„Den ersten Schritt tun“ Heimatverbände beraten in Fürstenau über Integration

Von Jürgen Schwietert

Sie hieß die Gäste im evangelisch-lutherischen Gemeindehaus in Fürstenau willkommen: Pastorin Anke Kusche (stehend).Foto: Jürgen SchwietertSie hieß die Gäste im evangelisch-lutherischen Gemeindehaus in Fürstenau willkommen: Pastorin Anke Kusche (stehend).Foto: Jürgen Schwietert

Fürstenau. Das Thema Integration stand im Mittelpunkt einer Arbeitstagung des niedersächsischen Heimatbunds (NHB), des Wiehengebirgsverbands (WGV), des Heimatbundes Osnabrücker Land (HBOL) und des Kreisheimatbunds Bersenbrück (KHBB).

Im evangelisch-lutherischen Gemeindehaus St. Georg in Fürstenau führte der Vorsitzende des KHBB, Franz Buitmann, verbunden mit einem Dankeschön an die Ideengeber und Organisatoren Gisela Krieger und Tim Wagemester sowie an die Kirchengemeinde in das Thema ein. „Es ist uns wichtig, das wir den nach hier geflüchteten Menschen eine neue Heimat bieten“, betonte Buitmann. In ihrem Grußwort ging Pastorin Kusche auf Fluchtszenen in der Bibel ein. Erfreut über die in Fürstenau stattfindende Tagung zeigte sich auch Samtgemeindebürgermeister Benno Trütken, der zusammen mit Bürgermeister Herbert Gans an der Veranstaltung teilnahm.

Alt- und Neubürger zusammenbringen

Sodann hinterfragte Anna Quell vom NHB in ihrem Referat, wie es gelingen könne, Alt- und Neubürger zusammenzubringen. „Heimat ist für jeden Menschen etwas anderes“, so Quell. Heimatvereine hätten die Kernkompetenz, Neubürger umfassend zu informieren und sie bei der Integration zu begleiten. Integration sei eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Geben wir Neubürgern die Chance, ein Teil der gesellschaftlichen Entwicklung zu sein“, betonte sie. Sodann informierte Antigone Mally über ihre Arbeit als Integrationsbeauftragte in der Samtgemeinde Fürstenau. Sie machte deutlich, dass mit Hilfe zur Selbsthilfe die Integration am besten gelingen könne. Dem Flüchtling einen abgeschotteten Schutzraum zu bieten, sei der falsche Weg. Mithilfe des großen ehrenamtlichen Engagements gelinge es, die Neubürger bei ihren verschiedenen Aufgaben zu begleiten. Dazu gehören unter anderem Behördengänge ebenso wie Anmeldungen in Schule und Kindergarten. „Ehrenamtliche dürfen auch nicht überfordert werden“, betonte Antigone Mally.

Wichtig: heimische Sprache vermitteln

Sehr wichtig sei es, die heimische Sprache zu vermitteln und Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden. Weiterhin ging sie auf die Erfolgsgeschichte des Festes der Kulturen ein, das in diesem Jahr am 1. September zum dritten Mal stattfindet, sowie auf das an jedem zweiten Dienstag im Monat stattfindende Café der Begegnungen. Diverse Fürstenauer Organisationen fragten an, ob sie sich hier einbringen dürfen. Es entstehen Gespräche, Integration gelingt. Die Erfahrungen aus der Samtgemeinde Bersenbrück steuerte Sozialpädagoge Jonas Olding bei. Dort kümmern sich 60 Ehrenamtliche um die Flüchtlinge. Gäbe es diese nicht, wären wir aufgeschmissen, sagte er. „Ohne sie würde Integration nicht gelingen“, so Olding. Deutlich wurde in seinem Vortrag, dass die Arbeit in Bersenbrück vergleichbar dem Fürstenauer Angebot ist. Hinzu kommen weitere Aktionen für Flüchtlingsfrauen sowie Kinder und Jugendliche wie Familientreff, Familienplanung, Gemüsegarten, Mama lernt Deutsch, Frauenschwimmkurs.

Freundschaften zwischen den Kindern

Der Vorsitzende des Heimatvereins Nortrup, Helmut Brunneke, stellte das seit 2015 laufende Nortruper Projekt Migration-Integration-Heimat vor. Alles fing mit der Bitte um Einrichtung eines Fahrdienstes an. Eine Besprechung, eine öffentliche Informationsveranstaltung, sodann die Initiierung eines Organisationsteams schlossen sich an. Für die Flüchtlinge gab es Ortspläne. Es wurde ein Notfallpaket mit wichtigen Informationen entwickelt; die Zugereisten bei Rundfahrten über den Ort informiert und Sprachkurse vor Ort organisiert. Mit praxisnaher Hilfe, zum Beispiel der Installation von Fernsehgerät und Internet, dem Einrichten einer Fahrradwerkstatt, eines Nähcafés, eines Netzwerks sowie eines Wanderweges und der Ausrichtung einer Weihnachtsfeier, gelinge Integration. Und wenn der Heimatverein zum Arbeitseinsatz aufruft, sind auch die Flüchtlinge dabei. „Das Geheimnis ist, den ersten Schritt zu tun“, sagte er. Wichtig seinen auch Freundschaften zwischen den Kindern. Eine Diskussionsrunde schloss sich an. Dabei wurde aber auch deutlich, dass die Einheimischen zu wenig von der Kultur der Zugereisten kennen.