Frei Fahrt entlang der L73 Bürgerradweg zwischen Eggermühlen und Bippen eröffnet

Von Georg Geers


Eggermühlen/Bippen. Was gemeinsames Engagement zu leisten vermag, wurde am Samstag bei der Einweihung des Radweges entlang der L73 von Eggermühlen nach Bippen deutlich. Der erste Bürgerradweg Niedersachsens wurde feierlich seiner Bestimmung übergeben.

Vor mehreren Hundert Teilnehmern und im Beisein vieler Ehrengäste freute sich Theo Stottmann als Vorsitzender des Vereins „RadAktiv – Bürgerinitiative für Verkehrssicherheit“, ein engagiertes Bauprojekt zum Abschluss gebracht zu haben.

In einem ökumenischen Gottesdienst demontierten der Berger Pastor i. R. Hans Neithardt Hansch und sein Amtsbruder Pastor Ansgar Stolte imaginäre Grenzen. In seiner pointenreichen Predigt, in der Hansch mittels einer Fahrradklingel auf humorvolle Weise für Aufmerksamkeit sorgte, zog er den symbolischen Hut für das Radwegeprojekt. Nicht nur Gemeindegrenzen seien mit dem Bau überschritten worden. Viele zwischenmenschliche Beziehungen hätten die Beteiligten dabei gefördert und neue Freundschaften geschlossen. Er sei stolz, so Ansgar Stolte, Pastor der Pfarreiengemeinschaft Ankum-Eggermühlen-Kettenkamp und selbst ambitionierte Radler, was Bürger mit Willens- und Muskelkraft auf die Beine gestellt hätten.

Mit einem biblischen Zitat und tiefer Zufriedenheit im Gesicht skizzierte Theo Gärke das Mammutprojekt. „Es ist vollbracht“, so der RadAktiv-Sprecher. Seinen engagierten Vorstandsmitgliedern, die jeder in ihrer Funktion Überragendes geleistet und mit ihrem glühenden Vorbild bei den vielen ehrenamtlichen Helfern Feuer entfacht hätten, zollte Gärke seinen persönlichen Dank. Ein Großteil der veranschlagten Baukosten sei durch „geile Finanzierungsideen“ und Muskelhypothek gestemmt worden.

Den quälend langen „Leidensweg“ der Planungen und Vorbereitungen ließ Eggermühlens Bürgermeister Markus Frerker Revue passieren. Den zermürbenden und anstrengenden Ritt durch Behördeninstanzen, nicht enden wollende neue Auflagen, Gutachten und Planungsvorgaben hätten Nerven gekostet. Mit Beharrlichkeit, Ruhebewahren und einem langen Atem aber habe man schließlich alle Hürden überwunden. Nicht zuletzt dank des Engagements seines Bippener Bürgermeisterkollegen Helmut Tolsdorf konnte mit dem Gemeindegrenzen überschreitenden Radweg die Anbindung an die Samtgemeinde Fürstenau vollzogen werden. Für diese interkommunale Zusammenarbeit brach auch Tolsdorf eine Lanze und warb für Nachahmer.

Als stellvertretender Samtgemeindebürgermeister nannte Werner Lager die Eggermühlener Radweg-Aktivisten Visionäre, die nicht auf die Initiative des Landes gewartet hätten, sondern es den Behörden mit Mut und ihrem beherzten Eigeneinsatz gezeigt hätten. „Die Beharrlichkeit“, so der Landtagsabgeordnete Christian Calderone, „mit der ihr das Projekt forciert habt, war absolut mustergültig.“ Für Landeszuschüsse hatte Calderone in Hannover diverse Türen aufgestoßen. Dass der Name der Bauerschaft Döthen-Stottenhausen im Kreishaus mittlerweile vielen geläufig sei, verdanke Eggermühlen vor allem dem Verein RadAktiv, so Landrad Michael Lübbersmann. „Euer Engagement hat Wellen geschlagen.“ Als Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung Eggermühlen wies Freiherr Christoph von Boeselager auf die Planungsanfänge und Grundstücksverhandlungen im Zuge der Flurbereinigung hin.

Gleich drei Absperrbänder galt es bei der offiziellen Freigabe des Radweges zu durchtrennen, mit denen die Radwegbauer einen dreiteiligen Bogen über die Trasse geschmückt hatten. Nachdem Pfarrer Ansgar Stolte den kirchlichen Segen vollzogen hatte, blitzten ein halbes Dutzenden Scheren auf, um einer fast unendlichen Geschichte zum langersehnten Abschluss zu verhelfen.


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