Serie: Wacken-Tour 2018 (Teil 2) Team Berge schlürft das erste kühle Bier in Wacken

Von Hermann Brands


Berge/Wacken. Seit vielen Jahren zieht es den Berger Arzt Hermann Brands mit einer kleinen Truppe aus dem Nordkreis zum Rockfestival nach Wacken. Auch 2018 wird er über die Erlebnisse des „Team Berge“ berichten. Hier der zweite Beitrag.

Team Berge ist in Wacken angekommen. Physisch zumindest. Die Metallerseele braucht jedoch noch etwas Zeit, um nachzukommen. Solange, bis unsere Wohnwagen ausgerichtet sind, das Wohnzimmer steht und das erste Fass am Zapfhahn ist. Dann ist es so weit. Der perfekte Moment. Das erste kühle Bier auf Wacken. Beinahe kühl zumindest, die Zapfanlage braucht ein wenig Vorlauf. Aber das zweite Glas ist dann so, wie es sein muss.

Nachdem Seele und Körper wieder vereint sind, geht es endlich los. Festivalbänder abholen ist angesagt, später am Morgen wird die Schlange davor unendlich. Wir sind früh dran. So können wir der Sonne dabei zusehen, wie sie aufgeht. Und Kontakte knüpfen. Isabel kommt hier aus Wacken, ihre „Männer“ sind alle aus Schwaben. Was die Gespräche nicht einfacher macht.

Der Staub ist allgegenwärtig

Eine kleine Mütze Schlaf täte gut, aber schon mittags ist es in unseren Wagen vor Hitze nicht mehr auszuhalten. Niemand protestiert, als Anja Wasserflaschen über unsere Köpfe entleert. Grillen geht trotzdem. Hier dürfen wir es, im Gegensatz zu den Besuchern des Reggae-Jam. Man hat die Plätze mit großen Güllefässern gewässert.

Wacken zur Abwechslung nicht im Schlamm, nach den vergangenen Jahren tut das auch mal gut, obwohl zu befürchten ist, dass unsere Vorräte an Kaltgetränken schneller dezimiert werden könnten. Der Staub jedenfalls ist allgegenwärtig, in der Kleidung, auf der Haut, in der Nase und wo er sonst noch seinen Weg hinfindet, was wir aber gar nicht so genau wissen wollen. Grüne Wiesen? Muss man schon nach suchen, aber noch scheint das Land hier grüner als bei uns zuhause. Im Kuhland Schleswig Holstein, wird gemunkelt, denkt man ernsthaft über Kamelzucht nach, diese Tiere haben weniger Probleme mit dem Klimawandel.

Ventilator leistet gute Dienste

Was in anderen Jahre an Ackerboden von den Autos auf die A 23 getragen wurde, trägt derzeit der Wind davon. Der Stimmung auf dem Festival tut das keinen Abbruch. Die Menschen sind gut gelaunt, feiern, hören ihre Musik, freuen sich über das eine oder andere kühle Lüftchen, sofern mal eines weht. Und was in anderen Jahren gegen Regen gut war, schützt nun vor zu viel Sonne. Gute Dienste leistet der große Ventilator, den wir mitgebracht haben und der es fertigbringt, aus einem verschwitzten und aufgeheizten Metalfan einen … na ja, etwas weniger verschwitzten zu machen.

Ständig duschen ist keine Alternative, schließlich denken wir nachhaltig. Und wollen nicht schuld daran sein, wenn das Wasser rationiert wird. Es geht im Berger Camp das Gerücht um, dass in einem unserer mit angereisten Wohnwagen sogar eine Klimaanlage stehen soll. Bestimmt nur böses Gerede, bislang sahen Molli, Ingo und Flo auch nicht besser aus als wir…

Bekannt in Wacken: die Männer aus Menslage

Später heißt es noch einmal anstehen, mit Dietmar Presseband abholen. Es wird eine ziemlich heiße Angelegenheit. In der „Alten Post“ werden wir freundlich als „die Männer aus Menslage“ begrüßt. Hütte Sabelhaus aus Berge arbeitet derzeit in dieser Gegend. Menschen aus dem Landkreis Osnabrück trifft man eben überall.

Musikalisch gibt es heute Veteranen, Fischer Z lassen das Zelt toben. 10.000 Metallerkehlen singen lautstark „Marlese“ und „Berlin“. Extrabreit lässt im Biergarten die Schule brennen. Natürlich kommen auch die Polizei und der Flieger. Alles lange nicht mehr gehört, stelle ich fest. Auch ein Zeichen dafür, dass die Jugend schon ein paar Jahre zurückliegt.

Wo bleibt Felix?

Zum Abschluss ein Abstecher ins Dorf. Es kommen über Tag schon ein paar Kilometer zusammen. Wacken ist Bewegungstherapie. Polizeiobermeisterin Merle Winter aus Itzehoe sitzt mit uns am Tisch und berichtet von den angenehmen Erfahrungen, die die Polizei alljährlich mit Wacken macht. Selbst Kollegen, die privat Helene Fischer hören, sagt sie, machen hier gerne Dienst. Selbst hat sie allerdings mit Helene nichts am Hut. Wir auch nicht….

Bewegt mich am Ende des Tages noch die Frage aller Fragen: Wo bleibt Felix? Wie es aussieht, hat mein Enkel noch immer keine Eile, diese Welt zu betreten. Vielleicht, weil es aktuell zu heiß ist. Oder aus Solidarität mit seinen musikbegeisterten Großvater.“


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