E-Mail aus Argentien (Teil 6) Hollenstederin zieht mit Gauchos durch die Pampa

Von Nicole Klostermann

Wann ist ein Mann ein Mann? Eine solide Antwort bietet zweifellos dieser Anblick. Foto: Nicole KlostermannWann ist ein Mann ein Mann? Eine solide Antwort bietet zweifellos dieser Anblick. Foto: Nicole Klostermann

niklo Hollenstede/Buenos Aires. Die gebürtige Hollenstederin Nicole Klostermann lebt mit ihrer Familie in Argentinien. Regelmäßig berichtet sie für uns über ihren Alltag in Südamerika. Hier ihre sechste „E-Mail aus Argentinien“.

„Sie kennen vielleicht noch diese Werbung: Sitzen zwei Bauern in einer Kneipe, kommt ein Amerikaner rein und erzählt von seiner Farm, die so riesig sei, dass er für deren Umrundung geschlagene zwei Tage brauche. Die zwei Bauern schauen sich an und der eine murmelt bedächtig „So ein Auto hatte ich auch mal...“ Wenn ich hier durch die Pampa fahre (so heißt die Gegend um Buenos Aires wirklich), denke ich, dass der Witz auch super mit einem Argentinier funktionieren würde. Also habe ich mich gefragt, wie es eigentlich mit der argentinischen Landwirtschaft aussieht. Und damit ich Ihnen keinen Blödsinn erzähle, habe ich mir so eine Farm, eine Estanzia, mal aus der Nähe angeschaut. Dass diese Farm auch gleichzeitig ein Weingut ist und ich mich für eine Nacht neben dem Weinkeller einquartiert habe, diente selbstverständlich nur der Recherche.

Zwischen jeder Menge Höfen aufgewachsen

Als Hollenstederin bin ich nicht auf, aber natürlich zwischen jeder Menge Höfen aufgewachsen. Nicht, dass ich deswegen besonders viel Ahnung hätte, aber ich weiß, wo bei einer Sau hinten und vorne ist. Auf der Estanzia treffe ich Señor Paz, und er sieht aus, als wäre er einem Werbekatalog für Gauchos entsprungen. Ich sage Ihnen, als der liebe Gott die argentinischen Männer erschaffen hat, hat er es besonders gut gemeint. Die haben zum Beispiel einen Wahnsinns Haarwuchs auf dem Kopf, die kommen mit alle vier Wochen Nachschneiden nicht hin. Dazu sind sie meistens noch gut gebräunt, und der Gaucho hat noch ein Pferd unterm Hintern. Ein tolles Land! Aber ich lasse mich immer so schnell ablenken. Wovon wollte ich Ihnen noch erzählen? Ach ja...!

Das beste Fleisch der Welt?

Argentinien ist flächenmäßig das achtgrößte Land der Welt. Deutschland würde knapp achtmal in Argentinien reinpassen, aber dabei hat Argentinien nur etwa halb so viele Einwohner. Und bei all dem Platz gibt es diese beeindruckenden Estanzias schier unglaublicher Größe. Mehrere tausend Hektar mit mehreren tausend Kühen findet hier niemand besonders spannend. Natürlich ist auch hier nicht alles romantisch, aber die argentinischen Wiesen sind nun mal weit, das Gras ist durch das Klima saftig, und die Tiere haben reichlich Platz, um sich auszutoben. Die Argentinier sind natürlich davon überzeugt, dass sie das beste Fleisch der Welt haben und können es kaum erwarten, es auf ihre enormen Grills zu werfen.

Sensationelle Aussichten...!

Während wir Deutschen rund neun Kilo Rindfleisch pro Kopf im Jahr verzehren, sind es in Argentinien fast unglaubliche 60 Kilo. Und wenn Sie jemals die glänzenden Augen eines Argentiniers vor einer riesigen Rindsrippe gesehen haben, wundern Sie sich, dass es nicht noch mehr sind. Nach einem Tag auf den Feldern beobachte ich den glutroten Sonnenuntergang und blicke in die argentinischen Weite. Es ist heiß, und der Boden ist staubig. Ich sehe die Kühe in der Pampa grasen, neben mir steht ein Glas Rotwein und vor mir Señor Paz mit seinen Gauchos. Eine sensationelle Aussicht...“