Eggermühlen: „Kegen de gauen Sitten“ im Saal Böhmann Männern auf den Hintern geguckt

Von Georg Geers

Ein Hauch von Welt im Dorf: Lebemann Jean Miller und seine Damen sorgen für reichlich Aufruhr. Foto: Georg GeersEin Hauch von Welt im Dorf: Lebemann Jean Miller und seine Damen sorgen für reichlich Aufruhr. Foto: Georg Geers

Eggermühlen Mit „Kegen die gauen Sitten“ begeistert die Theatergruppe Eggermühlen ihr Publikum. Sogar Jörg Appell war angetan, Verfasser der badischfränkischen Urfassung des Lustspiels. Am Samstag, 4. Februar, Sonntag, 5. Februar, und Dienstag, 7. Februar, ist Eggermühlens plattdeutsche Fassung des Stücks noch einmal zu sehen.

Statt Dorfidylle Konkurrenz: Das liebevoll gestaltete Bühnenbild zeigt die Rivalität zweier Gasthöfe, die sich gegenüberliegen. Wirt Anton (Stefan Fleddermann), der in der Kneipe „Zur Linde“ und in der Dorfpolitik das Sagen hat, will seine Gemeinde zum „Luftkurort“ machen. Doch das Bezirksamt lehnt ab. Das erfährt Anton, weil der wortkarge Briefträger Emil (Nils Wilke) ein Auge auf die Wirtstochter Paula (Anne Hömer) geworfen hat und ihren Vater die gesamte Gemeindepost zuerst durchsehen lässt. Zwei Bier und ein gutes Frühstück mit drei Brotscheiben (eine frische, eine von gestern und eine von vorgestern) spendiert Anton dem Briefträger dafür als Gegenleistung.

Und dann ist da noch Walter (Jürgen Wille), den seine bessere Hälfte Anna (Sabine Lübbert zur Lage) an der kurzen Leine führt („Walter, sitz“). Auf der anderen andere Straßenseite liegt eine heruntergekommene Kneipe mit Efeu bewachsen. Hier haust Hans (Martin Triphaus), ein alternder Straßenmusiker und Traumtänzer, der mit seinem stummen Musikantenfreund Karl (Martin Geers) in den Tag hineinlebt.

Tanzen wie John Travolta

Mit der Ankunft von Jean Miller, einem berühmten Schauspieler, und seinen aufreizenden Begleiterinnen Pamela (Tanja Striedelmeyer) und Linda (Nina Bekehermes) ändert sich die Idylle schlagartig. Pfarrhaushälterin Paula (Karin Hömer) und Bauersfrau Anna verbreiten, dass gastronomische Konkurrenz droht.

Jean Miller aber geht es nicht um die Kneipe, die er von seiner Mutter geerbt hat. Vielmehr ist ihm daran gelegen, seinen bislang unbekannten Vater aufzuspüren. Wie er selbst soll der ein Muttermal auf der linken Pobacke haben. Wie aber die Pobacken der männlichen Dorfbewohner zu Gesicht bekommen? Jean Miller und seine Damen schmieden einen Plan. Zur Wiedereröffnung der alten Dorfkneipe steigt ein rauschendes Fest. Im Trubel mischt auch Millers Ex-Frau Charly (Katja Borgmann) kräftig mit. Briefträger Emil gibt den feurigen Italiener und tanzt unter Anleitung von Pamela wie John Travolta im Film „Grease“. Nach reichlich Alkohol und heißen Tanzeinlagen kommt so mancher Allerwertester männlicher Provenienz zum Vorschein. Zum Spaß der Laienspieler und zur Erheiterung der Besucher. Autor Jörg Appe l jedenfalls zollte der Theatergruppe seine Hochachtung für ein bravourös gespieltes Stück.


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