„Endlich wieder Alkohol“ Grafelder Karnevalisten wissen, wie man feiert

Von Siegfried Wistuba


Grafeld. Nach der inzwischen 43. Session haben sich die beiden Galasitzungen der Grafelder Karnevalisten zu einer nicht mehr wegzudenkenden Institution entwickelt.

Schon beim Einzug des Elferrates mit Jürgen Berndsen als Sitzungspräsident an der Spitze war die Stimmung im Grafelder Saal Holtkamp locker und erwartungsfroh. Deshalb wäre eigentlich ein „Eisbrecher“ als erster Programmpunkt nicht notwendig gewesen. Aber Susanne Behner verstand es, mit ihrem mitreißenden Song „Heut ist wieder Karneval in Grafeld “, die traditionelle Galasitzung nicht nur zu eröffnen, sondern auch gleich auf einen ersten Stimmungshöhepunkt zu bringen. Kein Wunder, denn sie erfüllte spontan die geforderte Zugabe. Wie flexibel Grafelder Karnevalisten sein können, bewies anschließend Guido Holtheide, der kurzfristig für einen erkrankten Kollegen in die Bütt stieg und als Kellner von Freude, Leiden und Erfahrungen in diesem ihm eigentlich neuen Berufszweig berichtete. Erläuterungen zum System des Trinkens an der Theke oder zur Grafelder Gemütlichkeit gehörten ebenso zu seinen Weisheiten wie die Grafelder Toleranz gegenüber Gästen im Saal, die nach Grafeld kommen. Ein Muss im Grafelder Karneval sind die Büttenredner Helmut Grotjohann und Christian Timpe, die als „Twei Klanten“ über ihre Erfahrungen auf einem Bauernhof mit neuer Melkanlage, Urlaub an der Nordsee, bei der Musterung zur Bundeswehr oder bei Polizeikontrollen in Grafeld berichteten und damit die Lacher auf ihrer Seite hatten.

Wasserballett zu Schwanenseeklängen

Vor der ersten Schunkelrunde sorgte Sitzungspräsident Jürgen Berndsen noch für eine für ihn typische Klarstellung: „Wir haben in Grafeld keinen Karnevalsprinzen“, erklärte er, „dafür können wir in diesem Jahr einen echten König im Elferrat präsentieren: Er sitzt gleich neben mir und ist der Schützenkönig Wilfried Schröer.“ Danach begeisterte die Frauentanzgruppe mit ihrem Wasserballett zu Schwanenseeklängen. Anschließend heizten die Grafelder Jungs mit ihren bekannten Hits „Wir sind die Sänger aus Grafeld“ und „Endlich wieder Alkohol“ sowie ihren Zugaben die Stimmung weiter an. Mit ihrem „Waka-Waka“-Tanz bot die Männertanzgruppe einen weiteren Höhepunkt. „So sehen gestandene Grafelder Männer aus“, kommentierte der Sitzungspräsident das Geschehen auf der Bühne. Als Debütant in der Bütt zog Oliver Lübben als rasender Reporter natürlich auch Bilanz zum Geschehen in Grafeld und Berge. Als Urgesteine des Grafelder Karnevals sind „Hackenschniepels Töchter“, Elisabeth Brudniok und Christine Braun, mit ihren lustigen und deftigen Beobachtungen zwischenmenschlicher Ereignisse bei Omas, Männern und Kindern eine feste Größe im Programm. In einer weiteren Schunkeleinlage steigerte sich die Stimmung erheblich, denn die spontan inszenierte Polonaise führte sogar über die Bühne.

„Mein Körper ganz, ganz billig“

Als weitere Debütanten sorgten als „Rensloeger Wiewer“ Jutta Oing-Ellerlage und Anke Morhaus auf der Bühne mit ihrem wasserfallartigen Zwiegespräch im reinsten Platt für Frontalangriffe auf die Lachmuskeln der Gäste. Ihr Motto: „Wir lassen die Gala in Grafeld, denn dort gehört sie hin“, kam hervorragend an. Nach der unvermeidlichen Zugabe die Reaktion des Sitzungspräsidenten: „Ihr gehört zur Gala, nicht nur heute, sondern auch in den nächsten Jahren.“ Mit Wanderschuhen und Rucksack betrat Florian Ramler die Bühne und schilderte seine Erlebnisse von „Non-Budget-Reisen“ auf dem Pilgerweg nach Santiago. Das Finale des Programms kündigte zunächst noch einmal die Frauentanzgruppe an, die mit ihrem Tanz- und Gesangsbeitrag „Cellulite“ weitere Stimmungswellen schlug. Ihr Problem: „Alles schlägt Wellen, man sieht nur noch Dellen, Schwangerschaftsstreifen, Hosen die kneifen, kein Bikini, kein Tanga ein Leben lang. Warum ist Gott so gemein, er schuf uns mit Dellen an Popo und Bein“. Unter dem Motto: „Mein Körper ganz, ganz billig“ tröstete anschließend die Männertanzgruppe nicht nur ihre Tanzkolleginnen, sondern demonstrierte noch einmal wie eindrucksvoll gestandene Männer in Garfeld aussehen können. Mit ihren altbekannten Gassenhauern sorgten die Grafelder Jungs zum Finale noch einmal für ausgelassene Stimmung im Saal, in dem niemand mehr auf den Stühlen saß und sich alle Mitwirkenden auf der Bühne versammelten und sich von einem begeisterten Publikum feiern ließen. Mitternacht war vorbei, als das 21 Punkte umfassende Programm zu Ende ging. Bei Musik und Tanz wurde der zweite gesellige Teil der Veranstaltung fortgesetzt.