Redakteurin bei Haba Annemarie Wolke aus Bippen entwickelt beruflich Spiele

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In ihrem Element: Annemarie Wolke spielt für ihr Leben gern. Seit 2014 arbeitet sie als Spieleredakteurin beim Hersteller Haba in Bad Rodach in Oberfranken und pendelt Woche für Woche zwischen Niedersachsen und Bayern. Foto: Jürgen AckmannIn ihrem Element: Annemarie Wolke spielt für ihr Leben gern. Seit 2014 arbeitet sie als Spieleredakteurin beim Hersteller Haba in Bad Rodach in Oberfranken und pendelt Woche für Woche zwischen Niedersachsen und Bayern. Foto: Jürgen Ackmann

Bippen. Vor einigen Tagen traf eine E-Mail in der Redaktion ein. Sie schloss mit den Worten „Mit verspielten Grüßen aus Bad Rodach“. Unterzeichnet von Annemarie Wolke. Sie wohnt in Hartlage, pendelt aber Woche für Woche ins Frankenland. Der Spiele wegen.

Wie sollte es auch anders sein. Im Wohnzimmer von Annemarie Wolke stapeln sich auf einem Schrank Kartons mit Spielen. Für Kleinkinder, für Jugendliche. Für Erwachsene. „Hanni Honigbiene“, „Würfelkönig“ oder „Karuba“ – derzeit eines der erfolgreichen Spiele auf dem nationalen und internationalen Markt, erfunden vom gebürtigen Ibbenbürener Rüdiger Dorn, entwickelt von Haba – einem renommierten Spielzeug- und Spielehersteller mit Sitz in – genau – Bad Rodach im oberfränkischen Landkreis Coburg nahe Thüringen und seit 2014 Arbeitgeber von Annemarie Wolke.

Sie arbeitet dort in der Redaktion Spiel und Buch. Die Hauptaufgabe: die Entwicklung neuer Spiele vom ersten Prototypen bis hin zum fertigen Produkt. Eine Sache, die Annemarie Wolke mit Leidenschaft betreibt, wie bereits nach wenigen Worten zu spüren ist und die sich nicht nur auf das Berufsleben beschränkt. Mit Freunden und ihrem Mann Sebastian – die beiden haben im Jahr 2017 geheiratet und in Hartlage ein Haus gebaut – spielt sie gerne auch privat.

Auch in den Pausen wird gespielt

Studiert hat Annemarie Wolke nach ihrem Abitur 2010 in Enschede, und zwar Konzept- und Produktentwicklung. Über ein Praktikum während des Studiums knüpfte sie erste Kontakte zu Haba. Insgesamt 2000 Menschen arbeiten für das Unternehmen, das sich aus kleinen Anfängen heraus inzwischen zu einer Firmengruppe mit Sitzen in den USA, Frankreich und Hongkong entwickelt hat.

Unter diesem Dach arbeitet auch eine hauseigene zehnköpfige Spieleredaktion, zu der nun auch Annemarie Wolke gehört. Die Mitglieder seien allesamt „sehr spielaffin“, wie die Hartlagerin betont. Selbst in den Pausen spiele die Gruppe – darunter unter anderen auch gelernte Goldschmiede und Tischler, die ihr handwerkliches Know-how zur Ausgestaltung der Spiele beitragen.

1800 Vorschläge pro Jahr

Die Spieleredaktion ist bisher immer sehr findig gewesen und bewies stets ein gutes Gespür für die richtigen Spiele. Ein Beleg dafür ist der „Obstgarten“, den wohl die meisten Familien mit kleinen Kindern kennen.

Bei der Entwicklung der Spiele können Annemarie Wolke und ihre Mitstreiter auf die Ideen einer große Spieleszene in zurückgreifen. Jedes Jahr trudeln rund 1800 Vorschläge ein. Manche Ideen sind bereits umgesetzt, manche nicht geeignet, manche erweisen sich im Laufe des Entwicklungsprozesses doch nicht als optimal. Aber 20 bis 50 Spieleideen schaffen es am Ende doch bis zur Marktreife und machen nicht nur den Erfinder stolz. Und wenn sich die Spieleidee dann am Ende auch noch als Verkaufsschlager erweist, dann ist die Freude noch einmal größer. „Es gibt einige Erfinder, die müssten eigentlich nicht mehr arbeiten“, sagt Annemarie Wolke.

Auch eigene Ideen zählen

Hinter jedem Spiel steckt viel Arbeit. Nicht nur die Redakteure sind eingebunden, um aus der Idee ein funktionierendes Spiel zu machen, das Kinder oder Familien anspricht. Ebenso wichtig sind die Illustratoren, die ihre Kreativität spielen lassen, damit nicht nur die Spielstrategie stimmt, sondern auch die Optik. Auch eine gute Spielanleitung ist wichtig und muss in sechs Sprachen übersetzt werden. In der Regel vergeht so ein Jahr, bis das Produkt fertiggestellt ist und beispielsweise von Haba bei den Messen in Essen und Nürnberg präsentiert werden kann.

Natürlich kann Annemarie Wolke auch eigene Ideen austüfteln. Das hat sie bereits erfolgreich getan. Unter anderem stammt eine Weiterentwicklung des „Obstgarten“ von ihr. Auch die „Spiel Spaß Kiste“ mit dem Thema Haustiere hat Annemarie Wolke spielerisch mitgestaltet.

Branche legt kräftig zu

Besonders freut sich die Hartlagerin darüber, dass die klassischen Brett- und Kartenspiele seit einigen Jahren wieder Konjunktur haben. Sei noch vor Jahren gezweifelt worden, ob sie mit den Computerspielen konkurrieren könnten, so seien die klassischen Spiele heute populärer denn je, betont Annemarie Wolke. Es gebe wieder mehr Spieleabende, Spieltreffs oder Spielecafés wie beispielsweise in Osnabrück. Gerade das kommunikative Element von Angesicht zu Angesicht könnten Computer nicht ersetzen.

Das belegen auch die Zahlen des Vereins „Spielverlage“, einem Verbund der wichtigsten Firmen in der Branche. Nach zwei Jahren mit Wachstumsraten von zehn Prozent, legte die Branche auch 2017 wieder zu, und zwar um insgesamt vier Prozent. Besondere Familienspiele (fünf Prozent Anstieg) und Würfelspiele (elf Prozent) hätten zugelegt. Überdies gebe es einen Trend zu Erwachsenen- und Partyspielen (25 Prozent).

1000 Neuerscheinungen pro Jahr

Insgesamt bringt die Branche pro Jahr mehr als 1000 Neuerscheinungen auf den Markt. Einen durchaus gewichtigen Anteil an dieser Innovationskraft hat nun auch eine Hartlagerin in Franken.

Und warum hat Annemarie Wolke nun eine E-Mail an die Redaktion geschrieben? Richtig. Sie wollte Per Pedes von der gleichnamigen Kolumne darauf hinweisen, dass klassische Brett- und Kartenspiele wieder im Trend sind – und nichts Angestaubtes seien, zu dem Menschen überredet werden müssten, wie Per Pedes vermutet hatte. Eine schöne Nachricht.


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