Zeitdokument wird restauriert Was Fürstenauer Gefängnistüren zu erzählen haben

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Fürstenau/Nortup. Die früheren Insassen des Stadtgefängnisses in Fürstenau haben während ihrer Haft so Allerlei in die Gefängnistüren geritzt. Diese Schnitzereien, Jahrzehnte von Farbe übertüncht, machen Schüler in Nordhorn nun wieder sichtbar.

Es geht über einen schmalen Flur, vorbei an Umkleidekabinen für Berufsschüler – Fachrichtung Maler und Lackierer. Dann stehen sie da, die Türen aus dem Fürsteauer Gefängnis. Gut verwahrt in der Werkstatt der gewerblich berufsbildenden Schulen (GBS) an der Denekamper Straße in Nordhorn. Fast 300 Jahre alt sind sie. Eine so weite Reise haben sie aber noch nie hinter sich gebracht. Insgesamt 27 Türen gibt es. Sie werden nach und nach vom Berufschullehrer Frank Hesping und von Schülern des Berufsvorbereitungsjahres der GBS in vielen Arbeitsschritten aufgearbeitet. Die jungen Männer – unter anderem aus Syrien und dem Sudan – tragen Farbschicht um Farbschicht ab, beseitigen Schäden, erhalten aber die Schnitzereien und tragen schließlich zum Schutz Öl auf.

Im Sommer 2018 die ersten Gäste?

Das Team und auch Schulleiter Holger de Vries freuen sich, dass sie an einem derart besonderen Projekt arbeiten dürfen. Irgendwann in diesem Jahr werden sie nach Fürstenau fahren und sagen können: „Diese Türen haben wir gemacht.“ Das wird spätestens geschehen, wenn das altehrwürdige Gefängnis aus dem Jahr 1720 als Erlebnishotel für Touristen in Betrieb genommen wird. Wie Werner Pries sagt, könnten vielleicht schon im Sommer 2018 die ersten Gruppen dort Quartier beziehen – wenn alles klappt. Interesse bekundet hat nach einem Artikel im Bersenbrücker Kreisblatt beispielsweise eine neunköpfige Gruppe aus dem Emsland. Wie berichtet, ist die Sanierung des Gefängnisses bereits seit 2006 ein Thema in Fürstenau. Damals machte sich der Handwerkerring Gedanken, wie das Gebäude gerettet werden könnte. Um an die nötigen Gelder zu gelangen, reaktivierten Mitglieder des Handwerkerringes den Verein „Archäologie und Stadtgeschichte Fürstenau“, der das Projekt nun unter der Regie des Vorsitzenden Werner Pries vorantreibt.

Erlebnishotel will viel Authentisches bieten

Im Oktober haben die Verantwortlichen bereits Richtfest gefeiert. Das Erlebnishotel wird auf der einen Seite viel Authentisches bieten – angefangen bei den Türen über den sichtbaren Bruchstein bis hin zu alten Balken. Es wird aber in Absprache mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde auch ein Anbau realisiert. Dort wird es neben Bädern auch eine Küche geben. Überdies ist eine Terrasse für die Gäste geplant, die – im Gegensatz zu den früheren Insassen – Ausgang bekommen. Werner Pries geht davon aus, dass insgesamt nicht mehr als maximal 130.000 Euro an Kosten anfallen. Hinzu kommen die Eigenleistungen sowie der Verzicht auf Lohn in beträchtlicher Höhe. Auch Frank Hesping und sein Schülerteam arbeiten lediglich gegen Materialkosten. Pro Tür fallen hier lediglich 150 Euro an. Würden die Arbeiten regulär in einer Fachfirma ausgeführt, kämen angesichts von vielen Hundert Arbeitsstunden ganz andere Summen zusammen. Aber Frank Hesping und sein Schülerteam helfen gerne. Der Berufsschullehrer auch deshalb, weil er – wie seine Frau Susanna Marquez Augusto – ein Faible für Geschichte hat. Sie besuchen deshalb regelmäßig historische Gebäude in der Region – eben auch das Schloss in Fürstenau. Bei einem neugierigen Blick in das Gefängnis dort traf Frank Hesping, der in Neuenkirchen bei Rheine wohnt, auf Werner Pries. Ein Wort ergab das andere mit dem Ergebnis, dass am Ende eine Zusammenarbeit stand, über die sich beide freuen.

Für die nötige Bettlektüre ist gesorgt...

Auch sonst ist Werner Pries mit der Resonanz auf das Tourismus-Projekt zufrieden. Zahlreiche Firmen würden ohne große Worte helfen, auf Lohn verzichten und Zeit investieren sowie sogar noch Geld spenden. Zudem baue die Jugendwerkstatt der Deula gerade die „Gefängnisbetten“ für das Erlebnishotel. Und so werden die Touristen vielleicht schon im Sommer die teilweise kunstvollen Inschriften studieren können. Unter anderem werden sie feststellen, dass ein gewisser Heinrich Witte offenbar ein Wiederholungstäter war. Sowohl 1824 als auch 1827 hat er eingesessen, wie er selbst mittels Schnitzerei an den Türen dokumentiert hat.


Weitere Informationen bei Werner Pries, Telefon 0171/7745688.

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