Serie „Die Kunden und ich“ Fürstenauer Standesbeamter: Das war meine emotionalste Trauung

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Seit vier Jahren ist Wilfried Schröer als Standesbeamter in der Samtgemeinde Fürstenau tätig. Mehr als 300 Paare hat er in dieser Zeit getraut. Foto: LangSeit vier Jahren ist Wilfried Schröer als Standesbeamter in der Samtgemeinde Fürstenau tätig. Mehr als 300 Paare hat er in dieser Zeit getraut. Foto: Lang

Fürstenau. Ärzte, Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 14: Standesbeamter.

Seit vier Jahren ist Wilfried Schröer als Standesbeamter in der Samtgemeinde Fürstenau tätig. Mehr als 300 Paare hat er in dieser Zeit getraut. Im Interview spricht er über seine emotionalste Trauung, nervöse Bräute und ungeduldige Paare.

Herr Schröer, welches war Ihre kurioseste Hochzeit als Standesbeamter?

Ich habe mal ein Paar aus Berlin getraut, das sich in Osnabrück kennengelernt hatte. Das Paar ist dann mit 70, 80 Gästen sowie einem Kamera- und einem Fotografenteam hier in Fürstenau aufgetaucht. Der Bräutigam sollte zudem noch ein Mikrofon tragen. Die komplette Trauung sollte live aufgenommen werden. Die ganzen Menschen passten gar nicht alle ins Trauzimmer, viele von ihnen standen im Flur. Ich musste das Paar aber dann darauf hinweisen, dass Filmaufnahmen und Tonmitschnitte nicht gestattet sind.

Sie sprechen es damit schon an: Hochzeiten werden ja immer aufweniger und damit zu einem riesengroßen Event. Bemerken Sie den Trend in Fürstenau auch?

Hier in Fürstenau ist alles noch im Rahmen. Klar ist aber auch, dass die Paare die Hochzeit unterschiedlich begehen. Es gibt sehr, sehr große Hochzeitsgesellschaften. Dann kommt es aber auch wieder vor, dass nur das Brautpaar anwesend ist und keine Gäste. Jede Eheschließung ist einzigartig. (Weiterlesen: Quakenbrücker DJ über Helene Fischer, betrunkene Gäste und coole Küsse)

Halten Sie mit den Paaren noch Kontakt nach der Trauung?

Hier auf dem Lande ist es schon so, dass man viele Leute wiedersieht. Einige Paare melden sich nach der Hochzeit nochmal und bedanken sich bei mir. Ansonsten besteht aber selten Kontakt. Das ginge bei der hohen Anzahl an Trauungen auch gar nicht.

Wie viele Paare werden pro Jahr in Fürstenau getraut?

Unser Ziel ist es, pro Jahr rund 100 Eheschließungen zu haben. Das ist eine ungeschriebene magische Grenze, die wir immer erreichen möchten.

Hat Braut oder Bräutigam bei der entscheidenden Frage schon mal „Nein“ gesagt?

Das ist zum Glück noch nie bei mir vorgekommen. Im Vorfeld der Hochzeit spreche ich mit dem Brautpaar und weise es darauf hin, dass ich eine derartige Situation niemals erleben möchte.

Ist eine Hochzeit bei Ihnen dafür schon mal kurzfristig geplatzt?

Bei mir noch nicht, aber bei anderen Standesbeamten dagegen schon.

Ist Ihnen eine besonders rührende Trauung in Erinnerung geblieben?

Ich habe einmal ein Paar getraut, bei dem die Frau eine Palliativpatientin war. Die beiden lebten seit rund 17 Jahren zusammen. Sie wollten dann heiraten, weil die Frau nur noch wenige Wochen zu leben hatte. Die beiden haben mir ganz alleine gegenüber gesessen. Das war ein sehr berührender Moment. Braut und Bräutigam waren aber sehr gefasst. Den Mann habe ich zehn Monate später wiedergetroffen – ich wusste, dass seine Frau zu dieser Zeit noch lebte. Und dann sagte der Mann zu mir, dass die Trauung seiner Gattin so viel Kraft gegeben habe, dass sie die vergangenen Monate noch überlebt hatte – entgegen der Prognose der Ärzte. Rund vier Wochen später ist sie dann aber leider gestorben. (Weiterlesen: Quakenbrücker Juwelierin über Reiseklobürsten und dreistes Feilschen)

Abgesehen von diesen besonders rührenden Momenten: Sind die Trauungen für Sie zur Routine geworden?

Nein, jede Trauung ist anders. Die Brautpaare sind allesamt unterschiedlich. Das macht die Sache sehr interessant für mich. Es ist in meinen Augen keine Fließbandarbeit, sondern ich versuche, auf die einzelnen Paare individuell einzugehen und die Traurede sehr persönlich zu gestalten. Dieser Tag soll ja schließlich einzigartig für sie sein.

