Mal nachdenklich, mal bittersüß Ludger Wilhelm auf der Theaterbühne in Restrup

In Aktion: Ludger Wilhelm. Foto: Peter SelterIn Aktion: Ludger Wilhelm. Foto: Peter Selter

Restrup. Er ist auch „Solo“ ein echter Genuss: Ludger Wilhelm sorgte mit seinem neuen Programm „Nur nicht die Wut verlieren“ auf der Bühne des Kulturvereins Lift in Restrup dafür, dass sich die Zuschauer köstlich amüsierten.

Er ist auch „Solo“ ein echter Genuss: Ludger Wilhelm sorgte mit seinem neuen Programm „Nur nicht die Wut verlieren“ auf der Bühne des Kulturvereins Lift in Restrup dafür, dass sich die Zuschauer köstlich amüsierten. „Das kann doch gar nicht funktionieren, das soll doch gar nicht funktionieren, das ist fürs Auge nur gedacht“ – was die Politik so alles wegzaubern kann, beeindruckte den Künstler so sehr, dass er es seinem Publikum nicht vorenthalten konnte. Waren es die 243 Steuermilliarden als Griechenlandhilfe, bei denen es angeblich bleiben solle, oder die amerikanische Gesundheitspolitik, die sich schon bald nach Unterzeichnung des ersten Freihandelsabkommens um die Gesundheit der Deutschen kümmern würde. Das bedeute dann „Beißhölzer statt Anästhesie“ oder Röntgenbilder, die mit Photoshop so lange korrigiert würden, bis der Patient erkennbar nicht mehr krank sei.

Jahrelang mit der „Buschtrommel“ unterwegs

24 Jahre lang war Ludger Wilhelm Teil und Kopf des kabarettistischen Dreiklangs der „Buschtrommel“. Heute ist der Künstler aus Münster allein auf der Bühne unterwegs. Wer ihn kennt, bemerkt bei seinen temporeichen Beiträgen die künstlerischen Wurzeln sehr schnell. Zahlreiche rhetorisch ausgefeite pfiffige Wortspiele bot er den Zuschauern genauso wie mitunter bittersüße Scherze. Immer wieder schlüpfte Ludger Wilhelm in neue Rollen. Am Kleiderständer auf der Bühne konnten die Gäste erahnen, in welche Richtungen der Kabarettist aktiv wird. So sorgten zum Beispiel die Kindergeschichten in der Rolle von „Paul Traurig“ für viel Spaß unter den Gästen. Die beiden Politiker „mit den komischen Frisuren“ aus Amerika und Nord-Korea nahm er dabei ebenso aufs Korn wie die „überunfähigen“ Geheimdienste unseres Landes, von denen wir schließlich 21 an der Zahl hätten.

Berichte aus Afghanistan

Dem Applaus der Zuschauer nach zu urteilen, gefiel ihnen die Rolle des Willi Prölskowski besonders gut. Im ballonseidenen Trainingsanzug mit stattlicher Goldkette um den Hals erklärte er seine Sichtweise von der Welt, denn als er groß geworden sei, habe es die Umwelt gar nicht gegeben. Kein Wort habe man darüber verloren. Schließlich male er sich seine „ Euro-7-Plakette “ für sein Auto eh selber, so der Fachmann aus Wanne-Eickel, was übrigens auf lateinisch „Castrup-Rauxel“ heiße. In der Rolle des Stabsunteroffiziers Kunz bot Wilhelm beeindruckendes zeitkritisches Kabarett. Seine Version des Liedes „Zehn kleine Negerlein“ stimmte nachdenklich, seine Berichte aus Afghanistan machten die ein oder andere politische Misere bis hin zum Sturmgewehr G 36 deutlich. Dieses schieße zwar nicht, sei aber deshalb so gefährlich, weil sich der Feind über die Waffe totlache. „Kommen Sie gut zurück auf Ihre Halligen“, verabschiedete sich der Künstler.


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