Streit um Stellplätze Kein Wohnmobiltourismus in Bersenbrück?

Für den Bootstourismus auf der Hase wurden auch in Bersenbrück Anlegestellen geschaffen. Das Schützenhaus in der Hemke wurde mit Förderung aus dem Programm „Leader Plus“ als Stützpunkt hergerichtet. Damit seien grundsätzlich auch Wohnmobilstellplätze auf dem Gelände möglich, so der Standpunkt der Stadtverwaltung. Foto: Archiv/Melanie BrunsFür den Bootstourismus auf der Hase wurden auch in Bersenbrück Anlegestellen geschaffen. Das Schützenhaus in der Hemke wurde mit Förderung aus dem Programm „Leader Plus“ als Stützpunkt hergerichtet. Damit seien grundsätzlich auch Wohnmobilstellplätze auf dem Gelände möglich, so der Standpunkt der Stadtverwaltung. Foto: Archiv/Melanie Bruns

Bersenbrück. Der Streit um Wohnmobilplätze auf dem Schützenplatz ist ein typisches Beispiel dafür, was in der Kommunikation zwischen den politischen Gruppen und Stadtverwaltung in Bersenbrück derzeit gründlich schiefläuft.

Anfang des Jahres hatte die SPD-Fraktion beantragt, auf dem zentral gelegenen Platz an der Bleiche Wohnmobilstellplätze einzurichten. Das Beispiel Ankum zeige, dass Übernachtungsmöglichkeiten für Wohnmobile gefragt seien. Warum solle Bersenbrück nicht an dieser Form des Tourismus mitverdienen?

In einer Sitzung des Bauausschusses hieß es kürzlich, Übernachtungsmöglichkeiten gebe es bereits auf dem Schützenplatz in der Hemke. Der Ausschuss kam überein, die Verwaltung möge prüfen, ob dort Infrastruktur nachgerüstet werden müsse, Stromanschlüsse etwa.

Zwischenzeitlich erfuhr SPD-Fraktionssprecher Widu Höckelmann, abgesehen von Stammgästen während der Reggae Jam stehe nie ein Wohnmobil auf dem Gelände. Außerdem habe das niedersächsische Forstamt als Besitzer der Flächen Einwände gegen eine Nutzung als Wohnmobilplatz.

Plötzlich stand der Verdacht im Raum, die Stadtverwaltung verbreite die Unwahrheit. Höckelmann ging mit seinen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit.

In der Stadtratssitzung vergangenen Donnerstag erklärte dazu ein stimmungsmäßig etwas verschnupft wirkender Bürgermeister Christian Klütsch, Höckelmann müsse im Schützenvereinsvorstand wohl den falschen Mann gefragt haben. Dem sei nicht bekannt gewesen, dass der Schützenverein seit 1999 vertraglich verpflichtet sei, sein Gelände für touristische Nutzungen zu öffnen. Damals erhielt der Verein Mittel aus dem Programm Leader Plus zur Tourismusförderung, von denen zum Beispiel Duschen für Übernachtungsgäste im Schützenhaus bezahlt wurden.

Toilette „alternativlos“

Dass das Forstamt als Verpächter einer Ausweitung der Nutzung des Schützengeländes zurückhaltend gegenüberstehe, sei schon länger bekannt, so Klütsch. Die Stadt verhandle über einen Flächentausch, biete das Barackengelände in der Freude an, um in der Hemke Hausherr zu werden.

Bereits 2015 hatte der Schützenverein zu verstehen gegeben, er sei nicht glücklich über die eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten auf dem Gelände. Es gebe Kaufverhandlungen, aber die verliefen schleppend.

Uneins blieben sich die Ratsfraktionen in der Frage einer öffentlichen Toilette am Marktplatz. Es gebe rund um den Platz öffentliche Toiletten etwa in der Marktschule, die seien aber nicht rund um die Uhr zugänglich, so Höckelmann. Eine öffentliche Toilette sei „alternativlos“, die SPD verlange „eine saubere Lösung“. Ihr Vorschlag: eine preisgünstige Toilette aus Edelstahl, die vandalismussicher sei. Vorbilder gebe es etwa in Osnabrück.

Eine vandalismussichere Stahltoilette gab es bereits am Marktplatz, in der Klosterpforte, erwiderten CDU-Vertreter. Doch die sei immer wieder beschädigt worden und sabotiert. Sinnvoller seien Toiletten unter Aufsicht in öffentlichen Gebäuden und Geschäften. Rund um die Uhr müssten sie nicht unbedingt zur Verfügung stehen.

Ankum hat seine öffentlichen Toiletten am Marktplatz wieder abgerissen. Sie standen in etwa dort, wo heute die Wohnmobile parken.


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