Dendrochronologen vor Ort Genaues Alter des Hohen Tores in Fürstenau wird bestimmt

Von Jürgen Schwietert


Fürstenau. Das Hohe Tor in Fürstenau gehört zweifellos zu den markanten Bauwerken in Fürstenau. Nun waren Fachleute vor Ort, um das genaue Alter des Bauwerks zu bestimmen. Mit dabei waren von der unteren Denkmalschutzbehörde Elisabeth Sieve sowie Heimatforscher Karl-Heinz Dirkmann.

Nachdem der steile Zugang über die eiserne Leiter zum Hohen Tor bewältigt war, ging es über normale Leitern in die dritte obere Etage, um dort die notwendigen Bohrungen vorzunehmen. Die nahmen Vater Erhard und Sohn Dino Pressler von der gleichnamigen Firma für Bauforschung aus Gersten im Emsland vor. Sie suchten gemeinsam mit Elisabeth Sieve zunächst geeignete Stellen und zogen dann mehrere Kerne, um mithilfe der Dendrochronologie das Alter der Balken, Pfetten – waagerecht eingebauter Balken – und Sparren bestimmen zu können.

Ursprünglich Teil einer Festungsanlage

Das Hohe Tor war ursprünglich mit dem Vortor Buten Porten eine Festungsanlage, um die Stadt gegen Angriffe aus dem Osten zu verteidigen, so Karl-Heinz Dirkmann. Ein sechs Meter breit ausgehobener Graben und seitwärts gelegene Stadtmauern schützen so den Ort. Beide Bauwerke sind nicht mehr vorhanden. Bereits 1683 wurde der Graben zurückgebaut und ein Damm angelegt.

Interessant ist für Karl-Heinz Dirkmann in diesem Zusammenhang die Nutzung der Räume in den oberen Etagen. „Bürger, die von der Bürgerschaft zu richtende Vergehen begangen hatten, fanden hier eine kurzweilige Aufnahme“, so Karl-Heinz Dirkmann. Ein Ausguck aus diesem Gefängnis ermöglichte einen Blick auf das Treiben auf der Großen Straße.

Lange Debatte über die Zukunft des Hohen Tores

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es dann Bestrebungen, das Hohe Tor abzureißen. Es war für den Warenverkehr stark beladener Frachtwagen zu klein. Die Fracht musste umgeladen werden. Nach erheblichen kontrovers geführten Gesprächen setzten sich aber die traditionsbewussten Bürger durch, die einen Erhalt des Tores befürworteten. Das Tor blieb erhalten. Die Durchfahrthöhe und -breite aber sollte vergrößert werden, so ein einstimmiger Beschluss von 1829. Der Steinhauermeister Niermann bekam den Auftrag, einen Riss (Zeichnung) und einen Kostenvoranschlag zu erstellen. Die bauausführenden Arbeiten übernahmen der Zimmermann Wellinghoff aus Hollenstede und der Maurermeister Witte aus Ankum. Ein Teil der Mauern an der Innenseite wurde zurückgenommen, ein neuer Rundbogen eingebaut.

Für Touristen zugänglich machen?

Im Rahmen der dendrochronologischen Untersuchung fanden auch Gespräche bezüglich einer touristischen Nutzung statt. Die Denkmalstiftung könne sich grundsätzlich durchaus einen Zugang mithilfe eines Anbaues oder einer Brücke in Stahlkonstruktion vorstellen, hieß es. Weiterhin seien Arbeiten in den inneren drei Etagen erforderlich, auch um das interessante Uhrwerk sichtbar zu machen. Es gebe aber noch erheblichen Gesprächsbedarf, hieß es.