Schaffert zur Düngeverordnung Nitrat im Trinkwasser steigt im Altkreis Bersenbrück

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Bersenbrück. Die geplante Novelle der Düngeverordnung könnte dazu beitragen, den Anstieg des Nitratgehalts im Grundwasser zu bremsen, hofft Ralph-Erik Schaffert. Sie dürfte aber nicht reichen, das Trinkwasser auf Dauer zu schützen, sagt der Geschäftsführer des Wasserverbandes Bersenbrück.

Herr Schaffert, gibt es zu viel Nitrat im Trinkwasser, das im Altkreis Bersenbrück aus dem Boden gefördert wird?

Noch nicht, aber die Werte steigen. Nahe an der Oberfläche hat das Wasser Nitratgehalte von 60 bis 120 Milligramm pro Liter, durchschnittlich sind es etwa 70 bis 75 mg/l. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 50 mg/l. In den Tiefen, in denen wir fördern, liegt der Nitratgehalt aber nur bei zwei bis drei mg/l. Tonschichten schützen tiefere Erdschichten vor dem Einsickern. Wir müssen darauf achten, dass sie nicht durchbohrt werden. Aber irgendwann sind die Substanzen verbraucht, die im Ton Nitrat binden. Deshalb müssen wir etwas tun.

Könnten Entsalzungsanlagen für Trinkwasser die Lösung sein?

Unser Wasserpreis liegt derzeit bei durchschnittlich 1,20 Euro pro Kubikmeter. Davon entfallen schon jetzt zehn Cent auf den Trinkwasserschutz. Müssten wir Entsalzungsanlagen bauen, wären es 40 bis 50 Cent mehr pro Kubikmeter. Kosten, die der Verbraucher zahlt, die er aber nicht verursacht hat.

Wer dann?

Es steht zu vermuten, dass die Landwirte mit ihrer Wirtschaftsweise erheblich zur Nitrifizierung des Grundwassers beitragen. Erlaubt ist, bis zu 100 Kilogramm Mineraldünger pro Hektar auszubringen. Fachleute sagen aber, dass der Boden in der Regel kaum mehr 30 bis 35 Kilogramm davon verbraucht. Die Landwirte dürfen völlig legal einen Puffer von bis zu 60 Kilogramm pro Hektar mehr ausbringen. Der wird aber nur in extrem guten Erntejahren gebraucht, was im Schnitt nur alle zehn Jahre der Fall ist. Große Mengen versickern oder werden in die Gewässer gespült.

Warum machen die Landwirte das?

Für die Landwirte ist das auch eine Frage der Existenz. Wir wissen aus unserer Beratertätigkeit in den Betrieben, dass es ein großer Kostenfaktor ist, die Gülle wegzufahren und anderswo ausbringen zu lassen, wo der Boden sie vielleicht gut brauchen könnte. Das schmälert die Gewinne, besonders in den kleineren Betrieben. Allein aus dem Landkreis Osnabrück müssten jährlich 8000 Tonnen Stickstoff abgefahren werden. Das ist nicht wenig.

Scheitert der Gewässerschutz an wirtschaftlichen Zwängen?

In Dänemark hat man es in den Griff bekommen. Dort gibt es strikte Reglementierungen, sämtliche Düngergaben, Gülle und Gärreste werden in einer Datenbank erfasst. Mit dem Ergebnis, dass in weiten Bereichen der Nitratgehalt unter 50 mg/l gesunken ist. Brotgetreide können sie übrigens bei dieser Wirtschaftsweise nicht anbauen, dafür hat man nach einiger Zeit Ausnahmen zugelassen. Aber Brotgetreide baut in Weser-Ems sowieso niemand an. Auch die Niederlande und Belgien haben es angepackt.

Würde es nicht reichen, extensiv bewirtschaftete Schutzzonen in den Wassergewinnungsgebieten zu schaffen?

Mein Vorgänger Heinz Usselmann war sehr vorausschauend, der hat in den Neunzigerjahren bereits über 70 Hektar Land im Wasserschutzgebiet Ohrte gekauft. Wir haben das auf etwa 95 Hektar aufgestockt, die letzten Flächen werden gerade als Ausgleichsflächen für die Stadt Fürstenau ausgewiesen. Aber Sie können nicht alle Flächen in den Wassergewinnungsgebieten aufkaufen, das wäre ein zu hoher Kostenfaktor. Allein in Plaggenschale wären es 2000 Hektar. Wir schließen auch Vereinbarungen mit Landwirten, die Geld bekommen, wenn sie nachweislich unter 90 Kilogramm Stickstoff pro Hektar bleiben. Das funktioniert aber noch nicht so gut, wie wir uns das erhofft haben.

Dann werden sich die Landwirte daran gewöhnen müssen, mit weniger Gülle und mehr Buchführung zurechtzukommen?

Landwirte, die sich bemühen und ihre Flächen kennen, haben gute Werte, auch das wissen wir aus unserer Beratertätigkeit. Es gibt Betriebe, die haben keine Probleme, wenn die Gülleverordnung kommt. Die Verordnung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ich befürchte nur, sie wird nicht reichen. Wir werden wohl noch mehr tun müssen.


Ralph-Erik Schaffert (54) ist seit 1996 Geschäftsführer des Wasserverbandes Bersenbrück. Der Wasserverband versorgt die Samtgemeinden Artland, Bersenbrück, Fürstenau und Neuenkirchen und Teile von Bramsche und Vörden mit Trinkwasser. Er unterhält das Kanalsystem in diesem Gebiet und reinigt außerdem die Abwässer.

Diskussionsabend:

Der Grünen-Gesprächskreis Kettenkamp lädt ein zu einem Gesprächsabend über die Nitratbelastung im Trinkwasser des Altkreises Bersenbrück. Er findet statt am Montag, 6. Februar, und beginnt um 19.30 Uhr in der Gaststätte Ansmann in Kettenkamp. Referent ist Ralph-Erik Schaffert, Geschäftsführer des Wasserverbandes Bersenbrück. Zugesagt haben auch Ludger Bernhold von der Landwirtschaftskammer und Stephan Wernke, Vorsitzender des Landvolkvereins Kettenkamp.

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