Reise nach Nordserbien Jugendgruppe aus Bersenbrück zum zweiten Mal in Ruma

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Bersenbrück/Ruma. Ruma ist immer für Überraschungen gut: Zum zweiten Mal reiste eine Jugendgruppe aus der Samtgemeinde Bersenbrück nach Nordserbien, um den Ort in der Vojvodina kennenzulernen. Das bewegendste Erlebnis auf dieser Reise dürfte ein in Schweden lebender Rentner gehabt haben.

Georg Vorreiter hat eine Lebensgeschichte, die manchem Angehörigen seiner Altersstufe gleicht, der heute in der Samtgemeinde Bersenbrück oder rundum zu Hause ist. Als Deutschstämmiger wurde er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus seiner Heimat vertrieben und musste sich eine neue schaffen. 1942 in Ruma geboren, musste er 1945 den Ort verlassen und gelangte nach Schweden. Heute ist er in Göteborg zu Hause. Seine alte Heimat sah er nur flüchtig wieder, nachts, auf der Durchreise in den Kroatienurlaub. Da traute er sich nicht, an die Tür seines Elternhauses zu klopfen. Und dann, „genau zum richtigen Zeitpunkt“, stellt Torreiter fest, stieß er im Internet auf den Verein „Brücken bauen“ und sein Bemühen, einen Austausch zwischen der Stadt Ruma und der Samtgemeinde Bersenbrück anzuschieben. Von Schweden aus nahm er Kontakt mit dem Vereinsvorsitzenden Željko Dragic auf und schloss sich der Jugendreise nach Serbien an.

Geburtsburg wurde wieder ein Stück Heimat

Diesmal hat er sein Elternhaus besucht. Und er erlebte eine Gastfreundschaft, die ihm seinen Geburtsort wieder zu einem Stück Heimat werden ließ, wie er schreibt. Für die Rumäer war er einfach „naš Georg“, unser Georg. Sie machten in ihren Archiven seine Geburtsurkunde ausfindig. Bürgermeister Sladjan Mandcic überreichte sie ihm beim Empfang der 13-köpfigen Gruppe im Rathaus von Ruma. Torreiter war zutiefst gerührt. Das Dokument ermöglicht es ihm nun, in Schweden seine langjährige Lebensgefährtin Wiktorija zu heiraten.

Ausstellung über die Reformation in Deutschland

Ein weiterer Höhepunkt dieser Reise, berichtet Željko Dragic, war die Eröffnung einer Ausstellung über 500 Jahre Reformation in Deutschland. Die deutsche Botschaft in Belgrad hatte sie zur Verfügung gestellt. Hans Frieden Rabus, deutscher evangelischer Pfarrer in Belgrad, war eigens ins städtische Museum in Ruma gekommen, um sie zu eröffnen. Zuvor war diese Ausstellung nur zweimal in Serbien zu sehen gewesen. In einem Land, in dem vorwiegend serbisch-orthodoxe Christen zu Hause sind, Katholiken, Muslime und Juden, in einem solchen Land hält sich das Interesse an der Reformation in Grenzen, könnte man meinen.

Besuch im Kloster

Das sieht der Abt eines orthodoxen Klosters aber anders. Die Gruppe aus Deutschland besuchte das uralte Kloster Remeta in den Fruška Gora, den „fruchtbaren Bergen“ nicht weit von Ruma. Wenn Serbien vor 500 Jahren nicht vom osmanischen Reich erobert und vom Westen abgeschnitten worden wäre, dann hätte die orthodoxe Landeskirche durchaus vom Impuls der Reformation erfasst werden können. Der Westen sei dem Osten „einen Lidschlag“ voraus, scherzt der Geistliche. Die Ausstellungseröffnung im Museum von Ruma nutzten Jugendliche aus Gehrde, um auf Plakaten ihre St.-Christophorus-Kirche vorzustellen. Zurzeit ist viel Deutsches im Museum zu bewundern, sagt Dragic: Auf einem Stockwerk zeigt es die Reformationsausstellung und Gehrdes evangelische Kirche. Im anderen ist eine Ausstellung von Postkarten aus der Stadt aus er Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu sehen, viel davon auf Deutsch. Damals stellten Donauschwaben einen großen Teil der Bevölkerung. Die Jugendgruppe lernte das Gymnasium von Ruma kennen und eine Landwirtschaftsschule. Ihre Gastgeber gingen mit ihnen häufiger schwimmen, in den Tagen des Aufenthalts stiegen die Temperaturen tagsüber bis auf fast 40 Grad Celsius an.

Am Schauplatz des Rockfestivals „Exit“

Zwei Tage der Reisewoche galten Novi Sad, österreichisch-ungarische Stadtgründung an der Donau im Schatten der riesigen Festung Peterwardein (Petrovaradin), die in den Türkenkriegen eine prominente Rolle spielte. Heute genießt man von der Festungsmauer einen bezaubernden Blick über die Donau und Novi Sad. Die Festung ist Schauplatz des Rockfestivals „Exit“. Studenten gründeten es im Jahr 2000, als das Land noch im Zeichen des jugoslawischen Bürgerkrieges stand, Sein Name „Ausweg“ steht für ein kosmopolitisches Gegengewicht zum serbischen Nationalismus. Heute ist Exit zweitgrößtes Festival des Landes. Das Exit verpasste die deutsche Gruppe. Doch hat Novi Sad nicht nur eine schöne Lage an der Donau zu bieten und eine Altstadt, sondern reichlich Kultur und mehrere internationale Festivals. Die Gruppe war während des Ethnofestivals in der Stadt, mit Volkstanzgruppen aus Österreich, Kroatien ,Ungarn und Serbien. Auch Heimatliebe und Brauchtumspflege kann etwas Kosmopolitisches haben.


Gegenbesuch im September:

Vom 14. bis 21 September wird eine Gruppe von Jugendlichen aus Ruma zu Gast in der Samtgemeinde Bersenbrück sein. Für ihre Unterbringung werden noch Gasteltern gesucht. Wer Interesse hat und weitere Informationen möchte, kann sich an Željko Dragic wenden. Der Vorsitzende des Vereins „Brücken bauen“ ist telefonisch zu erreichen unter 0173/6065438, E-Mail: zeljkoshalom@aol.com.

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