Vollenden statt neu bauen Wie der Bippener Ortskern gestärkt werden könnte



Bippen. Wenn Auswärtige einen Blick auf eine kleine Gemeinde werfen, kann das interessant sein. So haben Studenten der Hochschule Osnabrück in Bippen den „Ziegelkern“, den „Eichengrund“ und die „Sternform“ entdeckt. „Bippen – Formvollendung“ nennen sie ihre Studie.

Vera Pham und Stefanie Esser sind Studierende des Masterstudienganges Landschaftsarchitektur und Regionalentwicklung. Ihre wissenschaftliche Arbeit über die Gemeinde Bippen nimmt zunächst einmal Bezug auf das integrierte ländliche Entwicklungskonzept (Ilek), an dem sich die vier Samtgemeinden im Nordkreis beteiligen. In diesem Rahmen hatten sich die Kommunen für 2017 das Thema „Lebendiger Ortskern – Rein in den Leerstand“ vorgenommen. Und genau da setzt die Studie an, für die Vera Pham und Stefanie Esser Ende November übrigens sogar einen Preis von der niedersächsischen Akademie für den ländlichen Raum erhalten haben – ein Zusammenschluss von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Planungspraxis. Ausgangspunkt der Arbeit ist die Frage, wie das reine Wachstumskonzept von Gemeinden – in diesem Falle Bippen – aufgebrochen werden kann. Warum müssten immer neue Baugebiete ausgewiesen werden? Gebe es nicht andere Möglichkeiten, eine Kommune anziehend zu machen? Sei es nicht besser, Bestehendes zu vollenden und zu entwickeln?

Repaircafé im Technikmuseum?

Ja, das sei besser, sind sich Vera Pham und Stefanie Esser einig. Dies gelte speziell auch für den Bippener Ortskern. Es sei lohnend, ihn nachhaltig weiterzuentwickeln und aufzuwerten, zumal er mit seiner alten Bausubstanz – den Ziegelbauten und Fachwerkhäusern – sowie den alten Hofeichen, dem offenen Dorfplatz und dem angrenzende Schützenwald viel Potenzial biete, das ortstypisch ergänzt und gepflegt werden könne. Wenig ortstypisch seien hingegen die Neubaugebiete, die dazu führten, dass der Ort optisch immer weiter auseinanderbreche. Das sei nicht gut. Der Argumentation, dass nur Neubaugebiete neue Bürger anlockten, können die Studentinnen nicht folgen. Auch ein alter, gediegen gestalteter und lebendiger Ortskern sei ein Zuzugsargument. Vor allem, wenn damit eine optische Aufwertung der sich sternförmig ausdehnenden Neubebauung einhergehe. In diesem Zusammenhang schlagen Vera Pham und Stefanie Esser in ihrer mehr als 80 Seiten umfassenden Studie unter anderem vor, das Technikmuseum des Heimatvereins künftig als „Repair-Café“ zu nutzen, um mehr soziales Leben in den Ortskern zu bringen. Dort könnten sich Jung und Alt treffen, um in einer Werkstatt Geräte zu reparieren oder um einfach bei einer Tasse Kaffee miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Ausstellung selbst solle erhalten bleiben. Überdies können sich die Studentinnen vorstellen, den Außenraum durch quer verlegtes Pflaster im Sinne eines Platzcharakters begegnungsfreundlich zu gestalten. Weiterhin könne die Verbindung zum Kirchplatz durch eine Pflanzung sowie Ziersträucher gerahmt werden, sodass sich der Raum bis zur Kirche langsam optisch öffnet und die Blickbeziehung zur Kirche verstärkt.

Sich drehendes Podium auf dem Kirchplatz?

Auf dem Kirchplatz selbst stellen sich die Studentinnen ein rundes, sich drehendes Podium vor, dass zugleich als Spielelement dient und das „Kirchspiel“ Bippen ins Bewusstsein ruft. Ergänzend seien jährliche „Kirchspiele“ als zusätzliches verbindendes Element unter den Ortsteilen denkbar, regen die angehenden Landschaftsarchitektinnen an. Eine weitere Idee von Vera Pham und Stefanie Esser: die „Lernschmiede“. Die ehemalige Schmiede an der Hauptstraße eigene sich aufgrund der zentralen Lage bestens für eine Erweiterung des Bildungszentrum Kuhlhoff. Hier könnten die Räume zu einer Werkstatt ausgebaut werden. Zudem sei eine Amphibienzuchtstation mit Blick auf den Ahler Bach denkbar. Dass würde Bippen als Bildungsstandort weiter stärken. Schließlich schlagen Vera Pham und Stefanie Esser vor, die Ortseingänge, die sternförmig auf den Ortskern ausgerichtet sind, durch Eichenpflanzungen optisch zu stärken. Und überhaupt: Die Eiche könne als Leitelement für die Gemeinde entwickelt werden. Auch haben die Studentinnen die Idee der Torbogeninstallation zur 900-Jahr-Feier Bippens aufgegriffen. Solche Bögen könnten dauerhaft installiert werden. Schließlich führen die Planerinnen die „einzigartige Waldlandschaft“ ins Feld – ein weiteres Pfund, mit dem die Kommune weise wuchern könne. Auch hier sei es möglich, weitere Akzente zu setzen und sie zu bewerben.

Für Vera Pham und Stefanie Esser war Bippen übrigens Neuland – die eine kommt aus Paderborn, die andere aus Köln. Auf Wunsch würden sie ihre Studie auch in der Gemeinde vorstellen.


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