Essenreichen an Sterbende Ankumer Pflegeexperte hat Standardwerk verfasst

Von Dirk Meyer

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Einmal wöchentlich schleust sich Dr. Siegfried Borker in den OP ein, um direkt mit den Mitarbeitern vor Ort die Optimierungen von Abläufen und die Reduzierung von Risiken zu besprechen. Foto: Niels-Stensen-KlinikenEinmal wöchentlich schleust sich Dr. Siegfried Borker in den OP ein, um direkt mit den Mitarbeitern vor Ort die Optimierungen von Abläufen und die Reduzierung von Risiken zu besprechen. Foto: Niels-Stensen-Kliniken

Ankum. Sie gelten als Standardwerke und sind bei Amazon gelistet: die beiden Bücher von Dr. Siegfried Borker, Mitarbeiter im Verbund der Niels-Stensen-Kliniken, über Essenreichen und Nahrungsverweigerung in der Pflege.

Zu seinen beiden Büchern erhalte dazu immer noch Anfragen, sagt der Qualitätsmanagement-Koordinator in den Niels-Stensen-Kliniken Marienhospital Ankum-Bersenbrück und den Niels-Stensen-Kliniken Bramsche. Auf das nach wie vor aktuelle Thema war er im Rahmen seines achtsemestrigen Studiums zum Diplom-Kaufmann Wirtschaft gekommen. „Ich habe Interviews mit Patienten, Pflegenden, Angehörigen und Ärzten geführt, in denen es um das Essenreichen am Krankenbett ging“, so Siegfried Borker. Die Arbeit wurde 1996 als Buch veröffentlicht und schlug in Fachkreisen hohe Wellen, da noch niemand zuvor sich so umfassend damit beschäftigt hatte und die Ergebnisse hellhörig machten.

Vorträge in ganz Deutschland gehalten

„Das Buch hat zu einem Umdenken beigetragen“, berichtet der Autor: „Ich bin durch ganz Deutschland gereist, um Vorträge über das Thema Essenreichen bei Sterbenden zu halten.“ Es ging um den gesamten ethisch-moralischen Bereich. Auch das Kuratorium Deutsche Altershilfe interessierte sich und engagierte ihn für eine umfassende Forschungsarbeit. Siegfried Borker wurde dann an der Universität Witten-Herdecke als Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt. Das Ernährungsmanagement stand hier im Zentrum seiner mehrjährigen Dozententätigkeit. In seinem zweiten Buch, das er im Rahmen seiner Promotion 2002 verfasste, griff er das Thema Nahrungsverweigerung auf, da Pflegende damals in größter Not gewesen seien: Sie wussten nicht, wie zu reagieren sei, „wenn Patienten nicht mehr essen, aber der gesellschaftliche Zwang so hoch ist, sie dennoch irgendwie ernähren zu müssen“.

Seit 2002 im Qualitätsmanagement tätig

Es gab bisher keine Forschungen im Bereich Pflege zum Thema „Nahrungsverweigerung – was ist zu tun?“. Sollen Patienten mit „fürsorglichem Zwang“ ernährt werden? Mit dem Wissen, dass der Patient verstirbt, wenn man ihn nicht ernährt. Der Ansatz war damals, eine künstliche Sondenernährung soweit wie möglich hinauszuzögern. Ambitionen auf weitere Dozententätigkeiten oder eine Professur ließ Borker aber dann fallen und kam 2002 zum Verbund der Niels-Stensen-Kliniken, wo er sich seitdem um das Qualitätsmanagement kümmert. Das Managen lag ihm immer schon im Blut, und er ist froh darüber, diesen Schritt gegangen zu sein. Seine Aufgaben umfassen beispielsweise die Organisation von Befragungen, die Bearbeitung von Beschwerden, die Überprüfung der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und das Risikomanagement. Einmal wöchentlich schleust er sich in den OP ein, um direkt mit den Mitarbeitern vor Ort Optimierungen von Abläufen und die Reduzierung von Risiken zu besprechen.

Im Zivildienst die entscheidenden Erfahrungen gesammelt

Seine Weichen für eine Krankenhaustätigkeit waren schon im Rahmen seines Zivildienstes gestellt worden. Auf der Intensivstation im Meppener Ludmillenstift hatte er mit Schwerstkranken zu tun. „Ich war immer sehr beeindruckt vom pflegerischen Können, mit wie viel Geduld und Professionalität die Pflegenden die Patienten begleiteten.“ Sein Entschluss stand schnell fest: „Ich wollte auf jeden Fall eine Ausbildung zum Krankenpfleger machen.“ Sein Wunsch blieb aber immer, Wissen weiterzugeben. Da es damals keine geeignete Ausbildung zum Pflegepädagogen gab, „fing ich das erste Vollzeit-Studium BWL im Gesundheitswesen an. Das war 1991 erstmals für Pflegekräfte möglich“.

Die Arbeit im Verbund macht ihm viel Spaß. Er ist für zwei Häuser tätig und in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv. Außerdem ist er im Verbund Koordinator für die Erstellung von Energie-Audit-Berichten. Da gehe es um Energieeinsparung. „Ein sehr spannendes Thema“, findet Siegfried Borker. Und hier schließt sich auch ein Kreis für ihn. Denn schließlich stand ganz am Beginn seiner beruflichen Laufbahn eine Ausbildung zum Elektroinstallateur.


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