Euro , 715 Euro und 765 Euro brutto gezahlt.

Stallarbeit, Kälberfüttern und Datenkontrolle

Zu Maries Aufgaben gehören die Stallarbeit und das Füttern der Kälber und Kühe, aber auch die Überwachung des Roboters. Am Rechner werden die Daten der einzelnen Kühe kontrolliert, und bei Unregelmäßigkeiten wie Krankheiten oder Euterentzündung gibt der Computer Alarm, sodass dann auch mal von Hand gemolken werden muss. Auch das Pflügen und das Güllefahren stehen auf ihrem Arbeitsplan. „Mir gefällt die Treckerarbeit am besten“, gibt sie zu. Im Umgang mit dem Radlader zeigt sie großes Geschick. Im Jahreslauf ist das Arbeitsfeld breit gefächert. Stroh einfahren und Silieren gehören ebenso dazu wie Reparaturarbeiten im Stall und die Pflege der Ackerränder.

Irgendwann den elterlichen Betrieb übernehmen

Pflicht ist auch das Führen eines Berichtsheftes, das vom Ausbilder abgezeichnet wird. Zudem finden einmal jährlich überbetriebliche Lehrgänge statt. Auf einem sogenannten überdachten „Idiotenacker“ lernen die Azubis zum Beispiel das Pflügen und das passgenaue Einstellen der Maschinen. Bei der Deula-Landtechnik wird Maschinenkunde vermittelt. Das Thema Arbeitssicherheit wird großgeschrieben. Ein Pflanzenschutzlehrgang gehört ebenfalls dazu.

„Nach der Ausbildung werde ich erst einmal ein Jahr im elterlichen Betrieb arbeiten und dann entweder die ein- oder die zweijährige Fachschule besuchen, um diese eventuell mit dem Landwirtschaftsmeister abzuschließen“, berichtet Marie Höving von ihren Plänen. Für den Betrieb in Andervenne hat sie bereits klare Vorstellungen. So möchte sie demnächst auf Bullenhaltung umsteigen.


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