Einzelhändler ohne Handhabe Extremes Magazin in Ankum und Bersenbrück zu haben

Unauffällige Position, extremer Inhalt: Im Zeitschriftenregal der Supermärkte ist das rechtspopulistische Magazin Concret immer wieder zu finden. Erboste Kunden greifen gelegentlich durch und entsorgen die Magazine. Symbolfoto: Peter SelterUnauffällige Position, extremer Inhalt: Im Zeitschriftenregal der Supermärkte ist das rechtspopulistische Magazin Concret immer wieder zu finden. Erboste Kunden greifen gelegentlich durch und entsorgen die Magazine. Symbolfoto: Peter Selter

Ankum/Bersenbrück. „Compact – Das Magazin für Souveränität“ ist in Supermärkten in Ankum und Bersenbrück zu kaufen. Kunden reagieren mit großem Unverständnis. Die Einzelhändler haben derzeit wenig Möglichkeiten, die Verbreitung der Zeitschrift, die als rechtspopulistisch gilt, zu vermeiden.

Ankum/Bersenbrück. Wenn der Einzelhändler in der Region welkes Gemüse bekommt, muss er es nicht annehmen und kann es zurücksenden. Wenn einschlägige rechtspopulistische Magazine in der Lieferung für das Zeitschriftenregal enthalten sind, ist das nicht ganz so einfach. So geschehen jetzt unter anderem in Verbrauchermärkten in Ankum und Bersenbrück.

Bereits mehrfach haben Kunden in den Supermärkten die Mitarbeiter und Filialleitungen darauf aufmerksam gemacht, das das Magazin in den Zeitschriftenregalen zu finden ist. Daraufhin haben die Filialen das Magazin erst einmal aus den Regalen genommen, um in Ruhe den Sachverhalt zu prüfen.

Die Publikation: „Compact – Magazin für Souveränität“ ist eine Zeitschrift zu politischen Themen, die monatlich erscheint und die unter anderem von Wissenschaftlern als Querfront-Magazin eingestuft und dem Rechtspopulismus zugeordnet wird.

Ein Blick in die Novemberausgabe des Magazins macht nachdenklich: Es ist die Sprache, es sind die Botschaften und vor allen die Denkweise. Da wird beispielsweise die amerikanische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton unter der Überschrift „Pussies und Presstituierte“ als Verbündete der „amerikanischen Lügenpresse“ dargestellt. Zum Thema Flüchtlinge ist zu lesen, dass jetzt ja „die Sippen kommen könnten“. Weiterhin wird der neben dem Magazin bestehende Journalismus als „Konformjournalismus“ und „gleichgeschaltete Medien“ dargestellt. Das Magazin präsentiert sich insgesamt als Sprachrohr der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) und der islamfeindlichen Pegida-Bewegung.

Der Sachverhalt: Die Zeitschriften der Einzelhändler werden direkt von den Unternehmen im Pressegroßhandel an die Filialen geliefert. Deutschland ist in 79 sogenannte „Grossogebiete“ aufgeteilt, in denen 66 Grossofirmen tätig sind. Die Grossisten besitzen ein Alleinauslieferungsrecht und sind zur Neutralität angehalten. Die zählt zu den wichtigsten Grundsätzen der Branche. Das heißt auch, dass alle Publikationen, die nicht indiziert sind und deren Verbreitung damit verboten ist, je nach Nachfrage auch ausgeliefert werden. Indiziert ist das Magazin „Compact“ nicht.

Übrigens werden nach dem System der Pressegrossisten immer dann neue Ausgaben von Publikationen geliefert, wenn sie entweder bestellt oder nachgefragt werden. Das lässt darauf schließen, dass es in Ankum und Bersenbrück auch tatsächlich eine Nachfrage nach der Zeitschrift gibt.

Die Reaktionen: Die Einzelhandelsunternehmen sind in der Zwickmühle. Ein kurzer Blick in das Magazin habe ihnen gereicht, um festzustellen, dass ein derartiges Druckwerk nicht in ihr Geschäft gehöre, so die Filialleiter in Ankum und Bersenbrück unisono. Doch wenn sie die Magazine einfach so aus dem Regal nehmen, laufen sie Gefahr, dass der Presse-Großhandel sie nach deren Spielregeln im Extremfall aus der Kundenliste streichen, also „leerräumen“ würde, wie es in der Sprache der Grossisten heißt. Auch die Einzelhändler dürfen an der Stelle keine Zensur vornehmen. Die Einzelhändler wissen um diese Situation und weisen aber, man könnte meinen, mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass es durchaus mal vorkommen könne, dass vergessen wird, die Lieferung von „Compact“ rechtzeitig in das Regal zu stellen, oder dass die Magazine so im Regal platziert werden, dass sie nicht gesehen werden. Wenn dann Exemplare nicht mehr nachgefragt werden, werden auf Dauer auch keine mehr geliefert.

Der Weg: Es besteht die Möglichkeit, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien das Magazin überprüft. Antragsberechtigt dazu sind unter anderem die Jugendämter. Sollte das Magazin als jugendgefährdend eingestuft werden, gelangt es nicht mehr in die Supermärkte. Dann können sich die Einzelhändler wieder in Ruhe auf die Qualität von Obst und Gemüse konzentrieren.


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