Blick in den Seelenspiegel Bersenbrücker Berufsschüler bereiten Gothic-Gottesdienst in Nortrup vor

Von Katharina Lohmeyer


Bersenbrück/Nortrup . „Seelenspiegel“ lautet das Thema des Gothic-Gottesdienstes, den Schüler der Berufsbildenden Schulen Bersenbrück und ihr Religionslehrer Pastor Uwe Brand am 18. November in der evangelischen Kirche in Nortrup gestalten werden.

Cecilie ist 15 Jahre alt, als sie schwer krank wird und das Bett nicht mehr verlassen kann. Zu Beginn der Weihnachtszeit erscheint ihr der Engel Ariel. Die beiden gehen einen Pakt ein: Er enthüllt ihr die Geheimnisse des Kosmos; sie erklärt ihm das menschliche Leben und Fühlen. Am Ende nimmt Ariel das schwer kranke Mädchen mit auf seine letzte Reise. Das ist die Geschichte von Jostein Gaarders Bestseller „Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort“. Es ist die Grundlage für einen ganz besonderen Gottesdienst, den die Klasse F2Q2 der Berufsbildenden Schulen Bersenbrück derzeit vorbereitet.

Der Stoff, mit dem sich die angehenden Erzieher beschäftigen, ist nicht leicht. Es geht um die Faszination für das Leben und den Tod sowie um den damit verbundenen Schmerz – das sind die Themen des Gothic-Gottesdienstes, den die Schüler unter der Leitung ihres Lehrers, Pastor Uwe Brand, zum zweiten Mal gestalten werden – nach ihrer Premiere im November 2016.

Schon seit Jahrzehnten gibt es auch in der Region Anhänger der Gothic-Szene, die Außenstehenden vor allem durch ihr markantes Äußeres auffallen: Sie sind oft kreidebleich geschminkt, haben tiefschwarz gefärbte Haare und schwarze Kleider, die an das Viktorianische Zeitalter erinnern.

Bersenbrücker Berufsschüler bereiten Gothic-Gottesdienst vor

Nach der Präsentation des theoretischen Teils geht es in die praktischen Kleingruppen: Jana, Karoline und Dariana haben aus Pappmaschee mehrere Hände und zwei Köpfe gebastelt. Damit werden im Gottesdienst die Besucher berührt – von Cecilie und von Ariel. Jetzt werden die Gesichter bemalt. Maria, Sharon und Jan bereiten währenddessen die Textpassagen für den Gottesdienst vor. „Dass wir alle nur Besucher auf dieser Welt sind, das sollte auf jeden Fall auftauchen“, schlägt der 20-jährige Jan aus Kettenkamp vor, „dass es unsere Aufgabe ist, zu beobachten, zu lernen, zu lieben – und dann wieder nach Hause zurückzukehren.“

Tiefgründiges Thema

„Das Thema ist schon etwas schwerer als im letzten Jahr“, verrät die 20-jährige Sharon. 2016 ging es in dem Gottesdienst um Lazarus. Jetzt steht der 1. Korinther 13, 12 im Mittelpunkt: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“

„Manchmal stehe ich selbst vor dem Spiegel und frage mich: ‚Wer bin ich? Warum lebe ich überhaupt?‘ Das Thema ist tiefgründiger, aber es betrifft uns eben auch“, sagt Sharon. „Man kann sich gut hineinversetzen. Die Geschichte von Cecilie geht einem schon sehr nahe – gerade wenn man selbst schon jemanden verloren hat“, erzählt die 25-jährige Maria im Gespräch mit der Osnabrücker Regionalbischöfin Birgit Klostermeier, die sich in einer Doppelstunde über die Ergebnisse der Kleingruppenarbeit informiert.

Nebenan spricht die Videogruppe darüber, wie sie den Gottesdienst mitgestalten kann. Die Dortmunder Gothic-Band „The Dark Butterfly“ wird mehrere Stücke spielen, die sie eigens zu dem Thema „Seelenspiegel“ geschrieben hat. Isabelle, Mareen, Florian, Karolina und Patricia werden passend dazu selbst filmen, schneiden und komplette Videos produzieren. „Ich könnte meine Unterwasserkamera mitbringen“, schlägt die 20-jährige Mareen vor. „Super“, sagt Florian, „dann können wir von oben rote Farbe ins Waschbecken tropfen lassen und das von unten filmen. Das sieht dann aus wie das Blut, von dem im Lied die Rede ist.“ Hoffnungslosigkeit, eine gewisse Todessehnsucht und Trauer – auch für die Videogruppe sind das keine einfachen Themen. „Wir haben hier aber die Möglichkeit, unsere eigenen Ideen einzubringen. Jeder kann sich ja in das Thema hineinversetzen, und wie wir das dann umsetzen, das ist ja ganz allein unsere Sache – und das motiviert natürlich schon sehr“, sind sich die angehenden Erzieher einig.

Der Gothic-Gottesdienst in Nortrup ist bereits der fünfte besondere Gottesdienst, den der Religionslehrer Uwe Brand mit seinen Schülern in Bersenbrück auf die Beine stellt. Rund 400 Besucher kamen dazu im vergangenen Jahr in die evangelische Kirche in Nortrup. „Auf die Idee bin ich 2013 durch zwei Schüler gekommen. Sie haben damals ein Referat über das Thema Gothic gehalten. Darin ging es auch um die Faszination der Gothic-Anhänger am Thema Tod“, erzählt Uwe Brand, der inzwischen zum Fachmann für Gothic-Musik geworden ist. „Ich bin in die Szene eingetaucht, um zu gucken, welche Band für uns vielleicht infrage kommen könnte. 2014 und 2015 hat noch eine Metal-Band von Schülern im Gottesdienst gespielt; im vergangenen Jahr konnten wir dann schon ,The Dark Butterfly‘ gewinnen.“

„Das ,neue Herz‘ und der ,neue Geist‘, von dem in der Jahreslosung die Rede ist, das wird durch den Gothic-Gottesdienst beides deutlich. Einerseits wird natürlich an diesem Tag ein neuer Geist in die evangelische Kirche in Nortrup einziehen; andererseits hat Uwe Brand in seinen Schülern auch ein neues Herz geweckt. Das sieht man an dem großen Einsatz, den sie hier an den Tag legen, und von dem sie sicher eine Menge für ihr weiteres Leben mitnehmen werden. Dafür kann ich mich bei Pastor Brand nur bedanken“, sagt Birgit Klostermeier.

Der Gothic-Gottesdienst zum Thema „Seelenspiegel“ beginnt am Samstag, 18. November, um 19 Uhr in der evangelischen Kirche in Nortrup. Der Eintritt ist frei.


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