„Ausweis“ für Lilly und Maya Zwei Talger Jungstörche mit Ringen gekennzeichnet

Von Reinhard Rehkamp


rr Bersenbrück. Zwei Jungstörche sind in diesem Sommer erstmals im Storchennest bei Joe Siewe im Bersenbrücker Ortsteil Talge aufgewachsen. Sie erhielten jetzt ihren „Personalausweis“ in Form eines Ringes.

Tierärztin Birge Herkt hat die beiden Talger Jungstörche beringt. Sie ist als ehrenamtliche Weißstorchenbetreuerin des Landes Niedersachsen für Stadt und Landkreis Osnabrück sowie für die Landkreise Diepholz (Dümmer-Region), Emsland und die Grafschaft Bentheim zuständig. Durch die Beringung können die Vögel jederzeit identifiziert werden. So kann mithilfe von Rückmeldungen festgestellt werden, wann und wo sie sich aufhalten oder wie alt ein Vogel ist.

Bevor sich der Hubsteiger in die Lüfte begab, verschwand Storchenvater Joe Siewe im nahe gelegenen Kirschbaum und brachte sein selbst konstruiertes Filmaufnahmegerät an einer zwölf Meter langen Holzstange in eine luftige Position, um auch diese Aktion zu festzuhalten. Auch in den zurückliegenden Wochen hatte der Storchenvater das Großwerden der Tiere im zehn Meter hohen Horst mit der Kamera dokumentiert. „Lilly“ und „Maya“ hat Siewe die beiden Jungstörche getauft – ohne jedoch zu Wissen, welchen Geschlechts sie sind.

Um den 20. Mai waren drei Jungstörche geschlüpft, wovon jedoch ein Tier kurz danach am Boden tot aufgefunden wurde. Vielleicht musste dieser kleine Jungstorch sterben, um die Überlebenschance für seine beiden Geschwister zu verbessern. Der Storchenvater hat ihn unter dem Storchenhorst beerdigt und ihm zu Ehren ein kleines Holzkreuz aufgestellt.

Als der Hubsteiger mit Joe Siewe und Birte Herkt dann in die Höhe schwebte, machte sich im Horst etwas Nervosität breit. Wilhelm Rabenstein steuerte den Steiger, den der Mietpark IHR-Handel kostenlos zur Verfügung gestellte hatte, mit sicherer Hand. Da die Beringer, die sich dem Horst nähern, von den Jungstörchen meist als eine Gefahr angesehen werden, stellen sich die Vögel normalerweise tot. So auch an diesem Abend. Um den geringsten Anreiz für den „Feind“ zu bieten, drücken sie sich ganz flach und bewegungslos ins Nest. Diesen Zustand der Bewegungslosigkeit nennt man auch Akinese. Um die Tiere zu beruhigen, fuhr Joe Siewe mit nach oben, schließlich kennen die Jungstörche seine Stimme. Oben angekommen säuberte Birge Herkt zunächst die mit Fremdkörpern verunreinigten Schnäbel der Tiere. Die Verunreinigungen, wie zum Beispiel kleine Plastikteilchen, können dazu führen, dass sich die Schnäbel verformen und die Tiere krank werden. Anhand der Brustmuskulatur konnte die Tierärztin feststellen, dass der Gesamtzustand der Tiere mäßig ist.

Eltern ausgeflogen

Danach legte Birge Herkt den zwei Jungen ihre ELSA-Ringe an. ELSA steht für European Laser Signed Advanced. Diese Kunststoffringe bestehen aus zwei Hälften, die bei der Beringung zusammengesteckt werden. Der ELSA-Ring, der oberhalb des Intertarsalgelenkes, angebracht wird, ist eine Art Personalausweis für die Vögel. Für den Jungstorch „Lilly“ war die Ringnummer DEW 5T345 reserviert, und bei Jungstorch „Maya“ wurde der Ring DEW 5T346 ans linke Bein problemlos angelegt. Das „W“ steht dabei für die Vogelwarte Wilhelmshaven, die man informieren sollte, falls der Ring mal aufgefunden wird. Anhand der Ringnummer konnte festgestellt werden, dass der männliche Altvogel in Lutten groß geworden ist. Das weibliche Alttier ist unberingt. Die Elternvögel haben von der 20-minütigen Aktion nichts mitbekommen und waren auf Nahrungssuche.

Apropos Nahrungssuche: Die Beringungsaktion verfolgte vom Boden aus auch Marlies Schulz von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Osnabrück. Ihre Behörde hatte mit dazu beigetragen, dass vor ein paar Jahren im nur ein paar Kilometer entfernten Gehrder Ortsteil Rüsfort an der Hase ein Revitalisierungsbecken angelegt wurde, das für die Störche sicherlich auch eine gute Nahrungsquelle darstellt.

Für Birge Herkt war es eine der letzten Beringungsaktionen in diesem Storchenjahr, wobei sie in ihrem Zuständigkeitsgebiet dieses Jahr rund 50 Störche beringt hat. Denn wenn die Vögel erst einmal von ihrem Nest abgeflogen sind, hat man keine Chance mehr, sie zu beringen. Da das Anwesen Siewe an einem Radwanderweg liegt, unterbrachen an dem Tag zahlreiche Radtouristen ihre Tour, um das Treiben auf dem Storchennest vom Wegesrand zu verfolgen.

Grund genug für Joe Siewe, den Beobachtern mit einer „Storchenbank“ eine Sitzgelegenheit und ein Opernglas anzubieten, um die Vorgänge im Storchennest besser sehen zu können. Darüber hinaus gibt es ein Gästebuch, in das die vorbeikommenden Besucher Gedanken und Ansichten niederschreiben können.


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