Serie „Die Kunden und ich“ Fürstenauer Fitnesstrainer über aktuelle Trends

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Seit mehr als 30 Jahren leitet Alfred Witkabel das Fitnessstudio „Injoy“ in Fürstenau. Foto: LangSeit mehr als 30 Jahren leitet Alfred Witkabel das Fitnessstudio „Injoy“ in Fürstenau. Foto: Lang

chl Fürstenau. Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 9: Fitnesstrainer.

Seit mehr als 30 Jahren leitet Alfred Witkabel das Fitnessstudio „Injoy“ in Fürstenau. Im Interview spricht der 56-Jährige über Karteileichen, hohe Erwartungen, unangenehme Gerüche und Ehen, die im Studio ihren Anfang genommen haben.

Herr Witkabel, wie hat sich das Sportverhalten Ihrer Kunden in den vergangenen Jahren verändert?

Der Trend ist, dass immer mehr ältere Leute hier her kommen. Viele von ihnen wären vor 15, 20 Jahren noch nicht in ein Fitnessstudio gegangen. Früher hätten sie es belächelt, heute sind sie ganz aktiv dabei. Sie sind vor allem aus gesundheitlichen Gründen hier. Wenn sie trainieren, merken sie schnell, dass es ihnen gut tut. Dann entwickeln sie auch den entsprechenden Spaß am Training und bleiben relativ lange dabei. Vor 20 Jahren lag der Altersdurchschnitt noch bei 25 Jahren, heute liegt er bei 47.

Welches Verhalten bei Ihren Kunden stört Sie?

Wir arbeiten ja schließlich mit Menschen. Alle Menschen sind eigenständige Individuen, da kann es schon mal passieren, dass jemand in der einen oder anderen Beziehung etwas auffälliger ist. Aber im Großen und Ganzen haben wir hier keine Probleme mit den Mitgliedern. Es ist ein sehr harmonisches Verhältnis. (Weiterlesen: Ankumer Fahrlehrer über Handys, Nervosität und das Chaos in Osnabrück)

Wie viel Zeit sollte man pro Woche in den Sport investieren?

Wir empfehlen zweimal pro Woche. Und dann immer jeweils eine Stunde. Das ist die Faustformel, die wir vorgeben. Aber einmal mehr ist sogar noch besser. Es ist kein Problem, wenn jemand hoch motiviert ist, und vier- oder fünfmal pro Woche Sport macht.

Gibt es in Ihrem Fitnessstudio viele Karteileichen – also Mitglieder, die sich mal angemeldet haben, aber nie vorbeikommen?

Die gibt es auch. Es wird aber besser, weil der Altersdurchschnitt in den vergangenen Jahren nach oben gegangen ist. Die älteren Leute kommen aus gesundheitlichen Gründen hier her – und sind dadurch noch ambitionierter. Die Karteileichen werden weniger.

Wenn die älteren Mitglieder vor allem auf die gesundheitlichen Aspekte Wert legen – was ist den jüngeren wichtig?

Sie wollen sich häufig einfach fitter fühlen. Aber auch die Optik ist entscheidend.

Heißt das, sie wollen muskulös aussehen?

Es ist schon so, dass vor allem die jüngeren Leute wieder ein bisschen muskulöser sein wollen. Aber den Trend hin zum extremen Bodybuildung will niemand mehr. Durchtrainierte, definierte Muskulatur, wenig Fettpolster – das ist nach wie vor in. Aber keine Muskelberge.

Haben Ihre Kunden oftmals zu hohe Erwartungen von einem möglichen Trainingserfolg?

Jein. Bei den Jüngeren kommt es schon mal vor. Die denken, dass sie nach zwei Wochen in unserem Studio schon alles erreicht hätten. Das funktioniert aber nicht. Training ist ein Prozess, der lange dauert und regelmäßig stattfinden muss. Wenn man einen wirklich gut durchtrainierten Körper sieht, kann man davor nur den Hut ziehen, weil die Person richtig hart dafür gearbeitet hat.

Sind die Kunden enttäuscht, wenn das gewünschte Ergebnis nicht eintritt?

Naja, es ist dann auch die Aufgabe des Trainers, den Leuten zur Seite zu stehen, sie in die richtige Richtung zu lenken und sie zu motivieren. Man muss sie auch im Vorfeld darüber aufklären, was sie realistisch erreichen können. (Weiterlesen: Fürstenauer Florist über Valentinstage und verzweifelte Männer)

Haben Sie besondere Motivationstricks?

Das ist ganz individuell. Mit den Jahren lernt man die Leute einzuschätzen – und zu beurteilen, worauf die Kunden anspringen.

Müssen Sie die Kunden manchmal auch richtig drillen?

Das gibt es auch. Der ein oder andere benötigt schon eine klare Ansprache. Es gibt aber auch Kunden, die das genaue Gegenteil brauchen.

