Verhandlung vor Schöffengericht Fürstenau: Testament gefälscht, um Vermögen des Onkels zu erben?

Von Holger Schulze

Ein 58-Jähriger muss sich wegen Urkundenfläschung und Betrug verantworten. Er soll das Testament seines Onkels selbst verfasst haben. Symbolfoto: Siegfried WistubaEin 58-Jähriger muss sich wegen Urkundenfläschung und Betrug verantworten. Er soll das Testament seines Onkels selbst verfasst haben. Symbolfoto: Siegfried Wistuba

Fürstenau/Bersenbrück. Urkundenfälschung und Betrug hielt die Staatsanwaltschaft einem 58-Jährigen vor, dessen Fall am Donnerstag vor dem Schöffengericht verhandelt wurde.

Im Dezember 2013 soll der Angeklagte ein Testament verfasst haben, das ihn als Alleinerben seines kinderlosen Onkels auswies. Nach dessen Tod im Februar 2014 hatte er mit diesem Testament vergeblich versucht, vom zuständigen Nachlassgericht eine Hoffolgebescheinigung zu erhalten. Ferner soll er sich in Fürstenau gegenüber verschiedenen Mietern seines verstorbenen Onkels sowie gegenüber einer Versicherungen als Erbe ausgegeben und widerrechtlich in mehreren Fällen Geld erlangt haben, so die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

„Reines Gewissen„

„Ich habe ein reines Gewissen, ich habe das Testament nicht geschrieben“, ließ sich der Angeklagte zur Sache ein. Vielmehr habe er von Kindesbeinen an ein enges Verhältnis zu seinem Onkel gehabt, der ihm vertraute, um den er sich bis zu dessen Tod gekümmert habe und der immer durch Erklärungen ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht hatte, er solle alles Weitere regeln. Ferner habe ihm sein Onkel nach dessen Einzug mit seiner Frau in ein Pflegeheim die Hausschlüssel übergeben mit dem Satz, „außer dir kommt hier jetzt keiner mehr rein“.

Fällige Mieten kassiert

Das Testament sei vom Onkel in einer Keksdose verwahrt worden, die der Angeklagte bis zum Tod seines Onkels in einem Bankschließfach verwahrt und erst nach dem Versterben des Erblassers genauer in Augenschein genommen habe. Aufgrund des Testamentes sei er davon ausgegangen, der Alleinerbe seines Onkels zu sein. Demgemäß hatte er sich weiter um den Hof gekümmert und auch die fälligen Mieten kassiert sowie einen Sturmschaden und zwei Einbrüche mit der Versicherung abgerechnet.

Eine Abbuchung in Höhe von 20.000 Euro von einem der Konten des Verstorbenen noch zu dessen Lebzeiten begründete der Angeklagte mit dem Wunsch seines Onkels, den drei Kindern des Angeklagten einen Geldbetrag zu schenken.

Gutachterin vergleicht Schriften

Um die Urheberschaft des handgeschriebenen Testamentes zu klären, war eine Gutachterin beauftragt worden. Deren Schriftvergleich von bis ins Jahr 2010 zurückreichenden Schriftproben des Verstorbenen mit dem Testament ergab insgesamt zahlreiche Abweichungen in der Formgebung. Die Unterschriften auf den Vergleichsdokumenten enthielten ein komplett anderes H wie auf dem Testament. Auch das N und das Y wiesen markante Unterschiede auf.

Testament nicht vom Verstorbenen

Insbesondere bei der Zahl Neun sei die Rundung einmal im, einmal gegen den Uhrzeigersinn gefertigt worden. Ferner war das Testament zügig und sicher geschrieben, das Vergleichsmaterial hingegen wies alterstypische Störungen auf.

All diese Faktoren ließen die Gutachterin zu dem Schluss kommen, dass das Testament mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht vom Verstorbenen stammt.

Ein weiteres Gutachten des Landeskriminalamtes konnte anhand des zur Verfügung gestellten Vergleichsmaterials, das auch nach Einschätzung der im Prozess anwesenden Gutachterin zu wenig aussagekräftig war, nicht mit Sicherheit feststellen, dass das Testament vom Angeklagten geschrieben worden war.

Prozess wird fortgesetzt

Anschließend wurde der Bruder der Witwe als Zeuge für die vom Angeklagten behauptete Übergabe eines Sparbuches, diverser Schmuckstücke und zum Zustandekommen einer Vorsorgevollmacht, durch die der Onkel den Angeklagten mit der Wahrnehmung aller Geschäfte beauftragte, gehört.

Auch vier Mieter sowie der Mitarbeiter der vom Angeklagten in Anspruch genommenen Versicherung erschienen als Zeugen, um Auskunft über das Verhalten des Angeklagten beim Einkassieren der Mieten sowie bei der Abrechnung der Sturm- und Einbruchschäden zu geben.

Mit weiteren Zeugen wird der Prozess am Dienstag, 17. April, ab 9 Uhr, in Saal 134 des Amtsgerichtes fortgesetzt.