Italienische Oper auf Ska Reggae Jam: Duell in aller Freundschaft in Bersenbrück

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Bersenbrück. Die großen Alten, ein großartiger Newcomer, italienische Oper auf Ska und ein Duell in aller Freundschaft: Das war der Festivalsamstag der Reggae Jam in Bersenbrück.

Mit Müsliriegeln lockte Ganjaman aus Berlin die Reggae-Fans aus den Schlafsäcken und schickte sie in einen Tag, in dem es auf den Bühnen im Klosterpark Schlag auf Schlag ging. Nach vier weiteren Auftritten gibt es eine zweistündige Zeitreise durch die vielen Stilarten der Reggaemusik mit den mit den Silvertones und den Heptones, die schon in den Siebzigerjahren erfolgreich waren, mit Kushart, einem Ensemble um Joel „Kush“ Brown, der auch bei den Silvertones mitmacht und der jungen Truppe Six Nation. Der Auftritt hat einen Hintergrund: Er macht auf die jamaikanische Organisation JAVAA aufmerksam, die sich um Künstler in Not kümmert.

Die Band Big Mountain bringt kalifornischen Pep aus ihrer US-Heimat mit, bevor Veteran Max Romeo daran erinnert, dass es auch vor Bob Marley schon lange einen blühende Musikszenen auf Jamaika gab. Dann stolziert ein baumlanger Mexikaner wie ein Storch über die Bühne. Ach nein, unter Sombrero und Poncho steckt Eek a Mouse („Iih! Eine Maus!“), ein Mann mit schrägen Humor und einer eigenen Kunstsprache. Bambamdideli.

Reggae-affines Italien

2016 hatte Alborosi in Bersenbrück gezeigt, wie Reggae-affin Italien ist. Richard Stephens, Jamaikaner mit Timing, Energie und großer Experimentierlust, kreuzt jetzt mit zweifacher Verstärkung aus Salento auf, von der Südspitze des Landes. Ska Nation ist ein Orchester, das mit italienischen Chic in lässigen schwarzen Anzügen und mit schweißtreibendem Temperament zu Werke geht. Selbst italienische Opernarien werden tanzbar, wenn man sie mit einem Ska-Rhythmus unterlegt und reichlich Blechbläser in den eigen Reihen hat. Wie es sich auf italienisch rappt, zeigte zwischendurch das Trio Sud Soundsystem, das Stephens ebenfalls mitgebracht hatte.

Ein toller Aufwärmer für Christopher Martin, der als aufgehender Stern am jamaikanischen Künstlerhimmel angekündigt worden war. Und siehe da: Die Bühne betritt ein junger Mann, überhaupt nicht schüchtern, vielmehr selbstbewusst und routiniert und mit einer Portion Sex Appeal ausgestattet, die aus einem talentierten Sänger einen Star machen könnte. Das Publikum feiert ihn.

Dann holt Festivalchef Bernd Lagemann das Geschehen aus dem großen Soundsystem-Zelt vom Campingplatz auf die Hauptbühne. Und erklärt damit, warum es auf der Reggae Jam ein diskretes Tonstudio gibt. Produzenten und Künstler ziehen sich dorthin zurück, um neue Tonspuren (Dubs) aufzunehmen. In der Reggaemusik genießen Discjockeys hohes Ansehen, weil sie bekannte Melodien und Rhythmen immer wieder neu abmischen, mit eigenen Ideen bereichern, Künstler neue Texte dazu sprechen oder singen lassen.

David Rodigan vs. King Jamma

Jamaikaner lieben es, wenn Meister-DJs ihre Kunst im direkten Wettstreit messen, Clash oder Battle genannt. Auf der Bühne standen um ein Uhr nachts zwei Mischpulte bereit, für die königliche Schlacht zwischen King Jammy (70), legendärer Produzent aus Jamaika, und David Rodigan (66). Rodigan hat mit Sendungen auf BBC in Großbritannien die Reggaemusik populär gemacht.

Rodigan legt vor. Er hat einen 40 Jahre alten Geniestreich King Jammys, ausgegraben, ein Gute-Laune-Stück, das er mehrfach variiert hat. Jammy kontert, er hat noch viel mehr drauf. Rodingan blättert in seinen CD-Alben, holt später sogar ein echte Vinyl-Single heraus. Die „Schlacht“ geht munter weiter, bis alle irgendwann in der späten Nacht ins Soundsystem-Zelt wechseln.

Der Reggae Jam-Sonntag begann mit einem Puppenspiel um den Reggaehasen Booo. Ende soll er mit einem Auftrit Ky Mani Marleys.


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