Geschichte der Firma Tebbenhoff Als in Settrup noch ein guter Tropfen gebrannt wurde

Von Jürgen Schwietert


Settrup. Bei einem Gesprächsnachmittag des Heimatvereins Settrup wurde die Geschichte der Firma Tebbenhof in Settrup lebendig. Zeitzeugen schilderten den Alltag in der Schnapsbrennerei, berichteten über die Produkte und die Auslieferungsfahrten.

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Thomas Wagener, hieß neben den Zeitzeugen auch interessierte Gäste willkommen und fügte hinzu, dass er sich noch an die Jubiläumsfeier zum 200-jährigen Bestehen von Tebbenhoff 1984 kurz vor der Schließung der Firma erinnern könne. Schnaps habe er damals als Elfjähriger noch nicht getrunken. Ulla Niemann, die den Gesprächsnachmittag organisiert hatte, führte kurz in das Thema ein und überließ dann Gustav Pöppe das Wort. Der ging auf die Betriebszweige Molkerei, Hefefabrik und Brennerei ein. Seine Mutter habe ihn oft geschickt, um für zehn Pfennig Gäst (Hefe) zu holen. Die Hefeproduktion lief bis zum Ende der 1950er Jahre. Die Milch wurde jeden Morgen mit Pferdewagen und Milchkannen angeliefert. „Wenn wir mal Sahne brauchten, gingen wir mit einem Litermaß rüber“, so Pöppe.

Mit Pferdefuhrwerken und Traktorengespannen

Auch Käse konnten die Settruper dort holen. Wie Gustav Pöppe sich erinnerte, liefen fünf Brennapparate Tag und Nacht. Zwei Pferdefuhrwerke mit entsprechendem Tank brachten den „Sprit“ zum Bahnhof, wo er umgepumpt wurde. Die Fuhrwerke wurden penibel gewogen. Im landwirtschaftlichen Bereich gehörte das Gut Bredenschalg ebenfalls zur Firma Tebbenhoff. Sieben Generationen Tebbenhoff wurden insgesamt verzeichnet. Weitere Zeitzeugen informierten über den Abtransport der Schlämpe, die als Viehfutter verwendet wurde. Morgens kamen die Mitarbeiter, in den besten Zeiten bis zu 130 Personen, mit Traktorengespannen aus der Umgebung angefahren. So manche Anekdote aus dem vergangenen Jahrhundert wurde erzählt. Eberhard Tebbenhoff hatte ein System entwickelt, Faulgase zu separieren und in Gasflaschen abzufüllen. Unter den Lastkraftwagen befanden sich Gasflaschen, die auch damit befüllt wurden. Morgens fuhren die Lkw beladen mit Benzin los. Auf dem Rückweg wurde auf Gas umgeschaltet.

Schaler Brücke musste verstärkt werden

Weiterhin wurden das gute Betriebsklima und die außergewöhnlich soziale Einstellung der Firmeninhaber in Erinnerung gerufen. Gustav Pöppe berichtete davon, als die erste von zwei Dampfmaschinen in die Firma kam. Mit 18 Pferden wurde sie aus Rheine geholt. Die Schaler Brücke, seinerzeit eine Holzkonstruktion, musste eigens verstärkt werden. Damit erzeugte die Firma ihren eigenen Strom, auch für die Nachbarn. Zum Betrieb der Dampfmaschinen wurde jeden Tag ein Zug Fettkohle vom Ibbenbürener Bergwerk geholt. Im Jahre 1984 war es dann mit der Kornbrennerei in Settrup vorbei. Die Firma Tebbenhoff stellte den Betrieb ein. Die Produkte kamen nicht mehr an, der Zeitgeist hatte sich gewandelt. Zwölf Jahren später erwarb die Familie Stall das Gelände. Heute befindet sich dort ein Hotel mit Restaurant und Café sowie ein Steinmetzbetrieb.