Grundwasserqualität sichern Experten diskutieren in Kettenkamp über Nitrat im Trinkwasser

Von Sigrid Schüler-Juckenack


Kettenkamp. „Unsere Trinkwasserqualität ist sehr gut, aber damit das so bleibt, muss jetzt etwas getan werden.“ Das ist das Fazit von Ralph-Erik Schaffert. Der Geschäftsführer des Wasserverbandes Bersenbrück sprach auf Einladung des Grünen-Gesprächskreis Kettenkamp am vergangenen Montagabend in Kettenkamp bei einer Informationsveranstaltung zum Thema „Nitratbelastung im Trinkwasser“.

Schaffert rechnet für die kommenden Jahre mit einem steigenden Wasserverbrauch in der Region. Derzeit werden nach seinen Worten jährlich 6,9 Millionen Kubikmeter Wasser in den Wasserwerken des Verbandes gefördert, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 146 Litern pro Tag entspricht. Darin enthalten ist auch der Verbrauch von Industrie und Gewerbe. Da sich die Region aber stark entwickelt, prognostiziert Schaffert für die Zukunft eine jährliche Förderung von 7,5 Millionen Kubikmetern Wasser.

Gute Trinkwasserqualität

Die Trinkwasserqualität der Wasserwerke, die sich im Einzugsgebiet des Wasserverbandes Bersenbrück befinden, ist gut, so Schaffert. Die Nitratwerte belaufen sich auf rund 1 bis 2 mg Nitrat pro Liter. Anders sieht es allerdings bei dem oberflächennahen Grundwasser aus, dessen Pegel bei sechs bis 20 Meter Tiefe liegt. Hier liegen die Werte mit bis zu 74 mg Nitrat beim Wasserwerk Plaggenschale und mit 36 mg für das Wasserwerk Ahausen deutlich höher.

Ursache für die erhöhten Werte sieht Schaffert in der Landwirtschaft. In ganz Niedersachsen werde jährlich zu viel Stickstoff als Dünger ausgebracht, nach seinen Worten seien es 40 Kilogramm pro Hektar, was etwa 80.000 Tonnen Stickstoff entspreche. Im Einzugsbereich der Hase finde man im Grundwasser 50 mg Nitrat pro Liter, und eine Trendwende sei nicht erkennbar. Aus diesem Grund bestehe Handlungsbedarf, die Qualität des Wassers zu verbessern.

Beratung der Landwirte

Dies könne durch verschiedene Maßnahmen geschehen, so der Referent. Bereits seit 1995 finde eine gezielte Beratung der Landwirte statt, durchaus, wenn auch nicht immer, mit Erfolg. Für Ahausen gelte, dass mit der Beratung die Nitratwerte unter den Wert von 40 mg/Liter gesunken seien.

Mit einer reduzierten Düngergabe bei Mais, Anbau von Zwischenfrüchten, die für eine Stickstoffbindung in der Pflanze sorgen und die Auswaschung von Böden verhindern und der Einhaltung von Fruchtfolgen könnte einiges erreicht werden. Zu den Beratungen zähle auch eine Erfolgskontrolle, das heißt, im Herbst werde gemessen, wie viel Stickstoff im Boden ist, so Schaffert. Hier zeige sich, dass die Landwirte ihre Flächen erst einmal kennenlernen müssten. Manchmal werde ein hoher Stickstoffgehalt gemessen, der sich allerdings nicht über die Düngung erklären lasse.

Wichtig für den Schutz des Grundwassers sei auch die Ausweisung von Wasserschutzgebieten, die Verbesserung des ordnungsrechtlichen Rahmens, also dass Verstöße verfolgbar gemacht und mit Strafen belegt werden können. Zudem sollten die Einhaltung einer Fruchtfolge zwingend vorgegeben und der Einsatz von Wirtschaftsdünger anders berücksichtigt werden.

Schärfere Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel

Schaffert plädiert dafür, die Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel zu verschärfen. Im Grundwasser werden nach seinen Worten Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln gefunden, allerdings derzeit in sehr geringen und deshalb unproblematischen Mengen.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Verminderung des Stickstoffüberschusses in den landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht kurzfristig erfolgen kann. Ludger Bernholt von der Landwirtschaftskammer zog den Vergleich zu einem großen Schiff, das sich nicht schnell wenden lässt. Um Gülle in Ackerbauregionen zu nutzen, müssten Transportwege aufgebaut und Lagerkapazitäten vor Ort geschaffen werden. Maßnahmen, die nicht von heute auf morgen erfolgen können. Zudem sei Landwirtschaft stark vom Wetter beeinflusst. Die Düngung werde im Frühjahr geplant, aber der Sommer verlaufe unter Umständen ganz anders als gedacht.

Bis ein Wassertropfen von der Bodenoberfläche ins Grundwasser gelangt, können bis zu 120 Jahre vergehen, hatte Schaffert im Vortrag erklärt. Wegen dieser langen Fließzeit hat Wasser nach seinen Worten „ein Gedächtnis“, und Maßnahmen zur Sicherung der Grundwasserqualität müssen heute ergriffen werden, nicht später.


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