„Immer auch Sozialarbeiter“ Alfhausens „Dorfsheriff“ geht in Pension

Von Martin Schmitz

Das Polizeischild vor der Haustür ist bald Geschichte: Alfhausens Ortspolizist Josef Höckelmann, hier mit Ehefrau Monika, geht in Pension. Foto: Martin SchmitzDas Polizeischild vor der Haustür ist bald Geschichte: Alfhausens Ortspolizist Josef Höckelmann, hier mit Ehefrau Monika, geht in Pension. Foto: Martin Schmitz

Alfhausen. Mit der ironischen Bezeichnung „Dorfsheriff“ hat Josef Höckelmann kein Problem. Als Westernhelden sieht der Hauptkommissar sich trotzdem nicht. Ein Ortspolizist müsse „immer auch ein halber Sozialarbeiter sein“, sagt er.

Seit 1985 betreut der heute 62-Jährige die Gemeinden Alfhausen und Rieste, hat die Polizeistation im eigenen Wohnhaus in der Siedlung hinter dem Alfhausener Schulkomplex eingerichtet. Zum Monatsende geht er in Pension.

Seinen Dienst hat er ein Jahr freiwillig verlängert. Trotzdem scheint ihm der Abschied nicht schwerzufallen, er strahlt eine Ausgeglichenheit aus, die ihm 31 Jahre half, mit den Alfhausenern und den Riestern zurechtzukommen und mit den Kollegen im Polizeikommissariat Bersenbrück reibungslos zusammenzuarbeiten. „Der Posten war genau auf mich zugeschnitten.“ Das ist seine persönliche Bilanz der drei Jahrzehnte, in die sogar eine globale Zeitenwende fiel, die sich im Dorfleben widerspiegelt.

„1985 war das hier sehr entspannt, ich hatte nur mit Kleinstkriminalität zu tun und mit geringen Fallzahlen.“ In den Neunzigerjahren änderte sich die Atmosphäre, zeitweilig war fast jeder vierte Alfhausener ein Aussiedler. Besonders irritierend fanden Alteingesessene, dass Jugendliche mit russlanddeutschen Wurzeln sich gern in der Öffentlichkeit trafen, Alkohol tranken und sehr nachlässig mit ihrem Müll umgingen.

Lehrerin „verhaftet„

Ureinwohner ist Höckelmann selbst übrigens auch nicht, seine: Mutter kommt von dort, er wuchs in Ostercappeln auf. Seine Tante bot ihm in Alfhausen ein Baugrundstück an, 1984 baute er für seine Familie dort ein Wohnhaus, mit viel Eigenbeteiligung als Handlanger mit handwerklicher Begabung.

Bis dahin lebt und arbeitet er in Osnabrück, die dritte berufliche Station für den gelernten Kfz-Mechaniker, der 1976 in die Landespolizeischule eintritt und danach in Oldenburg und Barsinghausen tätig ist.

1985 geht an die Dienststellen ein Fernschreiben heraus, dass für Alfhausen ein Ortspolizist gesucht werde. Höckelmann ergreift seine Chance, schafft mit Spanplatten im nicht ausgebauten Dachgeschoss seines Hauses ein provisorisches Büro.

Ganovenjagd mit gezückter Pistole kommt im Dorf selten vor. Höckelmann erinnert sich eher an Kurioses wie den Klein-Lkw, dem ein geschickter Dieb in der Nacht die Antriebswelle zur Hinterachse abmontierte. Vom abschüssigen Betriebsgelände rollte der Wagen in eine Bahnunterführung, wo er morgens auf der belebten Fahrbahn gefunden wurde. Oder die Lehrerin, die er im Unterricht „verhaftete“, um ihren Schülern Polizeiarbeit zu zeigen. Leider hatte er die Schlüssel vergessen. Gefasst wechselte die Frau mit dem Gong ihre Klasse, unterrichtete in Handschellen, als sei das die natürlichste Sache der Welt, bis eine Streife sie befreien konnte.

Die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten war ein Teil seiner Arbeit, die er nun beendet, indem er das Schild von der Wand schraubt und sein Büro ausräumt. In seinem Haus, in dem er mit Ehefrau Monika vier Kinder großgezogen hat, die seine Talente offensichtlich erbten. Ein Sohn arbeitet als Polizist im Kommissariat Bersenbrück. Und die Tochter, für deren Einzug er nun sein Haus renovieren will, ist als Sozialarbeiterin tätig.


Neue Polizeistation in Alfhausen:

In Alfhausen wird es auch nach dem Rückzug Josef Höckelmanns ins Privatleben weiter eine Polizeistation und einen Ortspolizisten geben, teilt Reinhard Hagen vom Polizeikommissariat Bersenbrück mit. Der „Neue“ kommt aus Alfhausen, muss aber noch eingearbeitet werden und tritt seinen Dienst deshalb im Herbst an. Die Station soll nicht mehr im Wohnhaus des Beamten untergebracht werden, sondern zentral in einem Gebäude an der Hauptstraße. Die Trennung von Wohnung und Büro schütze die private Sphäre der Familie und erleichtere die Urlaubsvertretung des Beamten.

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