„Das habe ich noch nie erlebt“ Ausstellung „Florales“ in Bersenbrück mit Tango eröffnet

Von Sigrid Schüler


Bersenbrück. „Wo die Makellosigkeit aufhört, fängt die Schönheit an.“ Mit diesen Worten sagt Fotograf und Künstler Hermann Willers aus Rheine alles über seine Fotoausstellung „Florales“. Die Schwarz-Weiß-Bilder sind in der Hase-Mühle in Bersenbrück zu sehen. Am Freitagabend hatte der Kunstverein „Krabat“ zur Vernissage eingeladen.

Eine Frühjahrsausstellung mit Bildern verwelkender Blumen mag widersprüchlich erscheinen. Krabat-Vorsitzender Bernd Zur Lienen erklärte in seiner Begrüßung aber, dass sich der Vorstand sofort für die Fotografien hermann Willers’ habe begeistern können. Warum dies so war, wurde deutlich, als Edeltraud Többen, die die Idee zu der Ausstellung gehabt hatte, den Künstler Willers und seine Bilder vorstellte.

Willers konzentriere sich in den Fotografien auf das Wesentliche, denn der tiefschwarze Hintergrund hebe das hervor, worauf es ankommt, so Többen. Willers zeige mit seinen Bildern Ausklingen und sanftes Vergehen und damit einen Kreislauf der Natur, in dem durch das Vergehen auch wieder Neues entsteht. „Jeder Niedergang des Alten dient dem Aufzug des Neuen.“

Beim Betrachten der Fotografien sieht man schnell, dass auch in dem Vergehenden viel Dynamik steckt. So sind Blüten zu sehen, die eben gerade die ersten Spuren des Verwelkens tragen. Ihre Blätter hängen aber nicht leblos, sondern wirken wie der Rock einer Ballerina, die sich im Kreis dreht. Und wie viel Schönheit und Hoffnung in den noch nicht verwehten Samen des Löwenzahns liegt, weiß im Grunde jeder, der als Kind diese Samen begeistert in die Luft gepustet und ihren Weg im Wind verfolgt hat.

Die Bilder Willers’ hätten sie ihn ihrer Dynamik und Melancholie an Tango erinnert, so Edeltraud Többen. Und so gab die Kuratorin der Ausstellung auch einen ungewöhnlichen Rahmen. Sie lud Gertrud Arlinghaus mit der Tango-Tanzschule Marena aus Lohne ein, auf der Vernissage zu tanzen und so quasi die Bildaussage durch die Tanzaussage zu unterstreichen.

Rainer Wördemann von der Kreismusikschule Vechta spielte dazu gefühlvolle Tango-Rhythmen auf seinem Altsaxofon.

Damit die Tänzer Platz hatten, waren die Fotografien auf Staffeleien zunächst an den Rand gestellt. Többen forderte die Besucher auf, ein Bild zu nehmen und einen passenden Platz im Ausstellungsraum zu finden. So standen schließlich die Bilder überall verteilt, und für die Besucher eröffneten sich ungewöhnliche Wege zwischen den Bildern. Mit vielen Gelegenheiten zum Gespräch und Austausch.

Das habe er bei einer Ausstellung noch nicht erlebt, sagte der Künstler anschließend im Gespräch. Eine tolle Idee, die neue Wege von Bild zu Bild schaffe. Die Atmosphäre im Ausstellungsraum der Hasemühle gefiel ihm im Übrigen außerordentlich gut.


Die Ausstellung Florales ist bis zum 19. Juni samstags und sonntags von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet.

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