Kreisarchäologie wertet Schriftstücke aus Besonderer Flaschenfund im Jugendheim in Hollenstede

Von Jürgen Schwietert


Hollenstede. Das Jugendheim in Hollenstede wird derzeit bekanntlich umgebaut. Bei Abbrucharbeiten sind Helfer auf Dokumente zur Geschichte des Jugendheimes gestoßen – säuberlich mit Korken und Wachs verschlossen in einer Wasserflasche. Die Kreisarchäologie in Osnabrück hat sie geöffnet und den Inhalt untersucht.

Die Glasflasche enthielt zwei Dokumente. Dabei handelt es sich um ein einseitiges mit Kugelschreiber am 29. September 1959 verfasstes Schreiben sowie um ein mit blauer Tinte am 7. September 1920 verfasstes zweiseitiges Dokument. Das ältere Schreiben bezieht sich auf die Errichtung einer damalige Notkirche im heutigen Jugendheim. Es ist zum Teil stark beschädigt, weist Löcher auf und roch stark nach Schimmel. Die Tinte ist verblichen. Dennoch gelang des den Mitarbeitern der Kreisarchäologie, einen großen Teil des Textes zu entziffern.

Glorreich regierender heiliger Vater

Er hat folgenden Inhalt: „Im Jahre des Herrn 1920 am Vorabend vor Mariä Geburt. Der Grundstein zu dieser Notkirche wurde gelegt in der Zeit als das Reich eine Republik war, an dessen Spitze ein Reichspräsident namens Ebert stand. An der Spitze unserer kirchlichen Behörde steht der glorreich regierende heilige Vater Benedikt XV. Unsere Diözese Osnabrück wird verwaltet vom hochwürdigsten Bischofe Dr. Wilhelm Berning. In unserem Dekanat wirkt als Dechant der hochwürdige Geistliche Rat Friedrich Vornholt in Neuenkirchen. Die Pfarre Schwagstorf wird pastoriert vom hochwürdigen Herrn Pastor Dr. Johannes Freese aus Holte, Kreis Hümmling. Ihm zur Seite steht (der) hochwürdig(e) Herr Vika(r) (…) Wüsthoff, ebenfalls aus dem Kreis Hümmling. Als Kirchenvorsteher in Hollenstede sind gewählt: Hofbesitzer Herr Joseph Meyer zu Holle und Hofbesitzer Herr Bernhard Geers Losekamp. Als Lehrer sind in Schwagstorf an der Schule (…) (…) Franz Schröder und die Lehrerin (…), (…). In Hollenstede wirken zur Zeit an der Schule (…) (…) Wahmes aus Flechum Kreis Meppen (und?). als Lehrerin Fräulein Cornelia Witte aus Haste bei Osnabrück. Die Gemeinde Hollenstede gehört zum Kreis Bersenbrück, an dessen Spitze der Landrat Herr Dr. Rhotert steht. Aus Hollenstede ist als Kreistagsabgeordneter Tischlermeister Herr Heinrich Meyners gewählt. Als Gemeindevorsteher wirkt Herr Hofbesitzer G (…) Hoppe und als Beigeordneter Herr Hofbesitzer J (…) Bokern. Die Gemeinde besteht zur Zeit aus 83 katholischen und 5 evangelischen Familien mit rund 600 Einwohnern. Die Schule in Hollenstede wird besucht von 125 Kindern. Schulvorsteher sind Herr Gemeindevorsteher Hoppe, Herr Große Haar, Herr Niemann, Herr Becktepe. Diesen zur Seite steht im Elternbeirat bestehend aus 8 Mitgliedern: Lehrer Wahmes, Hofbesitzer Bokern, Landwirt Bernhard von der Haar, Pächter Heinrich Glur(ich), Hofbesitzer Meyer zu Holle, Landwirt Theodor Schuma(cher), Frau Hofbesitzer Josephine Geers, Frau Bäckermeister Anne (Johan)nemann. Die Ma(ur)er- und Zimmerarb(eiten) zu dieser Notkirch(e) werden ausgeführt von den (Herren?) August Mölle(r), Hermann von Wulfen, Heinrich Meyners, Schuckmann. In der Gemeinde sind 10 Vollerben, 4 Halberben, (1 Dr?) ittelerben, 2 Viertelerben, 22 Kötter und 4 (9?). Diese alte Schule wurde zum G(…) (erwe)itert und eingerichtet nachdem schon (im?) Jahr vorher in der neuen Schule von den g(…) hochwürdigen Herren Geistlichen aus Schwagstorf Gottesdienst gehalten war. Die nunmehr erbaute Kapelle soll der he(i)ligen Gottesmutter geweiht und in Zukunft Marien-Kapelle genannt werden. Vorgelesen und unterschrieben Dr. Freese Pfarrer, Hch. (?) Wüsthoff, Vikar H. Wahmes, Lehrer C. Witte, Lehrerin Meyer zu Holle, B. Geers.“

Texte werden im Pfarrheim ausgestellt

Das andere Blatt aus dem Jahr 1959 beinhaltet folgenden Text: „Hollenstede, d. 29.9.59. Der Grundstein zur Erweiterung des Jugendheimes wurde gelegt im Jahre, als der Hochw. Herr Pastor Wüste Pastor von Hollenstede war, und Herr Heinrich Becktepe Bürgermeister. Es war ein sehr trockenes Jahr. Das Vieh hungerte in den Weiden. Das Wasser mußte überall herbeigeschafft werden. - Das Holz wurde von den Bauern gestiftet. Die Arbeit wurde von der katholischen Landjugend geleistet. Maurermeister: Franz Hopster, Architekt: Hermann Krümpel. Als Vertreter der Jugend: Margret Hoppe, Paula Möller, Hubert Hellmann, Hildegard Möller, Aug. Moormann,Alfons Sander, Josef Stein.“

Die transkribierten Texte sowie die Flasche werden nun im Pfarrheim ausgestellt. Zum Hintergrund: Die Bauernschaft Hollenstede gehörte zunächst zum Kirchspielbereich Schwagstorf. Wegen des langen Fußweges dorthin wollte die Bauerschaft eine Anpfarrung an Fürstenau erreichen. Die genehmitge nach mehreren vergeblichen Anläufen der Bischof am 17. März 1920. Daraufhin wurde die alte Schule zur Notkirche umgebaut. Erster Pfarrer war Rudolf Diekmann.