Schwule und Lesben auf dem Land „Landlust“ plant Anlaufpunkt im Altkreis Bersenbrück


Im Emsland hat der Verein „Landlust“ einiges für Homosexuelle bewegen können, seine Wirkung strahlt bis nach Ostfriesland und Südoldenburg hinein. Nun will Bernd Rehme aus Eggermühlen auch im Altkreis Bersenbrück einen Anlaufpunkt schaffen.

Man würde bedenkenlos Fußball mit ihnen spielen, Bier trinken, anzügliche Witze reißen. Dass Markus Freesemann und Marcel Ivan Behrends ein klein wenig anders sind, fällt erst auf, wenn sie sich zu ihrer Andersartigkeit bekennen.

Freesemann und Behrends gehören dem Vorstand des Vereins „Landlust“ an, der kleine Foren organisiert für Homosexuelle, Selbsthilfegruppen oder Stammtische. Dieser Verein gibt Homosexuellen dort eine Stimme, wo sie bislang nicht in der Öffentlichkeit auftauchen: auf dem Land.

50 Mitglieder gründeten „Landlust“ in Meppen. Mittlerweile hat sich die Mitgliederzahl mehr als verdreifacht. Acht Stammtische haben sich gebildet, verteilt über das Emsland und Ostfriesland. Die Vereinsgründung hat etwas ins Rollen gebracht. Anfangs ging es nur um Schwule und Lesben. Doch dann meldeten sich die Transsexuellen mit ihren eigenen Bedürfnissen. Unter dem Gruppennamen „Cocoon“ organisieren sie mittlerweile ihre eigene Selbsthilfegruppe.

Dann gibt es die Regenbogenfamilien, gleichgeschlechtliche Paare, die Kinder aufziehen. Die Gruppe trifft sich an wechselnden Orten, um allen Familien gerecht zu werden.

Neuerdings hat Landlust sogar eine Jugendgruppe. Ein 14-Jähriger aus dem Emsland kann nicht einfach mal so nach Osnabrück, „weil da die geile Party abgeht“, sagt Freesemann. Die Jugendlichen seien noch „in der Findungsphase“, sie wissen noch nicht, in welche Richtung sich ihre Sexualität entwickelt. Das ist ein schwieriger Prozess, der Verein organisiert auch psychologische Beratung für die Jugendlichen.

Der Verein ist vernetzt mit regionalen Partnern wie „Schlau“ Ems-Vechte oder „Gay in May“ in Osnabrück. Seit Dezember ist ihm in Meppen eine Arbeitsstelle des „Queeren Netzwerks Niedersachsen“ angeschlossen, Q-NN kümmert sich landesweit um Fördergelder, etwa für Projekte gegen Diskriminierung und Ausgrenzung.

Der Verein schlägt sich mit typischen Vereinsproblemen herum, sucht etwa Ehrenamtliche für seine Jugendgruppe. Nicht immer rennt er mit seinen Anliegen unbedingt offene Türen ein. „Landlust“ sucht noch einen Raum für seine Jugendarbeit.

Die Stadt Meppen hält sich bedeckt, sagen Feesemann und Behrends. Für Ablehnung dürften Homosexuelle ein feines Gespür entwickeln. Die beiden sagen aber auch, dass „die Region nicht homophober ist als andere auch“. Es kommt darauf an, Veränderungen herbeizuführen, „dass das jemand ist, der etwas reißen will“, sagt Behrends. „Das kommt mit der Zeit.“

„Viele bekennen sich nicht zu ihrer Homosexualität“, sagt Bernd Rehme, der beschlossen hat, das für sich zu ändern. Er möchte Ansprechpartner sein.

Als Vorsitzender des FDP-Verbandes für die Samtgemeinde Bersenbrück kann er sich vorstellen, die Liberalen als Unterstützer zu gewinnen. Das wolle er in der Partei eruieren, erklärt er.


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