Ankumer-Bersenbrücker Eisenbahn Ankum hat den letzten Güterbahnhof weit und breit


Ankum. Die Gemeinde Ankum verfügt über den einzig verbliebenen Güterbahnhof zwischen Osnabrück und Oldenburg. Könnte eine neue Förderung für den Frachtverkehr per Bahn ihn wiederbeleben? Die Einführung des Bahntourismus läuft, braucht aber Zeit.

20 Jahre sei auf der fünf Kilometer langen Privatbahnstrecke zwischen Ankum und Bersenbrück kein Güterzug mehr unterwegs gewesen. „Aber jetzt investieren viele Leute Zeit, Geld, und Arbeit,“ berichtet Ewald Beelmann. Um den Frachtverkehr zu beleben, plane die Bundesregierung eine Halbierung der DB-Streckengebühren für Güterzüge, fährt der Geschäftsführer der Ankumer-Bersenbrücker Eisenbahn (ABE) GmbH fort. Örtliche Unternehmen zeigten Interesse, Beelmann rechnet mit einem jährlichen Transportaufkommen von 50000 Tonnen, vielleicht sogar 70000 Tonnen. Kürzlich fertigte die ABE zwei Güterzüge in Ankum ab, damit ist nun endgültig klar, dass sie dringend moderne Ladeeinrichtungen braucht. Im Auftrag der kommunalen Gesellschafter soll Beelmann dafür Fördergelder auftreiben.

Eigene Lok zum Rangieren

Über eine eigene Rangierlokomotive wird die ABE bald verfügen. Eisenbahnfreund Holger Paulsen wird ihr seine „Köf“ überschreiben. Die Diesellok ist bestens in Schuss, doch ihre Zulassung erweist sich als zeitraubender bürokratischer Hindernislauf, bestätigt neben Beelmann auch Paulsen: Kürzlich hatte sich zum Beispiel herausgestellt, dass Eisenbahnunternehmen, die eine Lokomotive einsetzen, sich in einem europäischen Zentralregister in Brüssel eintragen lassen müssen. Willkommen in der Welt der Bahn.

Als Busunternehmen ist die ABE gut im Geschäft, sie arbeitet mit am neuen Konzept für den öffentlichen Nahverkehr im Osnabrücker Land. Sämtliche Büros und Wohnungen im Ankumer Bahnhof sind vermietet.

Eisenbahnmuseum

Im Gegenzug für seine Lok soll Paulsen das Raiffeisengebäude auf der Rückseite des Bahnhofs zur Nutzung übertragen bekommen. Jahrzehntelang beherbergte es den sozialen Flohmarkt in der Regie eines Freiwilligenteams, das aus Altersgründen aufgab. Das Gebäude ist ausgeräumt, Architektin Heike Heilig arbeitet an einem Konzept für die Neugestaltung mit einem regionalen Eisenbahnmuseum und ABE-Büros.

Das Museum ist Teil eines touristischen Konzepts, für das Holger Paulsen sich starkmacht. Es soll einen stationären Restaurantwaggon in Ankum geben und einen historischen Zug, der auf der Strecke pendelt, unter Einbeziehung bahntechnischer Attraktionen wie dem Transrapid vor dem Unternehmen Kemper in Nortrup, mit dem die ABE bald Gespräche aufnehmen will. Es gebe derzeit viele neue Ideen für Bahnhof und Eisenbahn. Die müssten aber noch konkreter gefasst werden, betont Beelmann.

Im Bahnhof sind die Arbeiten angelaufen, am Raiffeisengebäude und den Waggons, die Paulsen bereits beschafft hat. Der Ankumer Kommunalpolitiker Günther Kosmann (CDU) fürchtet, dass das Abtragen der alten Farbe der Waggons giftige Schwermetalle freisetzt. Die ABE verzichte bewusst auf chemische Lösungsmittel, so Beelmann. Eine Spezialfirma löse den Lack mit Trockeneis. Die Arbeiten fänden auf befestigtem Boden statt, mit Ölabscheidern in den Abflüssen. Vereine wie die Osnabrücker Dampflokfreunde führten solche Arbeiten auf unbefestigtem Gelände aus, fügt Paulsen hinzu.


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