Entscheidung bis zum Sommer? Hasegrund: Bistum wirbt für Blick nach vorn

Von Martin Schmitz


Bersenbrück. Der tiefe Konflikt im Pastoralteam der katholischen Pfarreiengemeinschaft Hasegrund hat viele Mitglieder der vier Kirchengemeinden völlig überrascht. Andere waren darin verwickelt und litten mit. In Bersenbrück warb das Bistum Osnabrück für einen Neuanfang.

Zur Aussprache über die teilweise Auflösung des Pastoralteams waren deutlich mehr als hundert Mitglieder der Gemeinden St. Paulus Vörden, St. Vincentius Bersenbrück, St. Johannis Alfhausen und St. Johannes Lage/Rieste am Dienstagabend in der Pfarrkirche St. Vincentius in Bersenbrück zusammengekommen. Vergangene Woche hatte das Bistum bekannt gegeben, aufgrund interner Konflikte das Pastoralteam umzustellen. Hubertus Goldbeck, der leitende Pfarrer, nimmt eine Auszeit. Pastor Alfons Thörner wechselt von Rieste nach Merzen, zwei Pastoralreferentinnen gehen in absehbarer Zeit, die beiden Diakone im Nebenamt hören auf.

Es bleiben Pastor Matthias Köster, Pfarrer i.R. Klaus Warning, Diakon Roland Wille, Gemeindeassistentin Marlene Plogmann, Gemeindereferentin Karin Hagedorn nach ihrer Elternzeit, als Referent mit Sonderaufgaben Matthias Lemper.

Als Pfarradministrator fand sich Domkapitular Alfons Strodt, der sich in Bersenbrück handfest und herzlich vorstellte, als Priester mit vier Jahrzehnten Berufserfahrung, der für die Gemeinden da sein will, helfen und „eine Ebene finden, das Gemeinsame zu stärken, das wir alle wollen“.

Eingeführt hatte ihn Weihbischof Johannes Wübbe, der bekräftigte, das Bistum werde die Pfarreiengemeinschaft trotz ihrer Brüche nicht auflösen. Es werde aber auch keine neuen Pfarreiengemeinschaften mehr schaffen, vielmehr wolle man nach neuen Wegen suchen, den Herausforderungen Priestermangel und radikaler Wandel des kirchengemeindlichen Lebens zu begegnen.

Wilfried Prior von der Stabsstelle Personalentwicklung des Bistums blieb es vorbehalten, den Teamkonflikt zu erläutern. Er sprach von Auseinandersetzungen im Team um die Ausrichtung der vor zweieinhalb Jahren gegründeten Pfarreiengemeinschaft. Unterschiedliche Auffassungen und Erfahrungen seien aufeinandergestoßen. Die Auseinandersetzung führte zu seelischen Verletzungen, die auch in Vermittlungsgesprächen selbst unter Einbeziehung des Bischofs nicht zu heilen gewesen seien. Mitglieder der Gremien der Kirchengemeinden hätten Partei ergriffen und in Osnabrück vorgesprochen. Letztlich habe das Bistum sich zu einem radikalen Schritt entschlossen. Das Team nur zur Ordnung zu rufen hätte nämlich bedeutet, es und die Kirchengemeinden mit dem schwelenden Konflikt alleinzulassen.

Prior appellierte wie Wübben und Strodt an die Kirchengemeinden, von Schuldzuweisungen konsequent abzusehen und sich darauf zu konzentrieren, nach vorn zu blicken und zueinanderzufinden.

Das allein schon könnte schwierig werden: „Man hatte das Gefühl, da ist keine Heimat mehr“, beschrieb eine Teilnehmerin ihr Erleben. Die Entfremdung habe Nähe verhindert. Eine andere berichtete vom optimistischen Aufbruch 2007, vom gemeinsamen Arbeitskreis der vier Gemeinden und der Energie, die dort eingebracht wurde. „Nach zweieinhalb Jahren Pfarreiengemeinschaft gibt es immer noch kein Wir“, lautet auch ihr Fazit.

Und dann blieb da noch die Frage nach der Zukunft von Hubertus Goldbeck. Prior begleitet seine Auszeit und appellierte an die Versammlung, dem Pfarrer Raum zu geben für die Entscheidung, ob er zurückkehren wolle oder nicht. Nur bleibt eben auch bis zu dieser Entscheidung offen, wie es mit der Pfarreiengemeinschaft auf Dauer weitergehen soll. Wie lang wird die Phase der Ungewissheit dauern?, wollte ein Besucher wissen. „Gehen Sie davon aus, dass bis zum Sommer eine Entscheidung gefällt ist“,antwortet Prior.


0 Kommentare