Vortrag von Udo Hafferkamp Zeitreise zu Tante Bertha ins alte Berge

Von Jürgen Schwietert


Berge. Auf eine Zeitreise nahm der Berger Heimatforscher Udo Hafferkamp die Gäste seines Vortrags im Meyer-Haus mit. Anhand von Lebensbildern skizzierte er die Dorfentwicklung rund um den Marktplatz ebenso wie das Leben einfacher Frauen.

Zum Vortragsabend hieß die Museumsbeauftragte Renate Simper die Gäste willkommen. Das Museum war prall gefüllt. Sogar die Treppe diente als Sitzplatz. Udo Hafferkamp ging auf die Reihe der Gespräche mit Berger Bürgern ein, die weit über hundert Tonbänder füllen und zum größten Teil noch ausgewertet werden müssen. Sie seien jedoch bereits digitalisiert und blieben der Nachwelt erhalten. Auf den Bändern haben seinerzeit schon alte Berger Bürger, darunter Fritz Elting und Schmiedemeister Harbecke, ihr Wissen aus längst vergangenen Zeiten hinterlassen. Weiterhin schöpfte Hafferkamp sein Wissen aus eigenen Veröffentlichungen, Dokumenten über Berge und weiteren Publikationen.

Marktplatz um 1789 viel dichter bebaut

Zunächst stellte er die Entwicklung Berges rund um den jetzt nicht mehr als solchen zu erkennenden Marktplatz zwischen dem Haus Seemann und dem Kirchengebäude mit der Bücherei vor. Die Bebauung war um 1789 viel dichter. Von Quakenbrück kommend gelangte man auf den einladenden Platz. Ihn in Richtung Ohrte zu verlassen war nicht so einfach, denn der Weg zwischen den flankierenden Gebäuden war recht schmal. Dort vernichtete 1752 ein größerer Brand acht Gebäude. Drei von ihnen waren im historischen Stil bereits ein Jahr später wieder aufgebaut. Der Brand sei ausgebrochen, als einer der damaligen Bewohner mit einer offenen Flamme auf den Boden gegangen sei, auf dem sich die Erntevorräte befanden. Er stolperte – das Heu geriet in Brand.

Erste Brandschutzversicherung entsteht

Nach diesem Vorfall entstand die erst Berger Brandschutzversicherung, ausgerichtet auf Gegenseitigkeit. Sie war offen für jedermann. Der Marktplatz war durch reges Leben gekennzeichnet. Der Weg zur durch den Grafen Simon von Tecklenburg 1150 erbauten Kirche, die Wehrhaftigkeit ausstrahlte, begann hier. Aus dem erhalten gebliebenen Burrichterbuch geht hervor, dass das „Wällen wieder angesagt“ war. Dieses dokumentiert die Wehrhaftigkeit der Kirche, denn unter diesem Ausdruck verbarg sich die Aufforderung, die die Kirche komplett umgebenden Wälle wieder instand zu setzen. Auch sei der Kirchturm immer mit einem Ausguck besetzt gewesen. Und so brachten sich die Berger bei Annäherung eines Feindes im Inneren der Kirchenanlage in Sicherheit.

Besonderheiten bei der Viehhaltung

Gaststätten lagen auch am Platz. Aber es gab eine Besonderheit im Gegensatz zu zahlreichen anderen Orten. Zwar wurde auch hier Viehhaltung betrieben. Aber das Vieh war nicht im Wohngebäude, sondern in daneben liegenden Ställen untergebracht. Und die Misthaufen lagen hinter und nicht vor den Gebäuden. Dadurch kennzeichnete sich Berge als ein besonderes Dorf. Sodann rief der Referent die schwere Lebensgeschichte von „Tante Bertha“ in Erinnerung. Ein Jahr nach ihrer Konfirmation ging sie in Stellung, musste schwere körperliche Arbeit leisten, hatte nur jeden zweiten Sonntag frei, erkrankte schwer und kam ins Krankenhaus. Zum Glück brauchte sie nicht wieder auf den Hof zurück, denn ihre Eltern lösten den Vertrag auf. Sie starb, nicht von Schicksalsschlägen verschont, als angesehene Berger Bürgerin. Weiterhin ging Udo Hafferkamp in einem dritten Lebensbild auf die sehr spannende Reformationsgeschichte in Berge und ihre Auswirkungen ein.