Serie „Die Kunden und ich“ Fürstenauer Gästeführer über Besserwisser und kuriose Zwischenfälle

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Seit 13 Jahren ist Friedhelm Esch als Gästeführer in Fürstenau aktiv. Foto: Stadt FürstenauSeit 13 Jahren ist Friedhelm Esch als Gästeführer in Fürstenau aktiv. Foto: Stadt Fürstenau

Fürstenau. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 15: ein Gästeführer.

Friedhelm Esch kennt die Geschichte Fürstenaus so gut wie kaum ein anderer. Seit 13 Jahren ist er als Gästeführer in der Stadt aktiv. Im Interview spricht er über Besserwisser, alkoholisierte Teilnehmer, das Wir-Gefühl in der Gruppe und kuriose Zwischenfälle.

Herr Esch, wie häufig haben Sie Gäste, die alles besser wissen?

Es kommt schon vor, dass Besserwisser mit auf den Touren sind. Mir fällt eine Begebenheit ein, als ich einer Besuchergruppe die Backsteinbastion gezeigt habe. Sie wurde kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg gesprengt, ich sagte der Gruppe, dass es zwischen 1650 und 1652 war. Einem Herrn war das aber nicht präzise genug. Er sagte dann, dass die Bastion im Oktober 1649 gesprengt worden sei. Ich habe mich bei dem Herrn bedankt und ihm das Gefühl gegeben, dass er erheblich zum korrekten Gelingen der Führung beigetragen hätte. Ich habe kein Problem damit, wenn meine Grenzen aufgezeigt werden.

Kommt es denn oft vor, dass Sie selbst noch etwas auf den Touren dazu lernen?

Das passiert auch ab und zu. Ich hatte neulich eine Tour mit älteren Damen. Wir waren dann in der Bastion und ich habe erzählt, dass sie 1988 freigelegt wurde. Eine von den Frauen kam mit dem Einwand, dass dies nicht stimmen würde. Zum Teil sei die Bastion schon 1945 freigelegt worden – die Dame selbst sei damals auch dabei gewesen. Ein Teil diente als Luftschutzbunker. Das war dann für mich auch neu und ich habe mich bedankt. Zeitzeugen sind sehr wichtig, schließlich haben sie Informationen aus erster Hand. (Weiterlesen: Quakenbrücker DJ über Helene Fischer, betrunkene Gäste und coole Küsse)

Welches Verhalten Ihrer Gäste stört Sie?

Wenn jemand permanent am Handy rumspielt. Häufig ist das ansteckend, sodass auch weitere Personen zum Mobiltelefon greifen. Dann bilden sich Grüppchen und deren Teilnehmer fangen dann an, untereinander etwas zu reden, was mit der Tour nichts zu tun hat. Sie kriegen somit nichts von der Führung mit und stören zudem noch die anderen. (Weiterlesen: Quiz: Wie gut kennen Sie Fürstenau?)

Wie gehen Sie dann damit um?

Beim nächsten Führungsgegenstand zeige ich etwas besonders Interessantes und schildere eine spannende Begebenheit, um auch die „Randleute“ wieder einzufangen. Das ist einfach meine Aufgabe. Außerdem probiere ich zu Beginn jeder Tour, ein Wir-Gefühl in der Gruppe zu erzeugen.

Wie schaffen Sie das?

Es gibt in jeder Gruppe Personen, die viel fragen. Andere sind dagegen stiller und trauen sich nicht, etwas zu sagen. Diese hole ich dann gezielt ran und versuche sie zu integrieren und aus der Reserve zu locken. Wenn wir zum Beispiel das Gefängnis besuchen, spielen sie dann einen Wärter. Durch solche Rollenspiele bringt man Leben in die Gruppe. Manchmal gibt es dann auch noch einen Schnaps für die Teilnehmer. (Weiterlesen: Quakenbrücker Juwelierin über Reiseklobürsten und dreistes Feilschen)

Sie haben Schnaps angesprochen: Müssen Sie häufig mit alkoholisierten Teilnehmern klarkommen?

Das kommt äußerst selten vor. Vor drei Jahren war mal eine Gruppe hier, die vor meiner Tour eine Brennereibesichtigung gebucht hatte. Der Brennmeister war sehr großzügig mit dem Probeausschank. Eigentlich sollte unsere Tour um 19 Uhr beginnen. Eine halbe Stunde später kam dann jemand vorbei und hat gesagt, dass die Teilnehmer noch austrinken müssten. Als sie dann endlich um 20 Uhr am Treffpunkt eintrudelten, war die erste Frage, wo denn die Toilette sei. Auf der Tour merkte ich dann, dass einige Teilnehmer erschöpft und müde waren.

Waren Sie verärgert?

Das nicht unbedingt, aber ich fand es schade, dass sich die anderen Teilnehmer wegen des Alkoholgenusses einiger mit einer verkürzten Tour abfinden mussten.

Fällt es Ihnen schwer, immer den Unterhalter zu spielen? Sie werden ja auch mal schlechte Tage haben...

Nein, das fällt mir überhaupt nicht schwer. Erstens führe ich Gäste gerne durch Fürstenau, um ihnen die Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Zweitens sind die Gäste gut drauf, wenn es ihnen Spaß macht und sie merken, dass ich Freude an meiner Arbeit habe. Meistens gelingt es mir, am Anfang für gute Stimmung zu sorgen. Dann habe ich ein leichtes Spiel.

