Über die Ökumene im Kleinen Pastor Hubert Schütte seit 20 Jahren in Fürstenau

Von Jürgen Schwietert

Seit 20 Jahren ist Pastor Hubert Schütte in der Kirchengemeinde St. Katharina in Fürstenau tätig. Hier zeigt der Malereien in der St. Katharina-Kirche, die nach der Restaurierung wieder in frischem Glanz erstrahlen. Foto: Jürgen SchwietertSeit 20 Jahren ist Pastor Hubert Schütte in der Kirchengemeinde St. Katharina in Fürstenau tätig. Hier zeigt der Malereien in der St. Katharina-Kirche, die nach der Restaurierung wieder in frischem Glanz erstrahlen. Foto: Jürgen Schwietert

Fürstenau/Berge. Kürzlich feierte Pfarrer Hubert Schütte seinen 65. Geburtstag. Jetzt beging er sein 20-jähriges Dienstjubiläum in Fürstenau. Ein Gespräch.

Herr Schütte, Sie sind vor 20 Jahren nach Fürstenau gekommen. Kannten Sie Fürstenau schon vorher?

Den ersten Kontakt zur Stadt Fürstenau gab es im Jahr 1979. Mein Weihekurs fand im Priesterseminar Osnabrück zum Abendbrot statt. Neben dem Priesterseminar wohnte damals Theodor Kettmann, der als Kaplan von Fürstenau in die Domgemeinde versetzt worden war. Wir erlebten seine Ernennung am 30. November 1978 und Weihe zum Weihbischof von Osnabrück am 18. Februar 1979. Durch Klaus Warning, der nach Theo Kettmann Kaplan in Fürstenau war, entstand mein erster Kontakt zur Stadt. Einige aus unserem Kurs wurden gebeten, ihm dabei zu helfen, sogenannte Schulendtage für alle 10. Klassen der IGS mitzugestalten. So trafen wir uns im Hotel Stratmann, um die Tage zu planen, die alle parallel in den verschiedensten Jugendunterkünften des Bistums Osnabrück durchgeführt werden sollten.

Fürstenau wird im Glauben geprägt durch die katholische Kirchengemeinde St. Katharina und die evangelische Kirchengemeinde St. Georg. Wie hat sich das Zusammenwirken in den vergangenen 20 Jahren entwickelt?

Gleich im ersten Jahr hatte ich die Herausforderung und Chance, mich mit den konfessionellen Gegebenheiten im Osnabrücker Nordland vertraut zu machen, die vom Westfälischen Frieden geprägt sind. 1998 gab es viele Veranstaltungen und Gottesdienste zum 350-jährigen Gedenken. Die Beschäftigung damit war ein guter Auftakt, die Strukturen der katholisch und evangelisch geprägten Ortsteile und die besondere Situation in der Stadt Fürstenau und der Samtgemeinde kennenzulernen. Im Jahr 2000, das in ökumenischer Verbundenheit als „Christus-Jahr“ begangen wurde, feierten wir in jedem Monat in einer der Kirchen einen ökumenischen Gottesdienst. Damals konnte man hören: „In dieser Kirche bin ich noch nie gewesen!“ Daraus hat sich die ökumenische Geschwisterlichkeit weiter entwickelt, sodass im Jahr 2004 der erste ökumenische Pfingstgottesdienst gefeiert wurde. Im Nachgang zum Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren hat die ökumenische Pfarrkonferenz beschlossen erstmalig, am zweiten Weihnachtstag vergangenen Jahres und jetzt am kommenden Ostermontag in der Nord- und Südregion zu einem ökumenischen Gottesdienst einzuladen. Diese Gottesdienste an den drei Hochfesten sind für mich ein starkes Zeichen dafür, dass auch im Kleinen Ökumene gelebt wird, besonders in den konfessionsverbindenden Ehen und Familien.

In der katholischen Kirche hat sich auch in Fürstenau viel verändert. Die Selbstständigkeit der fünf Kirchengemeinden gibt es nicht mehr. Wie hat sich die Gründung der Pfarreingemeinschaft auf die Arbeit vor Ort ausgewirkt?

Ihre Frage ist so gestellt nicht richtig. Gerade die Pfarreiengemeinschaft Fürstenau zeichnet sich dadurch aus, dass es zwar Kooperation gibt, aber die Selbstständigkeit der einzelnen Kirchengemeinden ganz bewusst gewahrt bleibt und gestärkt wird. Wir sind froh darüber, dass unser Bischof Franz-Josef Bode die Gemeinden nicht wie im Nachbarbistum Münster „über einen Kamm schert“, sondern ihnen die Freiheit lässt, einen eigenen Weg zu suchen. Es geht um „Kirche der Beteiligung“. Zum anderen waren wir in drei der fünf Gemeinden an dem Pilot-Projekt „Gemeindeteam“ beteiligt, einem neuen Zusammenwirken in Leitung von Haupt- und Ehrenamt. Kirche soll vor Ort nicht nur durch Priester und hauptamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen „ein Gesicht“ behalten. Die Herausforderung bleibt: Wie gestalten wir auch künftig eine Kirche, die nahe bei den Menschen ist?

Bleiben Sie Fürstenau erhalten oder müssen Sie noch mit einer Versetzung rechnen?

Unser Bischof hat sich zu dieser Frage klar positioniert. Die Strukturreformen im Bistum sind abgeschlossen. Die jetzigen Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften werden nicht vergrößert und dem in Zukunft zur Verfügung stehenden Priester angepasst. Im Personalgespräch mit der Bistumsleitung habe ich mich dafür entschieden, obwohl mit 65 Jahren im Rentenalter, noch weiter als leitender Pfarrer zur Verfügung zu stehen. Ein entscheidender Grund dafür war, dass Christiane Becker, die aus der Leitung des Kindergartens St. Servatius ausscheidet, nach den Sommerferien als pastorale Koordinatorin eingesetzt wird.

Die Schlosskirche St. Katharina ist jetzt ansprechend restauriert worden. Wie ist die Reaktion der Besucher?

Der Kirchenrenovierung ist ein längerer Prozess mit vielfältiger Beteiligung vorausgegangen. Neben dem Säubern und dem Neuanstrich, der Überarbeitung der Elektroanlage und einem Beleuchtungskonzept soll erfahrbar werden, dass ein Kirchengebäude auch aus lebendigen Steinen besteht. In dieses Glaubensgebäude sind wir durch die Taufe eingefügt. Darum steht der Taufbrunnen jetzt ganz am Anfang im erweiterten Eingangsbereich. Dort unten erschließt sich der Raum in seiner lebendigen Architektur; lädt ein, weiter hineinzugehen, einen Ort zu finden, wo ich mich aufhalten und verweilen möchte, der zu Besinnung und zum Gebet einlädt. Das Modell „Kirche der Beteiligung“ wird besonders in der Umgestaltung des Altarraums abgebildet. So wurde zum Beispiel das Chorgestühl entfernt; Lektor und Kommunionhelfer kommen jetzt aus der versammelten Gemeinde, um ihren Dienst wahrzunehmen. Insgesamt wird die Renovierung und Neugestaltung zustimmend angenommen. Dies zeigt sich besonders, wenn Begegnung und Gespräch unter dem Orgelboden und beim Kirchencafé stattfinden.