Hübsch, aber sehr gefährlich Jakobskreuzkraut breitet sich auch im Nordkreis aus

Von Jürgen Schwietert


Altkreis Bersenbrück. An den Straßenrändern und in den Weiden und Wiesen sind in diesem Jahr besonders viele kräftig gelb leuchtende Blumen zu sehen, die mit ihrer Blütenpracht bezaubern. Aber Vorsicht: Es kann sich dabei um das unter anderem für Rinder und Pferde giftige Jakobskreuzkraut handeln.

Dem Jakobskrautbär, einem schwarzen Nachfalter mit roten Punkten an den Flügelspitzen, einen roten Rand an den Flügeln und kräftig rot leuchtenden Hinterflügeln, dient das Jakobskreuzkraut dagegen als Nahrungsquelle. Das Jakobskreuzkraut wird auch Jakobsgreiskraut oder einfach nur Jakobskraut genannt. Es gehört zur Gattung der Greiskräuter und zur Familie der Korbblütler. Die Heimat der Pflanzen ist Europa und Westasien. Sie kommt aber inzwischen auch in Amerika und Ozeanien vor. Alle ihrer Teile, besonders aber die Blüten, sind giftig.

Bis zu einem Meter hohe Blütenstände

Im Hochsommer sind die Blütenstände voll ausgebildet. Beim Jakobskreuzkraut handelt es sich um eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr wächst eine Blattrosette, im zweiten Jahr der bis zu einem Meter hohe Blütenstand mit seinen etwa 13 kräftig gelben, das Blütenkörbchen umgebenden Hüllblättern. Im Sommer sind dort oftmals die auffallend gelb-schwarz gestreiften Raupen des Jakobkrautbären zu entdecken. Sie haben sich auf diese Pflanze spezialisiert und sind durch das aufgenommene Gift für ihre Fressfeinde ungenießbar. Sie verpuppen sich in der Erde. Im folgenden Frühjahr schlüpft dann der Jakobskrautbär.

Gifte bauen sich im Heu nicht ab

„Die Gefahr wird besonders groß, wenn das Kraut in das Heu gelangt. Dann können die Pferde es nicht mehr feststellen und fressen es“, erklärt Alwin May vom Zucht- und Fahrstall Hans-Hermann May, „es gibt in diesem Jahr so viel Jakobskreuzkraut wie sonst noch nie. Man sieht es überall. Der Samen bleibt auch an den Maschinen hängen und wird damit weit verbreitet.“ Tierarzt Leo Lausberg schildert die Symptome der Vergiftung: „Das Pferd zeigt zentralnervöse Störungen und Vergiftungssymptome. Im späteren Stadium liegt es sich fest und kann nicht mehr aufstehen.“ Das Schlimme sei, dass die Toxine im Heu ihre Wirkung behielten. „Auf der Weide verschmähen die Pferde das Kraut, im Heu können sie es nicht mehr erkennen“, erläutert der Tierart, „das Gift des Jakobskreuzkrauts greift die Muskeln und Nerven an. Weiterhin können Leberschäden auftreten. Es gib kein direktes Gegenmittel. Nur die Symptome können bekämpft werden.“ Wenn zu viele der Toxine aufgenommen würden, bestehe keine Überlebenschance für das Pferd.

Wie lässt sich die Pflanze verdrängen?

Der RANA-Vorsitzende Michael Weinert (Quakenbrück) weist darauf hin, dass das Jakobskreuzkraut eine heimische Art sei, die nicht ausgerottet werden sollte. Sie müsse aber auf Futterflächen für Tiere stark zurückgedrängt werden. Dabei sei es wichtig, die Pflanzen nicht zur Blüte und die Samen nicht zur Fruchtreife kommen zu lassen. Selbst im Honig seien die Toxine inzwischen nachweisbar, sofern die Pflanzen von den Bienen angeflogen werden. Weinert machte aber auch deutlich, dass diese Pflanze giftig ist und nicht in die Nahrungskette gelangen dürfe. Die beste Bekämpfungsmethode sei es, die Pflanze mit Blattrosette auszugraben (Handschuhe tragen!) und zu entsorgen.