Spirale der Aufregung Landwirtschaftsforum der Kreissparkasse Bersenbrück

Von Sigrid Schüler

Gutes Image, schlechter Ruf: Über kommunikationsprobleme diskutierten Landwirtschaftsforum der Kreissparkasse Bersenbrück Lars Pfeilsticker, Torsten Schneider-Haase, Jörn Ehlers, Ludger Schulze Pals, Johannes Schürbrock, Prof. Dr. Matthias Kussin, Jan Grossarth und Heinemann (von links). Foto: Sigrid SchülerGutes Image, schlechter Ruf: Über kommunikationsprobleme diskutierten Landwirtschaftsforum der Kreissparkasse Bersenbrück Lars Pfeilsticker, Torsten Schneider-Haase, Jörn Ehlers, Ludger Schulze Pals, Johannes Schürbrock, Prof. Dr. Matthias Kussin, Jan Grossarth und Heinemann (von links). Foto: Sigrid Schüler

Bersenbrück. Einer Umfrage des Instituts Kantar Emnid zufolge ist das Image der Landwirtschaft gut. Dennoch sehen sich Landwirte oft massiver Kritik ausgesetzt. Im Landwirtschaftsforum der Kreissparkasse Bersenbrück gingen es um die Frage, wie sich dieser Widerspruch erklären lässt.

Mit Prof. Dr. Matthias Kussin von der Agrarfakultät der Hochschule Osnabrück, dem Vizepräsidenten des niedersächsischen Landvolkverbandes Jörn Ehlers, dem Wirtschaftsredakteur Jan Grossarth von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Torsten Schneider-Haase vom Institut Kantar Emnid diskutierte Ludger Schulze Pals von der Zeitschrift Top Agrar als Moderator.

Zu Beginn stellte Schneider-Haase Ergebnisse der Studie vor. Er erklärte, dass in Fragen, die in der Gesellschaft immer wichtiger wurden, zum Beispiel der Umgang mit Tieren, die Erwartung der Menschen und das Image der Landwirtschaft weit auseinandergehen.

So wünschen sich 88 Prozent der Befragten, dass Landwirte sich um das Tierwohl kümmern, aber nur 30 Prozent der Befragten meinen, dass dies auch geschehe. Die Person des Landwirts werde in der Öffentlichkeit durchaus positiv gesehen, und Probleme, mit der sich Landwirte auseinandersetzen müssten, seien bekannt. Schneider-Haase räumte ein, dass die Zusammenhänge in der landwirtschaftlichen Praxis komplex und nicht immer leicht zu verstehen seien. „Das braucht Zeit von beiden Seiten, und diese Zeit müssen wir uns nehmen.“

Die Meinung der anderen

Jan Grossarth von der FAZ, der selbst viel über Landwirtschaft schreibt, bemängelte, dass landwirtschaftliche Verbänden auf Kritik nicht immer sachlich reagierten, im Gegenteil: Manches sei unverhältnismäßig und in seinen Augen nicht nachvollziehbar. Selbstreflexion der Landwirte sei aber durchaus wahrnehmbar. Für eine gute Kommunikation sei es wichtig, sachlich zu bleiben und nicht in eine „Spirale der Aufregung“ zu geraten, in der kein Meinungsaustausch mehr stattfinden könne. Grossarth wünschte sich, dass über Probleme, die offensichtlich bestehen, gesprochen werden kann und die Meinung Andersdenkender akzeptiert wird.

Eine pauschale Antwort auf die Frage, wie die Kommunikation verbessert werden kann, gebe es allerdings nicht, erklärte Kussin. Sowohl Landwirte als auch städtische Bevölkerung müssten aufeinander zugehen. Die Forderung der Landwirte an die Städter, aufs Land zu kommen und sich zu informieren, sei berechtigt. Umgekehrt seien aber auch die Landwirte gut beraten, in die Städte zu gehen, oder mit anderen Worten: Nicht unter sich zu bleiben, sondern sich mit der Lebenswirklichkeit anderer auseinanderzusetzen.

„Themen aktiv treiben“

Ein weiterer wichtiger Punkt ist nach Kussin die Art, wie auf Kritik reagiert wird. Er zog einen Vergleich zur Automobilindustrie. Die gehe auch in der Dieselaffäre nicht auf Verteidigung und Rechtfertigung, sondern richte den Blick nach vorne.

Sein Wunsch an die Landwirtschaft: Themen aktiv zu treiben. Es spräche nichts dagegen, die Diskussion um das Insektensterben aufzugreifen und zu versuchen, weitere Akteure mit ins Boot zu holen mit dem Ziel, die Situation zu verbessern.

Jörn Ehlers, selbst aktiver Landwirt, würdigte das Engagement vieler Landwirte in der Öffentlichkeitsarbeit. Seine Berufskollegen hätten verstanden, dass dies eine Aufgabe sei. Ehlers stört sich aber an Verallgemeinerungen. Landwirtschaft sei in verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich. Ein Gülleproblem gebe es nicht überall. Von den Medien wünscht er sich eine korrekte und sachliche Berichterstattung. Die Landwirte selbst sollten offen und mit ehrlichen Bildern in die Öffentlichkeit gehen. So könne Vertrauen wachsen.

Johannes Schürbrock vom Hauptverband des Osnabrücker Landvolkes hatte ein Grußwort gesprochen. Bernd Heinemann von der Kreissparkasse hatte als Gastgeber die Veranstaltung eröffnet.