Sind Sie manchmal noch aufgeregt vor einer Trauung?

Ich bin vor jeder Trauung angespannt. Das ist aber auch ein gutes Zeichen, weil ich dann sehr konzentriert bin. (Weiterlesen: Fürstenauer Florist über Valentinstage und verzweifelte Männer)

Ist Ihnen in den vergangenen Jahren mal ein Fauxpas passiert – zum Beispiel, dass Sie die Namen falsch ausgesprochen oder sich verhaspelt haben?

Es kann schon mal passieren, dass man einen Namen falsch sagt. An den „langen Wochenenden“, die wir manchmal anbieten, kann es vorkommen, dass es hier an Freitagen fünf und dann am Samstag nochmal drei Trauungen gibt. Da muss man sich sehr stark konzentrieren. Nach jeder Trauung muss man die Namen des vorherigen Paares vergessen und sich auf die nächste vorbereiten.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

Es ist schön, glückliche Menschen zu sehen. Die ganze Atmosphäre ist wunderbar, weil es einfach eine fröhliche Angelegenheit ist. Ich habe früher 14 Jahre lang im Sozialamt als Sacharbeiter gearbeitet, habe die Abteilung dann geleitet und bin später in die sogenannte „Hartz IV-Stelle“ in Fürstenau gewechselt. In den ganzen Jahren habe ich mit Menschen zu tun gehabt, die nicht auf der Sonnenseite stehen. Das jetzige Arbeiten ist etwas ganz anderes. Die Brautpaare sind fröhlich und glücklich. Und das macht sehr viel Spaß. (Weiterlesen: Ankumer Fahrlehrer über Handys, Nervosität und das Chaos in Osnabrück)

Gibt es dennoch etwas, das Sie bei Ihren Kunden nervt?

Nicht direkt. Es kann störend sein, wenn mehrere Leute durch das Trauzimmer laufen und Fotos machen. Aber ansonsten ist alles gut.

Gibt es Wünsche von Brautpaaren, die Sie nicht realisieren können?

Die Wünsche halten sich wirklich in Grenzen. Manchmal will das Paar, dass eine Sängerin auftritt oder dass ein Kind ihnen die Ringe bringt. Das ist aber auch machbar. Wirklich utopische Wünsche kommen eigentlich nicht vor.

Wer ist in der Regel nervöser: Braut oder Bräutigam?

Das ist sehr schwierig zu sagen. Ich glaube, dass die Frauen noch etwas nervöser sind. Die Männer sind auch sehr angespannt – sie wollen es sich aber nicht anmerken lassen. Doch auch da kommt es vor, dass sie während der Trauung ein paar Tränchen verdrücken.

Ist es schon mal vorgekommen, dass sich Paare nach der Trauung bei Ihnen über Ihre Rede beschwert haben?

Nein, ich habe bislang genau das Gegenteil erfahren. Sehr häufig bekomme ich positives Feedback. Das Brautpaar oder die Eltern von Braut und Bräutigam bedanken sich sehr häufig bei mir. Es wird oftmals gelobt, dass die Rede sehr persönlich ist. Das werte ich für mich so, dass ich nicht alles falsch gemacht haben kann. (Weiterlesen: Quakenbrücker Friseurin über den Vokuhila, nervöse Bräute und Hygiene)

Mehr als ein Drittel aller Ehen wird mittlerweile in Deutschland geschieden. Deprimiert Sie das?

Ein Stück weit schon. In den vergangenen vier Jahren habe ich noch nicht so viele Scheidungen mitbekommen. Von meinen bislang rund 330 Eheschließungen haben sich bislang nur fünf Paare scheiden lassen. Das Verhältnis passt also. Aber jede einzelne Scheidung tut weh. Die ersten beiden Brautpaare, die ich getraut habe, sind mittlerweile auch schon geschieden.

Haben Sie bei der Trauung ein Gespür dafür, ob die Ehe scheitern könnte?

Durch meine Berufserfahrung habe ich mir eine gewisse Menschenkenntnis angeeignet. Und bei manchem Brautpaar habe ich das Gefühl, dass es nicht klappen könnte.

An welchen Zeichen erkennen Sie das?

Das ist schwierig zu erklären. Aber wenn sich das Brautpaar erst ein halbes Jahr kennt, denke ich mir manchmal: „Warum wollt ihr nicht noch ein, zwei Jahre warten? Warum wollt ihr es unbedingt übers Knie brechen?“ Als Standesbeamter bekommt man schon hin und wieder mit, dass sich ein Paar eigentlich noch gar nicht gut kennt.


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