Wie schwer ist es mit Kindern als Teilnehmer Ihrer Touren? Müssen Sie sich für die etwas Besonderes einfallen lassen?

Natürlich kann es mit Minderjährigen schwierig sein, aber da sehe ich mich in der Pflicht. Ich stelle mir dann die Frage, womit ich die Kinder und Jugendlichen packen kann. Ich versuche schon, die Touren auch auf die Kinder zuzuschneiden und sie mit einzubeziehen. Die Geschichten sollten dann möglichst plastisch erzählt werden. Ich war mal mit einer Truppe im Gefängnis, da waren auch einige Kinder dabei. Sie wollten ganz nach oben im Gefängnis – da dürfen wir aber nicht hin, weil die Treppe marode ist. Ich habe den Kindern dann erzählt, dass wir nicht ganz nach oben dürften, weil da die Geister wohnen. Obwohl sie nicht an Geister geglaubt haben, war noch ein gewisser Restzweifel vorhanden. Auf der weiteren Tour habe ich erzählt, dass uns ein Geist verfolgen würde, der jeden antippen würde, der nach hinten blickt. Kein Kind hat sich dann mehr nach hinten umgesehen (lacht). (Weiterlesen: Fürstenauer Florist über Valentinstage und verzweifelte Männer)

Welche Tour wird Ihnen immer positiv in Erinnerung bleiben?

Da könnte ich viele nennen, möchte es aber bei einer belassen. Vor ein paar Jahren hatte ich mal eine Polizeitruppe aus Osnabrück hier zu Gast. Laut meiner Checkliste waren nur Männer angemeldet. Eigentlich sollte die Tour auch nur eine Stunde dauern. Beim Start sah ich aber, dass auch Frauen dabei waren. Also richtete ich an die Herren die Frage, ob sie ihre Damen auch mitgebracht hätten. Eine der Frauen fragte mich dann, ob ich etwas gegen Frauen hätte. Ich antwortete etwas flapsig: „Wenn sie man lieb sind, nicht“. Der Spruch wirkte wie ein Zündfunke. Die Stimmung war toll. Nach dem Rundgang äußerten die Teilnehmer, dass sie auch noch weitere Sehenswürdigkeiten betrachten möchten. Und ich wollte ihnen etwas bieten, weil sie so viel Interesse zeigten. Deshalb habe ich eine große Stadtführung mit ihnen gemacht. Später sind wir dann noch in eine Gaststätte eingekehrt, zunächst kam Kaffee und Kuchen auf den Tisch. Und danach ging es erst richtig los. Der Wirt hatte tolle Getränke aufgefahren, unter anderem den originalen Fürstenauer Schluck. Ich erzählte dann noch allerhand Geschichten und wir saßen bis abends zusammen. Rund zehn Personen aus dieser Truppe habe ich in anderen Zusammensetzungen bei Führungen wiedergetroffen. Eine andere Tour war dagegen sehr kurios. (Weiterlesen: Quakenbrücker Friseurin über den Vokuhila, nervöse Bräute und Hygiene)

Erzählen Sie...

Es war eine meiner ersten Touren als Gästeführer. Aus Ostfriesland war eine Gruppe von 80 Menschen hier, die wir in drei Gruppen aufgeteilt haben. Nacheinander haben wir die Gruppen durch das Schloss und den Innenhof geführt. Im 16. Jahrhundert wurde ein gewisser Johann van Wyck im Schloss eingesperrt, um ihn vor den Adeligen des Domkapitels in Münster zu schützen, die ihm nach dem Leben trachteten. Das hatte ich meiner Gruppe dann auch erklärt. Als ich mit den Gästen das Schloss wieder verlassen wollte, bemerkte ich, dass die Tür aus Versehen zugeschlossen worden war von einem der anderen Gästeführer – und damals hatte ich noch keinen Schlüssel für die Tür. Wir kamen also nicht mehr heraus. Und dann galt es zu improvisieren. Ich habe den Leuten dann einfach erzählt, dass wir die Geschichte um Johann van Wyck nachspielen würden. Ich habe schließlich an die Tür geklopft – zum Glück waren die anderen Gästeführer noch in der Nähe und haben uns aufgemacht. Bei der Verabschiedung hat mich der Reiseleiter aber gefragt, ob die Aktion von mir tatsächlich so gewollt war. Das musste ich dann verneinen (lacht). (Weiterlesen: Ankumer Fahrlehrer über Handys, Nervosität und das Chaos in Osnabrück)

Seit 13 Jahren zeigen Sie bei Gästeführungen Ihren Kunden die Stadt. Ist es für Sie nicht langweilig, wenn Sie immer dieselben Attraktionen zeigen?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich sind die Führungsgegenstände immer gleich, aber die Gäste sind unterschiedlich. Jede Führung verläuft anders. Vor den Touren weiß ich immer, welche Besucher kommen. So kann ich mich auf die Touren individuell vorbereiten.

Erwarten Sie Trinkgeld von Ihren Gästen?

Jein. Mir ist es lieber, ein herzliches „Dankeschön“ zu hören und kein Trinkgeld zu bekommen, als andersherum. Wenn ich am Ende der Tour merke, dass es den Leuten gefallen hat, dann ist das schon eine Anerkennung für meine Mühe. Aber natürlich freue ich mich, wenn die Gäste etwas Trinkgeld geben.


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