Land reagiert nach Fürstenauer Initiative Neue Regelung: In Niedersachsen keine Grabsteine aus Kinderarbeit mehr

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Auf vielen Friedhöfen gibt es Grabsteine, die aus ausbeuterischer Kinderarbeit stammen. Symbolfoto: Christian Geers/ArchivAuf vielen Friedhöfen gibt es Grabsteine, die aus ausbeuterischer Kinderarbeit stammen. Symbolfoto: Christian Geers/Archiv

Fürstenau/Hannover. Das Land Niedersachsen will in seinem neuen Bestattungsrecht eine Regelung aufnehmen, die vorsieht, Grabsteine auf Friedhöfen auszuschließen, die von Kinderhand hergestellt worden sind. Die Initiative dazu kommt aus der Samtgemeinde Fürstenau.

Wie der Landtagsabgeordnete Christian Calderone (CDU) mitteilt, sieht die neue Regelung die Möglichkeit vor, dass Kommunen und Kirchen nur noch zertifizierte Produkte auf ihren Friedhöfen zulassen können, die nachweislich nicht aus Kinderarbeit stammen. „Dies wird im neuen Bestattungsrecht verankert“, so Christian Calderone. Im Detail bedeute dies, dass Natursteine nicht aufgestellt werden dürften, die in einem Staat oder Gebiet gewonnen oder hergestellt worden seien, „in dem das Übereinkommen über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der Formen der Kinderarbeit vom Juni 1999 nicht eingehalten wird“.

Das „Niedersächsische Gesetz über Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen“ sei nun novelliert in den Landtag eingebracht worden und werde aktuell im zuständigen Ausschuss beraten.

Vorstoß von Bildhauer Heinz Stall

Die geplante Neuregelung geht auf eine Initiative der CDU/FDP-Gruppe im Rat der Samtgemeinde Fürstenau zurück, die sich an Christian Calderone mit der Bitte gewandt hatte, in Hannover aktiv zu werden. Ausgangspunkt für den Vorstoß war wiederum eine Anregung des Bildhauers Heinz Stall. Er hatte 2017 in einer Ratssitzung auf das Problem der Kinderarbeit aufmerksam gemacht. Es könne doch nicht sein, dass auf Friedhöfen in der Samtgemeinde Grabsteine stünden, die von Kindern hergestellt worden seien, monierte er. Der Import der Billigsteine aus Indien sei absolut fragwürdig, zumal es über Jahrhunderte hinweg doch auch Grabsteine aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern getan hätten.

Ein Drittel der Grabsteine geht nach Deutschland

Nach Angaben der Organisation Don Bosco Mondo sowie von Benjamin Pütter, Berater für die Bereiche Kinderrechte und Kinderarbeit beim Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, arbeiten trotz aller Kontrollen immer noch mindestens 150000 Kinder barfuß und ohne Schutzmasken in indischen Steinbrüchen. Mindestens ein Drittel der Grabsteine aus diesem Land findet nach Einschätzung von Fachleuten in Deutschland Abnehmer – viele hergestellt von Kindern, die für Hungerlöhne unter härtesten Bedingungen arbeiten. Die so hergestellten Grabsteine sind in Europa preislich konkurrenzlos und werden deshalb gerne gekauft.

Darauf hat in der Vergangenheit auch die Osnabrücker Organisation terre des hommes hingewiesen und sich gegen die Arbeit von Kindern in Steinbrüchen engagiert – ob in Indien oder auch China. „Viele Trauernde ahnen nichts von der problematischen Herkunft der Grabsteine“, erklärte vor einigen Jahren die damalige Geschäftsführerin Danuta Sacher.

Kommunale Träger hatten keine Handhabe

Heinz Stall freut sich nun über die Gesetzesinitiative. Die Arbeit der Steinmetze steht für Werte“, betont er. Auch Fürstenaus Bürgermeister Herbert Gans lobt die anstehende Gesetzesänderung. „Als kommunaler Träger hatten wir bislang keine Handhabe, einen solchen Passus in unsere Friedhofssatzung zu bringen“, erklärte er. Der Grund: Eine kommunale Satzungsregelung, nach der nur Grabmale aufgestellt werden dürfen, die – verbunden mit einer Nachweispflicht – nicht aus Kinderarbeit stammen, war bisher keine ausreichende gesetzliche Grundlage, um einen Eingriff in die „Berufsausübungsfreiheit“ der Steinmetze zu rechtfertigen. Es gab nur die Möglichkeit, den Hinweis zu geben, dass nach Möglichkeit keine Grabsteine aus Kinderarbeit verwendet werden sollten.

In Bayern beispielsweise ist bereits seit 2016 über eine Änderung des Bestattungsgesetzes eine Ermächtigungsgrundlage geschaffen worden – verbunden mit einer Nachweispflicht über die Herkunft von Grabsteinen.


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