Beim Sport kommt man ja auch ins Schwitzen. Wie gehen Sie mit Kunden um, die nicht so gut riechen?

Gott sei Dank kommt das sehr, sehr selten vor. Das sind dann immer sehr unangenehme Gespräche, wenn man dem Gegenüber darauf hinweisen muss, dass er etwas riecht. Dann sagt man ihnen, dass sie mal das T-Shirt wechseln oder vor dem Training duschen sollen.

Haben die Kunden Verständnis dafür?

Sie sind natürlich erstmal peinlich berührt. Aber sie verstehen das auch. Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen damit gemacht.

Erzählen die Kunden Ihnen auch etwas von ihren privaten Problemen?

Bei den jüngeren Kunden kommt das eher weniger vor, bei den älteren schon häufiger. Das ist dann wie beim Friseur (lacht). Man muss dann mitfühlend sein und Verständnis zeigen. Wir arbeiten sehr eng mit den Kunden zusammen. Dadurch entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis. Das führt dann dazu, dass sie den Trainern Sachen erzählen, die nicht trainingsbezogen sind. (Weiterlesen: Quakenbrücker Friseurin über den Vokuhila, nervöse Bräute und Hygiene)

Wird viel geflirtet im Studio?

Das kommt auch vor. Es gibt so einige Ehen, die hier ihren Anfang genommen haben. In den letzten Jahren ist das zwar etwas weniger geworden, aber solche Erlebnisse freuen uns natürlich. Hier herrscht eine große Gemeinschaft. Das Training soll Spaß machen und die Kunden sollen sich untereinander vernetzen.

Stimmt das Klischee vom Muskelberg, der sich beim Gewichte stemmen gerne im Spiegel beobachtet und seine Muskeln bestaunt?

In erster Linie ist es tatsächlich nur ein Klischee. Die Spiegel sind hier nicht angebracht, um die Eitelkeit zu befriedigen, sondern wegen der Selbstkontrolle. Sie schauen, ob sie die Übungen richtig ausführen. Aber natürlich gibt es Einzelne, die sich ihre Muskeln mal genauer angucken. Das ist aber auch verständlich.

Welche Fehler begehen Ihre Kunden beim Trainieren?

Fehler kann man beim Training sehr viele machen. Training ist ein gesteuerter Prozess. Es muss immer wieder kontrolliert und angeleitet werden. Fitness ist die Basis für alle anderen Sportarten – und deshalb sehr wichtig. Leider geht in Deutschland der Trend zu Discount-Studios. Wenn diese für 15, 20 Euro pro Monat eine Mitgliedschaft anbietet, muss man sich überlegen, was diese Studios leisten können. Die müssen genauso wie ein Premium-Studio Miete, Strom, Geräte bezahlen. Dafür wird am Personal gespart.

Beobachten Sie in diesem Bereich eine „Geiz-ist-geil“-Mentalität?

Ja. Der Trend in Deutschland ist definitiv so, dass die Billigstudios enorm zunehmen. Da ist ein großer Hype entstanden. Die Kunden schauen dann aufs Geld, aber nicht auf ihre Gesundheit. Nur weil ich ein Gerät bedienen kann, heißt das noch lange nicht, dass ich es auch richtig bediene. Wenn Menschen mit Vorerkrankungen falsch an den Geräten trainieren, kann das die Beschwerden noch schlimmer machen.

Immer mehr Deutsche sind übergewichtig. Ist die Bevölkerung zu faul geworden?

Zu faul würde ich nicht sagen. Man muss sich alleine den Zuwachs anschauen, den die Fitnessstudios in den vergangenen Jahren verzeichnen konnten. Über zehn Millionen Deutsche besuchen regelmäßig ein Studio – das sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, da waren es drei Prozent der Bevölkerung. (Weiterlesen: Quakenbrücker Juwelierin über Reiseklobürsten und dreistes Feilschen)

Aber wie erklären Sie sich dann diese Entwicklung beim Übergewicht?

Nun ja, wenn zehn Prozent regelmäßig trainieren, machen die restlichen 90 Prozent wenig bis nix.

Wie kann man diese Menschen motivieren, mehr für sich und ihren Körper zu machen?

Wenn es da ein Allheilmittel gebe, hätten wir gewonnen (lacht). Das ist sehr schwierig. Man kann zum Beispiel versuchen, über Weiterempfehlungen neue Kunden zu bekommen. Wir haben hier sehr viele Mitglieder, die dann irgendwann ihre Frau, den Onkel oder Freunde mitbringen.

Gibt es Tage, an denen Sie auch mal keinen Bock auf Sport haben?

Die Phasen gibt es schon, dass ich drei oder vier Wochen mal gar nichts mache. Aber normalerweise trainiere ich drei bis viermal pro Woche.


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