„Wie heiraten Kühe?“ Flüchtlingsfamilien erkunden Milchhof in Grafeld

Von Lena Kolde

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Flüchtlinge aus Syrien und Irak besichtigten den Milchviehbetrieb Triphaus in Grafeld. Foto: Lena KoldeFlüchtlinge aus Syrien und Irak besichtigten den Milchviehbetrieb Triphaus in Grafeld. Foto: Lena Kolde

Grafeld. Vier Flüchtlingsfamilien trafen sich auf dem Hof von Stefan Triphaus in Grafeld, um etwas über die Milchproduktion in Deutschland zu lernen.

Mit Marika Schadwinkel und Ida Mohring vom Verein „In Via“, und der Übersetzerin Mithak Aljazaeeny erkundeten sie den Hof und hörten gespannt dem Ehepaar Triphaus zu.

Nach einer gemütlichen Zusammenkunft im alten Heuerhaus ging es auf den Hof, wo Stefan Triphaus erst einmal die Merkmale des landwirtschaftlichen Betriebes mit 80 Kühen erklärte. „Vieles, was für uns selbstverständlich ist, kennen die Familien noch nicht“, so Ida Mohring, die sich als Koordinatorin des Projektes „Schule für alle“ sehr über Möglichkeiten wie diese Hofbesichtigung freut.

Ziel des Projektes ist es, Integration zu fördern, indem Familien etwa Anforderungen von deutschen Schulen besser verstehen oder bestimmte Kulturtechniken lernen. „Wir erleben immer wieder, dass die Menschen eine große Offenheit mitbringen, Dinge auszuprobieren“, so die Sozialpädagogin. Dies war auch auf dem Hof zu beobachten. Nachdem alle Schutzhüllen über ihre Schuhe gezogen hatten, betraten sie den Stall.

Und hier gab es erst einmal zahlreiche Fragen zu beantworten: Was fressen Kühe eigentlich? Wieviel passt in ein Euter? Und wozu tragen alle Kühe gelbe Ohrmarken?

Melkroboter

Stefan Triphaus und seine Frau, Carmen Körber-Triphaus hatten glücklicherweise zu allem eine Antwort. Nur über eine Frage hatten auch sie sich noch keine Gedanken gemacht: Als die Gruppe eine tragende Kuh entdeckte, wollte die kleine Mays wissen, wie das Tier denn zuvor geheiratet habe. „Kühe haben wahrscheinlich ein anderes Lebensmodell“, lachte der Hofbesitzer, der die Gruppe nun zu den Kälbchen führte.

Dann ging es in den Melkstand, dessen Technik alle erstaunte. Das Melken übernimmt nämlich ein Roboter, und glücklicherweise hatte sich auch gerade eine Kuh zur Vorführung bereitgestellt. Somit durften sich alle Familien auch noch etwas Milch mit nach Hause nehmen. Aus diesem Grund sei es überhaupt erst zu der Idee gekommen, berichtet Carmen Körber-Triphaus. Die Grafelderin ist mit ihrer Praxis „Kontaktibel“ auch in Schulen tätig und arbeitet oft mit der Übersetzerin Mithak Aljazaeeny zusammen. „Mithak erzählte mir, dass sie jemanden kenne der gerne Milch kaufen würde, um daraus Käse herzustellen“, erzählt Körber-Triphaus, die schließlich die eigenen Kapazitäten zu Hause zu nutzen wusste.

„Ich beobachte immer wieder, dass bei alltäglichen Dingen am besten Begegnung stattfinden kann“, berichtet sie weiter. Außerdem seien Tiere für geflüchtete Familien oft ein Stück Heimat, da einige selbst Tiere zu Hause gehalten haben. Und dieses bestätigte sich schnell, so sah man auf allen Gesichtern immer wieder ein zufriedenes Lachen.

Das wurde noch einmal gesteigert, als es schließlich mit Spielen weiterging. Zurück im Heuerhaus fanden Eierlauf, Gummistiefelweitwurf und das Schubkarrenrennen großen Zuspruch. Wobei das neue Wissen über die Milch mit einem Geschmackstest unterschiedlicher Sorten noch einmal vertieft wurde.


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